Ein Date mit einer Hure

Ein kritischer Blick in den Spiegel sagt ihr, dass alles perfekt ist. Die schwarzen Dessous schmiegen sich wie eine zweite Haut an ihren Körper, unterstreichen ihre Vorzüge. High Heels lassen ihre Beine noch länger erscheinen. Die Perücke mit den langen roten Haaren komplettiert das reizvolle Bild. Sie lächelt, setzt sich. Jetzt fehlt nur noch ein wichtiges Detail. Langsam legt sie die schwarze, mit Spitze verzierte Maske an. Sie lächelt ihrem Spiegelbild zu, ist zufrieden mit sich, denn die Verwandlung ist wieder einmal gelungen.
Die biedere Nachbarin und perfekte Hausfrau ist verschwunden. Jetzt ist sie Scarlett, die Frau, die jedem Mann das gibt, was er braucht, was er sich schon immer erträumt hat.
Die Zimmertür öffnet sich. „Hallo, ich warte schon sehnsüchtig auf dich“, haucht sie ohne sich umzudrehen.
Er steht unbeweglich, scheint ihren wohlgeformten Po zu betrachten. Schließlich ein Räuspern. „Ich ... äh ... gehe mir mal kurz die Hände waschen ...“ Seine Stimme klingt belegt und ein kleines bisschen unsicher. Diese Art von Verabredung hat auch er noch nie getroffen. Ein Date mit einer Hure, einer Frau die alles tun wird, was er von ihr verlangt. Nun, sie wird ihm zeigen, was er bisher verpasst hat.
Während er im Bad ist, legt sie sich aufs Bett, streicht sich sanft über den Busen, läßt ihre Hände tiefer gleiten. Die Erfahrung hat sie gelehrt, dass es Männern gefällt, wenn sie eine Frau beobachten, während sie sich selbst bedient. Sie massiert sanft ihre Perle, bemerkt seinen brennenden Blick. Er steht in der Badzimmertür, lässt sie nicht aus den Augen.  Wie von selbst wandern ihre Hände wieder über ihren Busen.
„Gefällt es Dir?“, fragt sie, während sie sich die Träger über die Schulter schiebt.„Oh ja“, knurrt er, geht auf sie zu, das bereits geöffnete Oberhemd achtlos abstreifend. Direkt vor dem Bett bleibt er stehen.
„Du weißt, was du zu tun hast.“Wortlos öffnet sie seinen Gürtel, dann den Reißverschluss seiner Hose. Sein pralles Glied reckt sich ihr entgegen.
Langsam lässt sie ihre Zungenspitze an seinem Schaft entlanggleiten, bevor sie ihn fest mit den Lippen umschließt. Mit den Händen umfasst sie seinen Po, knetet ihn. Während er immer wieder er zwischen ihren Lippen eintaucht spürt sie, dass er noch härter wird.„Stopp, nicht so. Jetzt will ich dich ficken“, keucht er und gehorsam lässt sie sein Glied aus ihrem Mund gleiten.
Er entledigt sich seiner restlichen Kleidung, befielt: „Dreh dich auf alle Viere, ich werde dich von hinten nehmen.“
Sie dreht sich wie er es wünscht, streckt ihm ihren Po entgegen, erwartet ihn. Doch er lässt sich Zeit, streicht ihr über das Hinterteil, greift schließlich zwischen ihre Beine, findet ihre Perle, massiert sie sanft, fühlt ihre Nässe.„Jetzt bist du bereit für mich.“ Er fasst ihre Hüften, dringt mit einem harten Stoß in sie ein, verharrt einen Augenblick. Das Gefühl der angenehmen Dehnung lässt sie aufstöhnen.
„Gefällt dir das?“ fragt er leise, lässt seine Hand auf ihre Pobacke klatschen. „Willst du mehr?“
Sie reckt ihm ihr Becken entgegen. „Ja, bitte, fick mich endlich.“
Er lacht kehlig auf, zieht sich fast ganz aus ihr zurück, um gleich darauf hart zuzustoßen. Immer wieder, immer härter stößt er zu, schlägt ihr immer wieder auf den Po.
Sie bebt unter diesen intensiven, ausladenden Stößen, unter seiner Hand, die heiße Spuren auf ihrem Hinterteil hinterlässt.
Plötzlich zieht er sich aus ihr zurück. „Dreh dich um. Ich will dir in die Augen sehen.“
Wie befohlen legt sie sich auf den Rücken, hebt ihm das Becken entgegen, spreizt die Schenkel. Doch er hat anderes im Sinn, legt sich ihre Beine auf die Schultern, dringt wieder tief in sie ein. Wie von selbst drängt sie sich ihm entgegen, erwartet atemlos seine Stöße, wird von einem Orgasmus überrollt, merkt, wie er sich in ihr entleert.
Keuchend lässt er sich auf sie sinken, küsst sie auf den Mund. Eigentlich ist das ein absolutes Tabu, eine Hure lässt sich niemals von einem Kunden küssen, doch in diesem Fall ist es ihr egal. Sie erwidert seinen Kuss.„Das war toll“, murmelt er schließlich, lässt seine Lippen zu ihren Brüsten wandern, knabbert sanft an den Nippel.„Oh ja, das war wirklich unglaublich“, stimmt sie ihm zu.Er hebt den Kopf, lächelt sie an. „Ich glaube, jetzt werde ich noch einmal mit dir schlafen. Nicht mit der Hure, sondern mit meiner Frau ...
© Alizé


Spiegelbilder

Sie stand vor dem Spiegel, so, wie er es ihr befohlen hatte, entledigte sich ihrer Kleidung Stück für Stück. Stellte sich vor, dass er bequem in einem Sessel saß, ihr schweigend dabei zusah. Jetzt trug sie nur noch ihren String, beugte sich vor, schob ihn langsam nach unten. Überlegte, dass er den Anblick reizvoll finden würde.
Gedankenversunken strich sie über ihren Körper, nahm die Brüste in die Hände, streichelte, rieb über die Nippel. Erst sanft, und mit wachsender Erregung heftiger, zwirbelte sie die Warzen, fühlte Nässe zwischen ihren Schenkeln, lächelte. Auch das würde ihm gefallen haben. Sie schloss die Augen und wie von selbst ging der Griff einer Hand zwischen ihre Schenkel, ertastete die Perle, umkreiste, rieb.
Sie stöhnte verhalten auf, ließ zwei Finger in die Spalte gleiten, massierte sich im Takt ihres immer schneller werdenden Atems. Die Beine zitterten, sie hätte sich gern aufs Bett gesetzt, doch er hatte ihr ganz klar befohlen sich im Stehen zu befriedigen. In immer schnellerem Rhythmus drangen die Finger in sie ein, während sie mit der anderen Hand ihre Perle rieb.
Gedankenfetzen: Sie steht nackt vor ihm, gefesselt, ist ihm hilflos ausgeliefert. Wartet darauf, was er mit ihr machen wird.  Spürt ein Brennen dort, wo er sie geschlagen hat. Sanft und fest zugleich. Dann befiehlt er ihr, sich vorzubeugen, dringt in sie ein ...Ein Orgasmus überrollte sie, ließ sie beben.
Sie öffnete die Augen, ihre Beine zitterten. Sie setzte sich aufs Bett, lächelte. Jetzt würde er wohl nichts dagegen haben ...
© Alizé


Pulsierendes Rot

Ich verschmelze mit den Schatten. Träge wälzen sie sich durch die engen Straßenschluchten, lassen mich unsichtbar werden, in einen Dämmerzustand fallen. Kalt, erstarren vor Kälte. Vorhin, auf dem Dach des Hauses, fühlte ich mich lebendig, fühlte warmes Pulsieren unter zarter Haut. Liebkoste, bevor ich ihr das Leben nahm.  Ein spielerischer Stoß nur. Ihre leere Hülle stürzte in den Abgrund. Weit unten dann der Aufprall. Ein bleicher Schatten auf dem Asphalt.
So bleich ist sie, so kalt ohne das pulsierende Rot. Stimmen.„Sie ist wohl gesprungen, wollte sich das Leben nehmen.“
Ich erwache aus meiner Starre, denke amüsiert: ‚Gesprungen, ach tatsächlich, ist sie das?’
„Aber wieso ist hier kein Blut?“, klingt es ratlos, schockiert.  Ich gestatte mir ein Lächeln. Narren allesamt, sie haben keine Ahnung. Prüfend nehme ich Witterung auf. Ihr Geruch ist verschwommen, nichtssagend. Weiter, es ist Neumond, perfekt für die Jagd. Bin noch lang nicht gesättigt, spüre meine Kraft, unmenschlich ist sie, berauschend.
Plötzlich ein Gebäude, abseits der anderen, heruntergekommenen Häuser. Laute Musik, Lichter, Gelächter. Erinnerungsfetzen überfluten mich. Hier war ich in einem anderen Dasein. Tanzen, lachen, Zärtlichkeit.
Ein seltsam leichtes Gefühl prickelt in mir, verbunden mit der Erinnerung an ein lächelndes Gesicht. Es gehört zu einem jungen Mann. Ich drücke mich in die altvertrauten Schatten.
Vorbei. Dieses Leben gibt es nicht mehr. Was ist geblieben? Nebelhafte Bruchstücke, verblasste, verstörende Gedanken an Glück, Wärme, Geborgenheit. Sie bringen einen tiefen Schmerz, denn ich weiß, dass ich nun eine Kreatur der Dunkelheit bin. Eine kalte Jägerin, die nach warmem Blut giert.So warte ich, die Nacht ist noch jung, Zeit spielt keine Rolle.
Schließlich kommen sie aus dem Gebäude. Jung sind sie alle miteinander, riechen verlockend. Halt, da ist ein ganz besonderer Duft, der mich sofort betört, heraussticht, metallisch ist und bitter süß. Die Witterung aufnehmend folge ich Spur, habe Glück. Bald trennt sich die Gruppe. Ich folge lautlos dem ganz besonderen Geruch, bin dicht hinter der Person, die ihn verströmt. Es ist ein Mann, jung, schlank, attraktiv, mit hellem Haar, doch das interessiert mich nicht. Der Duft ist es, der mich fasziniert, in den Bann schlägt.Endlich kommt meine Gelegenheit. Wir sind allein zwischen den dunklen Häusern. Als ich ihn stelle, schaut er mich überrascht an, schüttelt meine Hand voller Abscheu ab, will sich abwenden. Doch ich halte ihn fest, zwinge ihn, mich anzusehen.
Erkennen in seinem Blick. Ein heiseres Flüstern: „Bist du es? Herrgott, was ist los mit dir? Du siehst ekelhaft aus!“
Er weicht zurück. Ich lasse es zu, weiß, dass er nicht flüchten kann. Wie ein Tier in einer Falle sieht er um sich, macht einen Schritt rückwärts, fällt. Es ist keine große Wunde, eine Abschürfung nur, aus der ein wenig Blut sickert.

Ich komme zur Besinnung. Hocke über den Toten gebeugt, habe seinen Lebenssaft bis auf den letzten Tropfen getrunken. Im Aufstehen blicke ich noch einmal in sein wächsernes Gesicht, erstarre.
Das andere Leben, ein Lächeln - er ist es.Plötzlich schmeckt sein Blut bitter auf meiner Zunge. So bitter, wie mein Dasein jetzt ist ...
© by Alizé


Harem
„Hallo ihr Süßen“, begrüßte Manu ihre Männer und fuhr Werner durch das unordentliche Haar. „Ich habe jemanden mitgebracht. Tata - tata!“ Sie öffnete die Küchentür weit, nahm den dahinter stehenden Mann bei der Hand und zerrte ihn in den Raum. „Das ist Sergej. Er wird unsere Truppe ergänzen.“
Während Sergei sich in aller Seelenruhe den Dreitagbart und anschließend den Hintern kratzte, starrten die Männer ihn ungläubig an. Manu ließ sich auf Franks Schoß nieder und kraulte ihn unter dem Kinn. „Wozu noch einer? Sind dir fünf Kerle nicht genug?“, fragte der geschockt.„Sorry, aber es gibt noch einige wesentliche Bedürfnisse, die ihr allesamt nicht abdeckt. Wenn ich da mal so sagen darf. Ich möchte eben manchmal richtig hart rangenommen werden. Das schafft ihr einer wie der Andere nicht.“
„Ich schon“, sagte Frank im Brustton der Überzeugung und strich über Manus Rücken.
„Ach Schätzchen, hab dich doch nicht so. Du bist Weltmeister im Kuscheln, Streicheln und Massieren, aber sonst ist eben nicht viel mit dir los“, erklärte Manu, während sie Frank mit einem vielsagenden Blick in den Schritt griff.
Während Sergei bis über beide Ohren grinste, stand Manu auf und schaute streng in die Runde. „Wenn ich es mal richtig besorgt haben will, seid ihr alle fünf einfach Nieten.“
Die Männer senkten betreten den Blick. Werner, der Handwerker in der Runde, lief knallrot an, was bestens zu seinem karottenfarbenen Haar passte. Er hatte in der letzten Zeit jede Menge Überstunden gemacht und in der Freizeit alle anfallenden Arbeiten in Haus und Garten erledigt. So war er am Abend immer müde. Letztens war er auf Manu eingeschlafen und sie hatte sich mühsam unter ihm vorarbeiten müssen.
Auch Detlev, der sich um Haushalt und Kinder kümmerte, blickte auf seine im Schoß gefalteten Hände. Er hatte sich redlich bemüht, Manus Ansprüchen gerecht zu werden, doch konnte er nicht aus seiner Haut. Wenn eines der Kinder im Schlaf aufseufzte, konnte er sich nicht mehr auf die sich nackt im Bett räkelnde Manu konzentrieren. Man konnte ja niemals wissen, ob das Kindchen sich nicht losgestrampelt hatte. Lieber schaute er einmal mehr nach.
Hubert, der Finanzier der Truppe, bemühte sich nach Kräften, ein potenter Liebhaber zu sein, doch schaffte er es nie länger als fünf Minuten auszuhalten. Dann war er am Ziel angelangt, während Manu noch in den Startlöchern stand. Auch das Argument, dass laut des Kindsey Reports 80 % aller Männer schon in 3 Minuten fertig wären griff nicht wirklich. Manu lachte ihn schallend aus.
Georg schließlich war ein idealer Begleiter bei allen gesellschaftlichen Anlässen. Kultiviert und gut erzogen gab er den Mann von Welt, fühlte sich in gepflegter Gesellschaft wohl. Allein mit Manu im Bett bekam er Panikattacken. Er bemühte sich redlich, doch rührte sich bei ihm und seinem besten Stück nichts, so sehr sich Manu auch bemühte.
Manu unterbrach das betretene Schweigen. „Los, Sergei, ich kann nicht länger warten. Ich brauche es jetzt gleich.“ Sie zog den Angesprochenen ins Schafzimmer. „Fühl mal, ich bin schon ganz feucht“, hörten die Zurückgebliebenen, dann schloss sich geräuschvoll die Tür.
Verblüfft und schockiert starrten die Männer auf die geschlossene Schlafzimmertür.„Verflucht, was will sie denn mit dem?“, stöhnte Frank auf. „Die Perle ist unersättlich. Ich liebe sie, aber was zu viel ist, ist zu viel!“
Werner zuckte mit den Schultern. „Du hast sie ja gehört. Sie braucht es richtig hart und tief. Ich würd’s ja bringen, aber ich schufte den ganzen Tag und auch noch abends. Wie soll ich da noch einen hoch kriegen.“
„Oh Gott, ich glaube er schlägt sie! Hört ihr das“, rief Detlev aus. „Sollen wir nicht lieber mal nach dem Rechten sehen?“ Er stand unentschlossen auf.
Tatsächlich waren laute Geräusche zu hören: Ein Klatschen, dann winselte Manu lauf auf. „Ja, mach’s mir, stoß tiefer“, schrie sie gleich darauf.
Die anderen zögerten. Bisher hatte es sich keiner getraut Manu beim intimen Zusammensein zu stören. So setzte sich Detlev wieder auf seinen Stuhl. „Ich hoffe sie weckt die Kinder mit ihrem unflätigen Geschrei nicht auf, wo unsere Jüngste so schnell Alpträume bekommt. Das ist sehr rücksichtslos“, er zögerte einen Moment und schaute seine Leidensgenossen an. „Oder?“
Wieder hörte man animalische Laute und einen Rums gegen die Wand. „Du bist so gut“, stöhnte Manu.
Georg verzog angewidert das Gesicht. „Die zwei benehmen sich wie die Tiere. Das ist einfach widerlich. Ich denke nicht, dass ich sie heute Abend mit ins Theater nehme. Othello wird übrigens gegeben.“
„Sie kommt sowieso nicht mit. Weil sie mir schon versprochen hat, mit ins Kino zu kommen. 50 Shades of Grey. Darauf steht sie“, erklärte Werner energisch.„Was solls, wenn dir keiner steht. Offensichtlich lässt sie sich von diesem dahergelaufenen Kraftmeier gerade um den Verstand vögeln“, ließ sich Hubert vernehmen. „Sie sollte Geld dafür nehmen, das wäre ein einträgliches Geschäft.“
Frank sprang auf. „Das nimmst du sofort zurück. Manu ist eine tolle Frau. Sie hat eben viel Temperament und wir sind ihren Anforderungen in der letzten Zeit nicht gerecht geworden.“
Um die Geräusche aus dem Schlafzimmer zu übertönen war er immer lauter geworden.„Was schreist du hier so rum, bist du bekloppt, oder was“, rief Werner ebenso lautstark. „Ich schreie wenn ich will, immerhin wohne ich hier“, war die Antwort.Detlev erhob sich. „Ihr benehmt euch wie Kinder, wirklich. Man sollte euch auf den Schweigestuhl setzen, zur Strafe!“
So gab ein Wort das andere. Jeder ging auf jeden los, regte sich auf, schrie, drohte, was alle weiteren Geräusche aus dem Schlafzimmer unhörbar machte.
Mit einem Schlag verstummten die Kontrahenten, denn die Schlafzimmertür öffnete sich langsam, gab den Blick auf eine hüllenlose, verschwitzte und atemlose Manu frei. Sie hielt sich am Türrahmen fest und strahlte in die Runde. „Was macht ihr denn für einen Krach hier. Man kann sich ja fast nicht auf das Wesentliche konzentrieren. Egal, jetzt geht es mir richtig gut. Wie sehr ich doch diesen harten, versauten Sex gebraucht habe! Sergei wird erst mal bei uns bleiben. Wer teilt sein Zimmer mit ihm?"
© by Alizé
veröffentlicht im E-Book
Saturday Night Fever von Alizé Siffleur


Träume
Ich träume. Wir liegen auf einer Wiese, nah beieinander. Es ist eine laue Nacht. Wir schauen uns die Sterne an. Du nimmst meine Hand, weist stumm zum Himmel.„Heute kann er warten“, flüsterst du.Dann nach Minuten, Sekunden, Ewigkeiten spüre ich deine Unruhe.
„Bitte bleib“, sage ich.
„Ich kann nicht!“ Du legst für einen Augenblick deine Hand zwischen meine Brüste, auf mein Herz.
Ich wache auf, spüre deine Finger noch. Glaube für einen glücklichen Moment, du wärst bei mir.
© by Alize


Strandgeflüster

Wie oft bin ich schon den sandigen Weg entlang gegangen, der zu meiner verschwiegenen Bucht führt. Ein kleiner Strand nur, von Wald umgeben, an den sich kaum ein Mensch verirrte. So ganz anders als an den großen Stränden, an denen sich die Sonnenhungrigen tummeln, kann ich hier in Ruhe relaxen, baden, den Sonnenuntergang ganz für mich allein genießen. Doch heute ist alles anders.
Er sitzt gedankenversunken im Sand, schaut den Wellen zu, die sanft plätschernd am Strand auslaufen. Barfuß schleiche ich mich an, halte ihm die Augen zu und lehne mich an seinen Rücken. Er legt seine Hände über die meinen. „Da bist du ja. Ich habe dich schon sehnsüchtig erwartet. Gehen wir schwimmen?“
Ich nicke lächelnd, ziehe mein Shirt und die Shorts aus. „Ich bin schneller als du“, mit diesen Worten spurte ich los. Das Wasser reicht mir bis zur Taille und die plötzliche Kälte lässt mich scharf Atem holen.
Er entledigt sich seiner Jeans und läuft mir hinterher.„Da bist du ja, du lahme Ente.“ Kichernd spritzte ich ihm eine Ladung Wasser ins Gesicht. Er japst nach Luft. „Na warte, du kleines Biest“, knurrt er, packt mich, zieht mich dicht an sich. „Du hast entschieden zu viel an!“ Er schiebt geschickt mein Bikinioberteil zur Seite und beugt den Kopf.„Findest du?“ Ich lege die Arme um seinen Nacken, genieße das Gefühl seines Mundes an meiner Brust. Die Nippel richten sich auf, als seine Lippen sie umschließen. Erregung durchzuckt meinen Körper, es fühlt sich fast an, wie lauter kleine Stromschläge. Die Kälte des Wassers macht mir plötzlich gar nichts mehr aus.
Er knabbert vorsichtig an meinen Warzen, lässt mich seine Zähne spüren. Leise aufstöhnend lege ich meinen Kopf in den Nacken. Ich schlinge die Beine um ihn, fühle wie seine großen Hände meine Oberschenkel entlang gleiten, bis unter meinen Po. Er zieht mich noch fester gegen seine Hüften, um mich schließlich hochzuheben und auch mein Bikinihöschen zur Seite zu schieben. Schon spüre ich seine pulsierende Spitze an meiner Pforte. Langsam lässt er mich auf sich nieder. Ich nehme Stück für Stück mehr von ihm auf, genieße die pulsierende Dehnung in mir.
Langsam und genussvoll bewege ich mich auf ihm, spüre wie er noch weiter in mir wächst, mich immer tiefer ausfüllte. Seine Hände packen wieder meine Hüften, er zieht mich bei jedem Stoß enger an sich. „Sieh mich an“, befiehlt er mir flüsternd.
Ich öffne meine Augen, treffe seinen fordernden Blick. Immer schneller wird der gemeinsame Liebesritt bis endlich die heißen Wellen des Höhepunktes meinen Körper durchzucken, ihn explodieren lassen. Wir klammern uns aneinander, hören die Laute der Lust des anderen.  Sein ganzer Körper spannt sich an, er ergießt sich laut aufstöhnend in mir. Ich lehne benommen meinen Kopf an seine Schulter, schließe die Augen, höre undeutlich das Rauschen der Brandung. Er fühlte sich weich an, fast wie ein . . . Kissen???
Als ich die Augen wieder öffne, habe ich den Kopf in meinem Kissen vergraben, das ich fest im Arm halte. Ich höre kein leises Rauschen der Wellen, stattdessen bin ich nass geschwitzt. Ein Blick auf den Wecker zeigt mir, dass es fast Zeit ist um aufzustehen. Frustriert drehe ich mich auf die andere Seite...wieder nur ein Traum!
© Alizé


Appetizer oder Dessert?

„Hallo, mein Herz. Ich rufe an, weil ich mich vergewissern möchte, ob du heute Abend pünktlich bist.“
„Ja, natürlich. Wieso fragst du?“
„Oh, ich möchte etwas Besonderes für uns kochen. Lass dich überraschen. Das Dessert wird dir besonders gut gefallen.“
„Ja dann werde ich sehr pünktlich sein, Chérie. Ich freue mich auf dich und natürlich auf das besondere Dessert. Ich werde es genießen.“

Verlockende Düfte erfüllen die Luft, verheißen kulinarische Verführungen. Der Tisch für unser Tete-à-Tete ist gedeckt. Der Champagner liegt auf Eis. Ein Blick auf die Uhr sagt mir, dass er gleich hier sein muss, also zünde ich die Kerzen an. Ihr goldenes Licht verzaubert den Raum, lässt ihn funkeln.
Ohne dass ich es bemerkt habe, ist er eingetroffen, steht lächelnd in der Tür. „Es gefällt mir, was ich sehe“, murmelt er und es ist offensichtlich, dass er nicht nur den gedeckten Tisch meint.„Ich habe dich gar nicht kommen hören“, lächle ich zurück. „Möchtest du einen Aperitif?“
Er lacht, kommt langsam auf mich zu. „Oh ja, das ist eine gute Idee.“ Er streicht mir zart über den Rücken, bis hinunter zum Po. Dann wandern seine Finger unter den Saum meines Rockes. Er küsst meine Lippen, lässt mich wissen, worauf er jetzt Hunger hat. Dann öffnet er meine Bluse, registriert erfreut, dass ich nichts darunter trage. Sein Mund wandert, zieht eine heiße Spur meinen Hals hinab, verweilt auf meiner Brust. Er leckt an meinen Knospen, umrundet sie mit der Zunge, bis ich vor Wonne stöhne und mich noch weiter an ihn presse. Seine Finger auf meinen Schenkeln entdecken den feuchten Mittelpunkt meiner Lust.Er hebt mich auf die Tischkante, öffnet sein Hemd, während ich ungeduldig an seiner Hose zerre. Endlich kommt er mir groß und hart entgegen. Ich massiere ihn, doch er ist ungeduldig, legt mich auf den Tisch, dringt gierig ein, stößt tief in mich. Ich wölbe ihm mein Becken entgegen, will ihn hart und unnachgiebig spüren, hechele und flehe ihn an. Fast brutal knetet er meine Brüste, reizt die harten Warzen, unerträglich ist die Lust. Ich höre ihn stöhnen, fühle sein Beben.
Oder bin ich es, die zittert, bebt, seinen Namen stöhnt? Unerträglichkeit lässt mich schreien, bis ich explodiere.Er liegt halb auf mir, ich fühle warme, wohlige Feuchte zwischen den Beinen. Gemeinsam kommen wir zu Atem.
Schließlich stützt er sich auf die Hände, schaut mir zärtlich in die Augen, lächelt befriedigt. „Das war der Appetizer, jetzt essen wir, nicht wahr!“Ich muss lachen.
„Das war so aber nicht geplant. Eigentlich war ich das Dessert. Ich glaube jetzt möchte ich erst einen Schluck Champagner.“
© by Alizé
Veröffentlicht: E-Book "Ich gehöre Dir" (Alizé Siffleur)


Ein ganz besonderer Tango

„Meinst du wirklich, dass es eine so gute Idee war?“
Verdrossen schaue ich meine Freundin an, die im Gegensatz zu mir strahlt. „Stell dich bloß nicht so an. Es ist doch einfach genial hier! Schau dir mal die Typen an! Sind sie nicht himmlisch“, sie seufzt entzückt, was mich dazu bringt, die Augen zu verdrehen. Sie hat halt einen merkwürdigen Geschmack, was Männer anbetrifft.  Nun, jetzt bin ich einmal hier und kann sie nicht einfach sitzen lassen. Ich zucke resigniert die Schultern und schaue einmal mehr frustriert um mich.
‚Wieso bin ich nur auf die dämliche Idee gekommen, sie in dieses Lokal zu begleiten’, hadere ich weiter mit mir.
In der dämmerigen Kaschemme wird ausschließlich Tango gespielt und das von einer schmierig aussehenden Live Band. Ich komme mir vor, als würde ich mich in den Roaring Twentis befinden, bloß dass ich mich so gar nicht wild fühle, sondern eher gelangweilt. Hinzu kommt, dass die Typen hier mich allesamt an schmierige Gigolos erinnern, die es eigentlich nur in uralten Filmen gibt.
Meine Freundin stößt mir den Arm in die Rippen. „Schau bloß mal was da für ein fan-tas-tischer Kerl hereinkommt.“ Sie sieht aus, als würde sie gleich hyperventilieren. „Der ist ziemlich oft hier. Du ahnst nicht, wen er schon alles abgeschleppt hat“, ein theatralischer Seufzer folgt. „Bloß mich schaut er nicht an ...“ Sie saugt wie wild an dem Strohhalm, der in ihrem Cocktail steckt.Ich gucke mir den Fantastischen an. Zugegeben, er sieht nicht schlecht aus, hat etwas – na ja – animalisches an sich, das mich unruhig macht. Ich zucke wieder mit den Schultern, dieses Mal betont gleichgültig. „Ja, wenn man auf solche Typen steht.“
Während des nächsten Musikstücks tanzt er mit einer Person, die unmöglich gefärbte Haare hat. Diesen Rotton gibt es eigentlich gar nicht. Zudem ist die Frau schrecklich gekleidet, die großen Brüste fallen ihr fast aus dem Dekolleté. Ich erwische ich mich immer öfter dabei, wie ich den Typen beobachte und merke, dass er den Augenkontakt mit mir sucht, obwohl er seine Partnerin gekonnt über das Parkett schiebt.‚Er kann super tanzen, bewegt sich wirklich gut zur Musik. Ob er auch gut im Bett ist?’ Ich rufe mich zur Ordnung und bemühe mich ihn nicht mehr zur Kenntnis zu nehmen, indem ich mich demonstrativ umdrehe.
Wieder bekomme ich einen Rippenstoß, dieses Mal noch fester. „Oh mein Gott, er guckt in unsere Richtung, die ganze Zeit schon. Jesus, jetzt kommt er zu uns. Bestimmt will er mich zum Tanzen auffordern“, stammelt meine Freundin und wird knallrot.
Neugierig drehe ich mich um.„Tanz mit mir!“ Er lächelt, sanft und doch herausfordernd. Er weiß ganz genau was er will, nimmt meine Hand, zieht mich in seinen Arm. Er braucht dazu nur eine einzige kleine Bewegung. Ich fühle mich plötzlich ganz eigenartig, irgendwie willenlos und schmiege mich an ihn. Er lässt mir kaum Zeit um Luft zu holen. Seine Hand liegt auf meinem verlängerten Rücken, streichelt mich sanft, führt mich zu den Klängen der Musik. Eigentlich mag ich den Tango nicht besonders, aber jetzt nimmt er mich gefangen. Ich lasse mich auf die Musik ein – und auf ihn. Unsere Hüften kreisen, bewegen sich im Takt. Becken berühren sich, reiben aneinander. Ich spüre seine Finger durch den Stoff meines Kleides, sie kommen mir heiß vor, verbrennen mich fast. Die Hitze überträgt sich auf meine Lenden und ich reibe mich weiter an ihm, fühle seine Härte. Das Musikstück ist zu Ende, doch er lässt mich nicht los, führt mich in den nächsten Tanz, presst mich noch enger an sich. Ich folge allen seinen Bewegungen.
Unvermittelt bleibt er stehen, nimmt meine Hand. Ich fühle mich wie in Trance. Gemeinsam verlassen wir den Saal, suchen im stillen Einvernehmen einen ruhigen Platz. Ich zittere vor Ungeduld, lehne mich schließlich gegen eine Hauswand, kann nicht länger warten.Zu viel Stoff zwischen uns.
Er schiebt die Seide meines Rockes hoch, seine Hände zittern fiebrig. Ich spüre seine drängende, harte Lust, will ihn tief in mir, stöhne: „Tanz mit mir!“ Seine Hände halten mich, während meine Beine ihn umklammern. Ich hebe den Schoß, kreise, gebe den Takt vor. Die Lust kribbelt unerträglich, brodelt, ergießt sich. Der Himmel explodiert.
Ich lehne mich an ihn, lecke Salz von seiner Brust. Er umfängt mich mit seinen Armen, hüllt mich einen Augenblick ein mit seiner Wärme. Doch ich weiß genau, dass dies nur ein Tanz war, der sich nicht widerholen wird.
Und eigentlich mag ich den Tango gar nicht . . .
© by Alizé
veröffentlicht E-Book "Ich gehöre Dir" (Alizé Siffleur)


Wir sehen uns

Wütend schaute sie sich in dem tristen Gang um. Dieses Krankenhaus entsprach allen Klischees, die sie sich denken konnte. Es war alt, düster und deprimierend, zudem roch es in den Gängen muffig, irgendwie nach Krankheit. „Muss das wirklich sein! Hätte er sich nicht für eine andere Klinik entscheiden können?“, murmelte sie vor sich hin. Doch eigentlich wusste sie ganz genau, dass es völlig egal war, in welchem Krankenhaus er sich befand. Er würde sterben.
Sie hatte die Wahrheit lange verdrängt, hatte immer noch gehofft, nicht geglaubt, was so offensichtlich war. Die Diagnose war schon lange bekannt: Krebs, in seiner bösartigsten Form. Er hatte einen langen Leidensweg hinter sich. Operationen, Chemotherapie, das ganze Programm. Doch bewahrte er während all der Jahre seine Lebensfreude, die Liebe zum Leben. Dann kam das endgültige Urteil mit einem Donnerschlag.
Er sagte es mit seinen Worten: „Sie wollen mich in der Uni Klinik nicht mehr sehen. Sie meinen, dass bei mir sowieso nix mehr zu retten ist. Was soll’s, dann habe ich mehr Zeit für Frau und Kinder.“ Den letzten Satz sagte er ganz leise, mit seinem schiefen Lächeln, das in einem Mundwinkel saß, das sie so gut kannte.
Erst hatte sie gebetet. „Lieber Gott, lass ihn wieder gesund werden!“ Nun bat sie: „Lieber Gott, bitte lass ihn nicht mehr so leiden. Gib ihm Ruhe und Frieden.“Es dauerte nicht mehr lange bis zu dem gefürchteten Anruf. Er war dieses Mal in einem kleinen Vorstadtkrankenhaus. Er hatte noch einmal eine Chemotherapie angefangen, doch die war erfolglos abgebrochen worden.
„Verdammt, sei nicht so feige!“ Sie straffte unwillkürlich die Schultern, setzte ein mühsames Lächeln auf und öffnete die Zimmertür.
Er saß im Bett am Fenster, blickte ihr erstaunt entgegen. „Mit dir habe ich überhaupt nicht gerechnet.“
„Da kannst du mal sehen, Bruderherz. Ich bin immer für eine Überraschung gut.“ Sofort war das vertraute Gefühl da. Die Geschwister hatten sich immer ohne Worte verstanden.
Sie setzte sich auf die Bettkante. „Ich war gerade hier in der Ecke, da habe ich gedacht: besuchst du mal deinen doofen großen Bruder.“
Er schubste sie sanft. „Erst mal runter vom Bett, du Ziege. Setz dich gefälligst auf den Stuhl hier neben dem Bett, wie sich das gehört. Find ich klasse, dass du hier bist.“ Abrupt beendete er den Satz, griff neben sich nach dem bereitgestellten Eimer. „Tut mir leid, aber es geht nix mehr. Sie füttern mich durch eine Magensonde und es kommt alles oben wieder raus“, erklärte er, nach Luft ringend.
Sie strich ihm sanft über den Rücken. „Ist ja schon gut.“ Sie konnte sich selbst nicht verstehen, war sonst so nah am Wasser gebaut. Jetzt war sie innerlich wie erstarrt, hielt ihn fest, half ihm, bis der Anfall überstanden war.
Sie blieben lange Zeit still nebeneinandersitzen, hielten sich an den Händen, wussten beide, dass dies der Abschied war. „Ich möchte dich nicht mehr sehen“, er entzog ihr sanft seine Hände, schaute sie ernst an. „Bitte besuche mich nicht mehr, denn ich möchte, dass du mich in Erinnerung behältst, solange ich noch das letzte bisschen Würde habe.“
Sie öffnete den Mund, wollte protestieren, doch er kam ihr zuvor. „Pass mal auf, du Ziege, du wirst zum letzten Mal auf deinen großen Bruder hören. Also hau jetzt ab und lass dich nicht mehr blicken.“
Wortlos stand sie auf, fühlte sich immer noch ganz kalt und eisig. Sie würde später trauern und all den Kummer aus sich herausweinen, wissen, dass er ihr immer fehlen würde. Dass der Schmerz sich mit der Zeit mildern, aber nicht vergehen würde. Phantomschmerzen, wie nach einer Amputation.
Die Türklinke schon in der Hand drehte sie sich noch einmal um. „Ich hab‘ dich lieb“, sagte sie leise. „Bis dann, wir sehen uns“, war die ebenso leise Antwort.
© Alizé
Veröffentlicht:
Anthologie "So lang das Rad der Zeit sich dreht" (Herzsprung Verlag)


Nur ein einziger Satz

Sie steht auf der Terrasse, schaut in den sternenklaren Himmel. „Bald können wir wieder grillen“, denkt sie und, „er wird am Grill stehen, einen Whisky trinken und seine komischen Witze machen. Witze, die nur er versteht.“
Plötzlich wird ihr klar, dass dies nie wieder geschehen wird, Vergangenheit ist. Er wird sie nie wieder zum Lachen bringen in dem er ihr den Rücken zudreht und mit dem Hintern wackelt. Er wird nie wieder die Hände zu Krallen formen, den Kopf zwischen die Schultern ziehen und wie ein Monster auf sie zu gehen um sie zu kitzeln. Nie wieder Sätze mit seiner komischen Aussprache unnachahmlich färben, so wie nur er das kann. Er wird nie wieder beleidigt in seinem Sessel sitzen und darauf warten, dass sie den ersten Schritt macht.
Nie wieder wird sie ein Mann so lieben wie er. Mit all ihren Ecken, Kanten und Macken. Mit Eigenschaften, die andere in den Wahnsinn treiben. Eigenschaften, die er für Kreativität gehalten hat.
Sie krümmt sich, denn es schmerzt. Er war Sicherheit für sie und Immer. Nun wird sie lernen müssen ohne ihn zu atmen, zu leben. Bislang setzt sie einen Schritt vor den anderen, langsam, so als würde sie das Laufen wieder erlernen.
Noch kann sie ihn riechen. Sein Parfum steht im Bad, seine Handtücher hängen am Haken.
„Gleich kommt er heim“, denkt sie oft, erwartet seinen Schlüssel in der Tür. Seine Umarmung, das Küsschen auf den Mund, auf beide Wangen und zum Schluss auf die Nase. Sein zärtliches Flüstern:„Mo Shiorghrá.“
Sie möchte ihm noch so vieles sagen, doch es ist ein einziger Satz, den sie herausschreit: „Warum hast du mich verlassen?
© Alizé


Verheißung
Sie saßen auf der Terrasse eines kleinen Fischlokals, direkt am Meer. Hier war es angenehm kühl und dämmrig.
Genüsslich nahm sie einen Schluck aus ihrem Weißweinglas. Auch der Wein war gut gekühlt. Der laue Wind streichelte ihre heiße Haut, ließ sie schaudern. Seine grauen Augen taten ein Übriges, ließen ihren Puls in die Höhe schnellen. Auf seinen Lippen fand sie unausgesprochene Verheißung.
Er zerteilte sorgfältig die Seezunge, die butterglänzend auf seinem Teller lag, befreite das weiße Fleisch von Gräten. Dann fing er ihren Blick auf, nahm ihre Hand, umschloss sie. Genießerisch führte er sie an seine Lippen, knabberte, saugte sanft an ihren Fingern.
Sie dachte an die leidenschaftliche Umarmung des Morgens. Sein Mund auf ihrer nachtwarmen Haut, seine Zunge, die mit ihren Knospen spielte. Erinnerungen an unerträgliche Lust, lustvolle Vereinigung, verströmende Nässe.
Ihre Brustwarzen wurden hart, drückten sich gegen den dünnen Stoff ihres Tops. Er lächelte wissend und ein wenig selbstzufrieden, hob sein Weinglas, prostete ihr zu. „Heute Nacht“, raunte er.
Auch sie hob das Glas, berührte sanft das seine. „Heute Nacht.“
Sie zerteilte ihre Seezunge wie zuvor er, sorgfältig und langsam. Dann schob sie ihm ein Häppchen des köstlichen weißen Fleisches in den Mund.
Er kaute genüsslich, nahm wieder ihre Hand, lächelte. „Ich glaube ich kann nicht bis zum Abend warten, my Dear.“
© Alizé


Liebeswirren

„So geht das aber nicht“, rief Madame Printemps entrüstet aus. „Ich fühle mich nur noch schlapp. Wahrscheinlich werde ich krank vor lauter Erschöpfung. Ich bin definitiv überarbeitet.“ Weil sie klein und zierlich war und sich sonst vornehm zurückhielt, horchten die anderen Mitarbeiter der Firma Saison auf. Heute, am Tag der jährlichen Personalversammlung hatte man sich zusammengefunden. „Nun, regen Sie sich nicht so auf, ma chére“, brummte Hiver in seinen langen weißen Bart. Er zwinkerte Demoiselle Été zu, für die er bekanntermaßen eine Schwäche hatte. Sie beantwortete sein Zwinkern mit einem kleinen Kuss in seine Richtung.„Nicht aufregen soll ich mich? Es wird immer schlimmer. Überhaupt können Sie nicht mitreden, Hiver. Sie sind vor Liebe blind. Und habe ich Sie nicht immer pünktlich abgelöst“, Madame Printemps zögerte kurz. „Jedenfalls war ich stets startklar, aber Sie sind so starrsinnig. Und alles wegen dieser ... Demoiselle!“
„Da ist was Wahres dran“, mischte sich Hivers Cousin Automne ein „Hiver ist schlimm. Er erscheint oft viel zu früh. Dann steht er bloß im Weg herum und hält Ausschau nach Demoiselle Ete.“
Der so Gerügte zuckte mit den Schultern. „Besser früh als zu spät“, erklärte er verlegen. „Wobei wir beim Thema sind. Was denken Sie sich? Wollen Sie in diesem Jahr überhaupt nichts tun?“, wandte sich Madame Printemps an Été, die sich, bis auf das Küsschen in Hivers Richtung, nicht an der Diskussion beteiligt, sondern angelegentlich ihre Fingernägel poliert hatte. Jetzt schaute sie gelangweilt auf. „Was regen Sie sich so auf, Madame. Ich habe verschlafen, das kann doch mal vorkommen. Dafür arbeite ich einfach ein paar Wochen länger.“
„Das kommt gar nicht in die Tüte“, rief Automne erbost aus, was die Demoiselle völlig kalt ließ.„Machen Sie nicht so einen Wind“, murmelte sie und räkelte sich lasziv, worauf der verliebten Hiver sanft errötete. Das sah  merkwürdig aus, denn er war ansonsten recht farblos.„Liebe Été ...“, stammelte er. „Wenn wir uns doch einmal ganz intim treffen könnten ... unsere Bekanntschaft vertiefen, sozusagen ... aber immer kommen uns Cousin Automne oder Madame Printemps dazwischen ...“
„Genug ist genug. Macht doch was ihr wollt!“, mit diesen Worten verließ Madame Printemps die Runde und steuerte ihre chambre á coucher an.
Demoiselle Été erhob sich sich gemächlich. „Dann will ich mal. Die gute Printemps ist so sensibel. Übrigens, mein lieber Automne, wenn Sie in diesem Jahr etwas früher anfangen wollen, nur zu.“
Bevor sie sich endgültig aufmachte, schlenderte die Demoiselle hüftschwingend auf Hiver zu, legte ihm sanft die Arme um den Hals und hauchte ihm einen Kuss auf die Wange.„Sie sind süß und aufregend, fühlen sich aber eiskalt an. Trotzdem hätte ich gegen ein wenig Intimität zwischen uns nichts einzuwenden, mon chér. Ich würde Sie liebend gern  auftauen“, flüsterte sie, bevor sie sich fröstelnd von ihm löste und entschwand. „Trés bien, die Demoiselle haben wir an die Arbeit gekriegt“, stellte Automne zufrieden fest. „Sie neigt ein wenig zur Trägheit. Ich habe sie mehr als einmal nach ein paar Wochen abgelöst, weil sie mich so lieb darum gebeten hat. Sie ist aber auch eine ausgesprochen charmante Person. Was meinst du, Cousin?“ Er knuffte Hiver.
Der stand stumm und steif neben ihm und hielt sich die Wange, die Été mit ihren Lippen berührt hatte. „Ja, sie ist wirklich charmant und sehr, sehr heiß. Sag mir deine ehrliche Meinung: Ob ich sie irgendwann verführen kann?“, murmelte er verzückt.
Automne zuckte mit den Schultern. „Vielleicht solltest du meinen Part mit übernehmen. Dann hättest du Zeit, die charmanten Demoiselle zu becircen. Vielleicht lässt sie dich ... ich meine , lässt sie sich ...“, hier verstummte Automne, denn Hiver hatte sich abgewandt und folgte, wie in Trance, seiner großen Liebe.„Bien, der Deal gilt“, höre man ihn murmeln.„Ich werde die Zeit nutzen, um nach der niedlichen Madame Printemps zu schauen. Vielleicht benötigt sie eine Rückenmassage zur Entspannung“, erklärte Automne entschlossen.

So kam es, dass die Jahreszeiten aus dem Gleichgewicht gerieten. Aber so ist das eben mit der Liebe - sie bringt alles durcheinander
.© by Alizé