Florian Henckel von Donnersmarck
Werk ohne Autor
Das Buch zum Film


Kurt hat zu seiner Tante Elisabeth eine besondere Bindung.
Selbst  musisch, erkennt sie früh die künstelerische Begabung des Kindes und fördert es.
Als 6-jähriger muss er mit ansehen, wie sie von den Nazis in eine Irrenanstalt gebracht wird, weil sie einfach ein wenig anders ist als der durchschnittliche Normalo im dritten Reich. In der Anstalt stempelt sie der Gynäkologe Professor Seeband als ‚nicht lebenswert‘ ab, sie kommt in die Gaskammer.
Kurt wächst auf, studiert Kunst in Dresden. Es zeigt sich, dass er sehr talentiert ist. Hier verliebt er sich in Ellie, die Tochter von Seeband. Der Vater ist gegen die Verbindung, schließlich hat Kurt ‚keine reine Blutlinie‘. Als Ellie schwanger wird, führt er an seiner Tochter eine Abtreibung durch. Nach diesem Eingriff ist klar, dass Ellie wohl nie wieder ein Kind bekommen kann. Sie und Kurt heiraten trotz aller Widerstände und flüchten in den Westen.


Mit diesem Film und dem Buch, das eher ein Manuskript als ein Roman ist, ist Florian Henckel von Donnersmarck ein Meisterwerk gelungen. 
Das Werk wird von der Lebensgeschichte des Malers, Bildhauers und Fotografen Gerhard Richter inspiriert. Allerdings ist dies keine Biografie. Das betont Donnersmarck in einem am Schluss des Buches abgedruckten Interviews ausdrücklich. Auch sind alle Namen der vorkommenden Künstler geändert worden.

Es wird aus drei Epochen deutscher Historie, aber auch Kunstgeschichte in West und/oder Ostdeutschland erzählt. Gerade die ‚Düsseldorfer Akademie‘, die in den 60er Jahren von Joseph Beuys geleitet wurde, ist treffend skizziert. Ein ‚Genau-so war das‘ kann der Leser mit einem Schmunzeln vermerken.
Doch wird die Handlung von der spannungsgeladenen Liebesgeschichte zwischen Kurt und Ellie getragen. Völlig ohne Pathetik zeigt von Donnersmarck auf, wie die beiden sich trotz aller Hindernisse aufeinander einlassen. Einander halten und stützen. Das ist einfach schön erzählt.
Auch hat von Donnersmarck ein Gespür für große Szenen. Die Bombardierung Dresdens zum Beispiel läuft parallel zur Vergasung von Elisabeth und ihren Leidensgenossen im Vernichtungslager ab. Das wirkt eindringlich, der Leser kann sich dem nicht entziehen, spürt das Grauen. 

‚Werk ohne Autor‘ ist ein opulenter Film, ein lesenswertes Buch. Wobei das Buch sicherlich auf Leute, die den Film nicht gesehen haben, nicht so intensiv wirkt.