Die fliegende Butterdose
von Dilettant

Missmutig stand Thomas am Kopieren und starrte Löcher in die Luft.
„Moin, was ist denn mit dir los? Schlecht geschlafen?“
„Ne, eher schlecht gefrühstückt – und alles wegen der dämlichen Brille ---“
„???“

Es hatte am Vortag angefangen. Thomas kam nach Hause. Seine Frau Ulrike empfing ihn mit einem strahlenden Lächeln. 
„Na – wie findest du sie ---“
„Ähm --- ja ---“ Blitzschnell überlegte Thomas. 
Ulrikes Frisur schien wie immer zu sein. Die Klamotten --- nein, die sahen auch ganz normal aus --- obwohl, das konnte man nicht wissen. „Stark, sieht gut aus“, probierte er deshalb.
Vorwurfsvolle Blicke --- „Neuer Versuch, WAS sieht stark aus!“
Wie ein Blitz durchzuckte es ihn. Ulrike hatte sich bei Optiker ihres Vertrauens eine neue Brille ausgesucht und am Vormittag abgeholt. „Die Brille natürlich!“, trötete er enthusiastisch. „Sieht echt gut aus.“ 
Er hatte in Laufe der Ehe gelernt, dass eine Brille nicht etwas nur eine Sehhilfe ist – sondern auch ein modisches Accessoire, das ziemlich wichtig ist.
„Findest du? Sie betont wunderbar meine Augenfarbe, nicht wahr!“
„Sag ich doch. Sie ist toll. Was gibt’s zu essen?“
Ein vernichtender Blick traf ihn. „Du magst die Brille nicht! Das hätte ich mir denken können.“
„Doch, doch, aber ich habe so einen Hunger.“

Am nächsten Morgen deckte Thomas den Frühstückstisch. Ulrike brauchte ungewöhnlich lange im Bad. So goss er sich eine Tasse Kaffee ein und schlug die Tageszeitung auf.
„Nun ---“
Zerstreut schaute er auf. Ulrike saß ihm gegenüber und schaute ihn erwartungsvoll an. 
„Guten Morgen, mein Schatz“, murmelte Thomas und legte vorsichthalber die Zeitung beiseite. 
Ulrike seufzte. „Schau doch mal. Geschminkt kommt die Brille besser zur Geltung. Findest du das nicht auch!“
„Ach, du hast die Brille geschminkt? Steht ihr echt gut!“ Den musste Thomas einfach mitnehmen.
Mit einer einzigen, geschmeidigen und fließenden Bewegung ergriff Ulrike die Butterdose und schmetterte sie in seine Richtung.
Blitzschnell überlegte Thomas. Auffangen würde er das Wurfgeschoss nicht mehr. Dazu kam es mit zu viel Wucht quer über den Tisch gesegelt. Also tauchte er kurzfristig unter dem Tisch ab. 
Nach dem Einschlag lugte er über die Tischkante. Ulrike saß ihm immer noch gegenüber und hyperventilierte nur mäßig.
Also setzte er sich wieder auf und grinste. „Ich wollte dich bitten mir den Käse zu reichen und nicht die Butter ---„, versuchte er die Situation zu entkrampfen.

„Was soll ich sagen --- ich hatte dann Marmelade auf dem Brötchen --- aber so ganz ohne Butter ---"
Ich hieb ihm tröstend auf die Schulter. „Lust heute Mittag in die Pommes Bude um die Ecke zu gehen? Die Currywurst ist dort ganz gut.“
© Dilettant


Scherben
von Angie Pfeiffer

„Dann müssen wir eben konsequent sein.“ Er lehnte sich scheinbar entspannt zurück und musterte sie kalt.
Sie erwiderte seinen Blick, versuchte ebenso kühl zu sein. „Wie soll deiner Meinung nach die Konsequenz aussehen?“
Er lächelte ironisch, zog eine Augenbraue hoch.
„O Gott, ich hasse diesen Gesichtsausdruck“, dachte sie. „Du selbstgefälliger …“
Er fiel ihr ins Wort: „Bitte!“ Wie sanft er sein konnte und wie schnell er in der Lage war einfach umzuschalten, so als ob er nur einen Schalter betätigte.
Unwillkürlich schossen ihr die Tränen in die Augen, sie zwinkerte hilflos. „Jetzt bloß nicht heulen!“ Doch die Tränenflut ließ sich nicht mehr aufhalten, wurde von einem unkontrollierten Zittern begleitet. Plötzlich war ihr klar, was sie so lange versucht hatte zu ignorieren, schönzureden. Es gab nichts mehr zwischen ihnen außer einer unglaublichen Vertrautheit, dem Gefühl den Anderen genau zu kennen, zu wissen, was er bei welcher Gelegenheit tun oder sagen würde. Doch war nicht auch das eine Illusion? Kannte sie ihn denn überhaupt noch? Er war schon lange nicht mehr der Mann, in den sie sich verliebt hatte, der ihr Leben ausmachte und auf den sie sich bedingungslos stützen konnte. Der ihr einmal die Sterne versprach und all seine Versprechung gehalten hatte.
Aber auch sie hatte sich verändert, sah ihn schon lange nicht mehr verliebt an, war bei jeder Gelegenheit gereizt, von seinen kleinen Marotten genervt. Kleinigkeiten, die sie einmal entzückt hatten, konnte sie plötzlich nicht mehr ausstehen. Sicherlich ging es ihm genauso. Jetzt standen sie beide vor einem Scherbenhaufen, hatten so viel zerschlagen, sich gegenseitig verletzt. Zuweilen aus Unachtsamkeit, doch immer öfter wissentlich, mit der Absicht dem Anderen wehzutun, noch einmal nachzutreten.
Er saß ganz ruhig da, hatte die Hände ineinander verschränkt, versuchte nicht sie zu trösten. Wartete einfach ab. Sie putzte sich die Tränen am Blusenärmel ab, fuhr damit über ihre Nase. „Egal“, dachte sie. „Alles ist jetzt egal, denn das ist wohl das Ende.“ Diesen Satz sagte sie laut, musste es in Worte fassen. Dann straffte sie sich. „Ja, dann müssen wir überlegen, wie es weiter gehen soll.“ Er sah plötzlich ganz hilflos aus. „Das müssen wir, aber bitte nicht mehr heute Nacht. Ich kann nicht mehr.“

Ein sanftes Streicheln weckte sie aus ihrem unruhigen Schlaf. Er war zu ihr ins Bett gekommen, nahm sie in den Arm. Vielleicht aus Gewohnheit, das war ihr egal. Sie kuschelte sich an ihn. „Bitte“, jetzt war sie es, die ihn bat.
Sie liebten sich; sanft, tastend, fast so, als ob es das erste Mal gewesen wäre.
Nachher lag sie ganz ruhig neben ihm lauschte seinen regelmäßigen Atemzügen. Die Augen brannten, hatten keine Tränenflüssigkeit mehr. Während die Dämmerung langsam heraufzog, versuchte sie das Unfassbare zu begreifen. Ihr Leben ging weiter, auch ohne ihn. Sie würde die Scherben aufheben und versuchen alles so gut wie möglich zu kitten. Doch es würde nur Stückwerk sein, das wusste sie nur all zu genau.
© by Angie



Es lebe das Homeshopping
von Angie Pfeiffer

letzte Bestellungen, noch zu bewerten:
Glimmerbarbie (1 Meter hoch, leuchtet im Dunkeln)
Hausbar Clearlight (incl. 2 Hockern)
Rosa Schuhe Größe 40 (sind zu groß, egal, passen zum neuen Outfit)
Grüne Schuhe Größe 37 (sind zu klein, egal, siehe oben)
Lebensgroße Pappfigur (Sven Rentier)
Ratgeber (P.Zwegat: Raus aus den Schulden)
DVD (Yoga Fit Abs)
Fitnessgerät (Hammer Kraftstation)

Für all das braucht es nur einen einzigen Mouse Klick. Mittlerweile ist meine Wohnung so voll, dass ich keinen Platz mehr habe, um mich vernünftig hinzulegen. Ich brauche eine externe Schlafgelegenheit und tippe ‚Außenbett’ ins Suchfeld ein. Sofort werden vierundvierzig Treffer angezeigt. Ich klicke auf den ersten und lese:
Schlafen im Freien: Dieses geräumige Bett ( 2 x 2 Meter, rosa Extrakissen) kann problemlos von außen an der Fensterbank befestigt werden. Mit seinem wetterfesten Himmel (gegen Aufpreis) trotzt es allen Widrigkeiten. Allerdings kann es sich bei Sturm (Windstärke 9) lösen. Sofort bestellen, wird noch heute verschickt – keine Portogebühren - 5 von 5 Sternen-
Ich bestelle das Bett mit dem wetterfesten Himmel. Schließlich soll es warm, trocken und gemütlich sein.Am nächsten Morgen klingelt es an der Tür. Ich schaue aus dem Fenster und sehe den Briefträger, der ein ziemlich großes Paket vor sich abgestellt hat. Er sieht irgendwie sauer aus.
„Fünfter Stock, Aufzug defekt“, rufe ich aus dem Fenster und eile erwartungsvoll zur Wohnungstür. Unter schnauben und stöhnen kämpft sich der Briefträger die Treppen herauf. Ich filme ihn dabei, poste anschließend den Minifilm bei Facebook, kriege aber keine ‚Likes’, jedenfalls im Moment nicht.
Oben angekommen hält sich der Schwächling am Türrahmen fest, beugt sich vornüber und keucht.
„Stellen sie sich nicht so an, Mann“, sage ich aufmunternd. „Seien sie froh, dass ich ihnen den Arbeitsplatz erhalte und Bewegung ist bekanntlich gesund.“
Der Mann läuft rot an, er hat wohl immer noch Probleme mit der Luft. So klopfe ich ihm auf den Rücken. „Übrigens, sie können die Fitnessstation wieder mitnehmen. Sie gefällt mir nicht. Ist alles ordnungsgemäß verpackt und frankiert. Ich will sie ja nicht überfordern.“
Ja, wir Prime – Kunden wissen wie es geht. Er hält mir einen Unterschriftenapparat unter die Nase. „Hier unterschreiben“, knurrt er. Anschließend schultert er mühsam das Fitnessgerät und wankt die Treppe hinunter. Der Mensch ist sichtlich nicht gut in Form. „Umbringen...“, höre ich ihn murmeln.
Später hänge ich das Bett an die Fensterbank, aber es ist irgendwie nicht meins. Zudem hat es neongrüne Extrakissen und keine in rosa. Na gut, das war sowieso eine blöde Idee. Ich logge mich also ein, wähle die Option: ‚Rücksendung von der Post abholen lassen’. Weil ich gerade auf der passende Seite bin, bestelle ich einen Jogginganzug (blau), passende Joggingschuhe und eine Laufband (pro Sport).
Am nächsten Morgen klingelt es zur gewohnten Zeit. Ich schaue wieder aus dem Fenster und sehe meinen Freund, den Postboten.  „Aufzug immer noch kaputt“, rufe ich ihm fröhlich zu und betätige den Türöffner kurz- kurz – lang. Bei lang kann er die Tür öffnen. Ohne Paket ist er schnell oben.„Sehen sie, geht doch“, sage ich. „Hier ist das Paket von gestern. Wo haben sie überhaupt mein neues Laufband? Ich hab’s gestern bestellt, sie müssten es heute liefern.“
„Weiß nicht, hier, Quittung“, nuschelt der Briefträger. Er sieht mich dabei aus blutunterlaufenen Augen an. Anschließend stemmt er das Außenbett hoch und macht sich an den Abstieg.
Am nächsten Tag steht er wieder bepackt vor meiner Wohnungstür. Begeistert öffne ich ihm. „Das Paket ist mir zu schwer, können sie es bitte in die Wohnung bringen?“, frage ich freundlich. Schließlich bestelle ich ihm jedes Jahr zu Weihnachten eine Tafel Schokolade mit, da kann er mir den Gefallen tun. Er sieht das wohl auch so, denn er wuchtet das Paket hoch und trägt es in den Korridor.
„Wohin“, keucht er.
Ich schaue mir die Sache genauer an, reiße die Rechnung vom Paket ab, studiere sie ausgiebig. Es befindet sich offensichtlich nur das Laufband in dem Paket. So hebe ich warnend die Hand. „Einen Moment mal. Wo ist mein blauer Jogginganzug. Also nein!“ Es ist eine Unverschämtheit den Anzug und die Schuhe nicht gleich mitzuliefern. Streng mustere ich meinen gelben Freund. „Das können sie gleich wieder mitnehmen, es ist nicht komplett.“ Er bleibt einen Augenblick ruhig stehen, dann hebt er mit erstaunlicher Kraft das Paket. „Meine Mutter pflegte immer zu sagen: In die Hölle kommen wir noch früh genug, aber sie hat sich geirrt. Die Hölle ist hier und heute. Die Hölle, das seid ihr Homshopper.“
Das sind die letzten Worte, die ich höre, bevor mir das ziemlich schwere Paket auf den Kopf donnert.
© by Angie


Technik 1960
von Robin Royhs

„Hey, machst du jetzt einen auf halbstark?“, grinste Heidrun breit, wobei ihr fast das Kaugummi aus dem Mund gefallen wäre.
Unbehaglich stellte Ottfried das Transistorradio, das er lässig auf der Schulter trug, auf dem kleinen Jägerzaun ab und fuhr sich mit der Hand über die Tolle, die er mit Fit in Form gebracht hatte. Jeder, der auf sich hielt, frisierte sich die Haare wie Elvis. Jedenfalls jeder, der einem Mädchen gefallen wollte. Er zuckte betont gelangweilt mit den Schultern. „Mist, Batterien sind gerade leer geworden.“
Scharfe Braut, dachte er und musterte Heidrun möglichst unauffällig. Die knackig enge Jeans ließ erahnen, dass sie endlos lange Beine und einen hübschen Po hatte. Er überlegte, ob sie sich wohl mit der Hose in die Badewanne gesetzt hatte, damit sie so eng saß. Das war der neuste Trick, den auch er unbedingt einmal ausprobieren wollte. Die obersten Knöpfe ihrer Hemdbluse standen offen, was Ottfried wohlwollend auf ihren Busen schielen ließ.„Guck nicht so!“ Sie schien bemerkt zu haben, wohin er schaute und näselte an ihrem Ausschnitt, wobei sich noch ein Knopf öffnete. Sie schien es nicht zu sehen, denn sie machte keine Anstalten ihn wieder zu schließen.„Steht dir echt gut, das super Radio. Auch ohne Mucke“, erklärte sie und klimperte mit den Wimpern.„Ich nehme immer die neuesten Songs auf Kassette auf, mit Mikrofon. Das halte ich einfach vor den Lautsprecher.“
„Echt?“ Heidrun bekam glänzende Augen. „Hörst du auch immer die Diskothek im WDR?“
„Ja klar, da werden doch immer die neuesten Hits gespielt. Ein Problem ist, dass Mal ziemlich oft dazwischen quatscht. Da muss man schnell sein. Am besten den Finger immer auf der Pausentaste lassen.“
„Mal Sandock finde ich gut. Egal, ob er dazwischen quatscht oder nicht. Aber ich nehme nichts auf. Ich weiß gar nicht, wie das geht“, sagte Heidrun mit einem etwas theatralischen Seufzer. „Jedenfalls passt das Radio perfekt zu dir“, fügte sie hinzu.„Du siehst auch flott aus“, erklärte Ottfried schnell. Er wies auf die Stoffblume, die in ihrem Haar steckte. Eigentlich fand er sie etwas kitschig, aber das sagte er lieber nicht.
Heidrun strahlte. „Ja, flower power ist das. Das trägt man jetzt.“ Sie nahm das Kaugummi aus dem Mund und klebte es an den Jägerzaun.„Hey, Fräulein, was ist das für ein flegelhaftes Benehmen und du nimmst gefälligst das Radio von meinem Zaun, junger Mann“, ertönte es plötzlich energisch.
Ottfried und Heidrun zuckten zusammen. Sie hatten den Besitzer der Stimme gar nicht wahrgenommen.„Kaugummi an den Zaun kleben, wo gibt es denn so etwas“, nörgelte Opa Küdde weiter. „Ein Benehmen hat die Jugend von heute.“
„Das ist Wrigley’s Spearmint, aus Amerika und nicht einfach Kaugummi“, klärte Heidrun den altmodischen Rentner auf.„Ist mir wurscht, wie das Zeug heißt“, grummelte Opa Küdde und fuchtelte mit dem Rechen herum, mit dem er in seinem Vorgarten gearbeitet hatte. „Es hat jedenfalls nichts an meinem Jägerzaun zu suchen. Mach das ab. Aber schmeiß es nicht auf die Erde, sonst klebt es nachher an meinem Schuh fest, wenn ich rausgehe.“
Heidrun seufzte, nahm ein neues Kaugummi aus der Verpackung, steckte es in den Mund und popelte das angeklebte Kaugummi von Zaun. „Sehen Sie, ich mach’s ja schon ab und wickle es hier ein. Zu Hause schmeiße ich es dann weg.“
Opa Küdde nickte und sah direkt freundlicher aus. „Das ist brav, so wie es sich für Nachbarskinder gehört.“ Er musterte Ottfried interessiert. „Sag mal, Otti, was schleppst du da mit dir herum?“
Während Heidrun leise kicherte, zuckte Ottfried zusammen. „Ich heiße Ottfried, bitte sagen Sie nicht diesen kindischen Namen. Das ist mein Transistorradio. Damit kriege ich jede Menge Sender rein. Aber jetzt haben die Batterien gerade schlapp gemacht.“
„Tatsächlich?“, fragte Opa Küdde interessiert. „Das ist natürlich dumm. Ohne Strom geht es eben nicht.“
„Batterien und nicht Strom“, warf Heidrun ein.„Aber Batterien sind ja so eine Art Stromspeicher“, belehrte Ottfried sie und legte ihr vorsichtig die Hand auf den Arm.
„Dein Freund hat recht“, lächelte Opa Küdde und öffnete das Gartentor. „Wollt ihr nicht einen Augenblick reinkommen. Ihr könnt euch kurz auf die Gartenbank setzen. Vielleicht habe ich passende Batterien, ich muss mal nachsehen.“
„Er ist nicht mein Freund“, erklärte Heidrun energisch, während sie sich auf die Gartenbank setzte. Ottfried folgte ihr. Er setzte sich direkt neben sie, was sie nicht zu stören schien.
Opa Küdde verschwand im Haus. Tatsächlich kam er kurz darauf mit den richtigen Batterien wieder heraus. „Da, kannst du gleich einsetzen. Die alten gibst du mir, die schmeiße ich dann in die Tonne.“
Ottfried griff erfreut zu. Batterien waren teuer und saßen nicht immer von Taschengeld drin. Der alte Mann schaute ihm interessiert zu. „Eigentlich ist dein Radioempfänger schon fast eine Antiquität. Ich habe mich gerade in der letzten Zeit mit der Materie beschäftigt und denke, dass die technische Entwicklung rasend schnell weitergehen wird. Vielleicht erlebe ich es nicht mehr, aber ihr bestimmt. In Zukunft wird es möglich sein große Mengen an Daten, auch Musik,  zu speichern. Dabei wird das Gerät nicht größer als ein Griffelkasten sein, weil die Bauteile sehr klein sein werden. Da kann man einen kleinen Kopfhörer anschließen und schon hat man Musik so viel man will.“
Die Jugendlichen sehen sich an, wobei Heidrun sich vorsichtig an die Stirn tippte.
So ein Quatsch, dachte auch Ottfried. Die Röhren in den Geräten sind von den viel kleineren Transistoren ersetzt worden. Noch kleinere Teile - wie soll das denn gehen?Inzwischen fuhr Opa Küdde fort. „Dafür werden die Bildschirme der Fernsehgeräte viel größer werden, obwohl die Technik nicht so viel Platz wegnehmen wird. Es wird auch jede Menge Fernsehprogramme geben und ich meine nicht zehn oder zwanzig. Nein, hunderte werden es sein. Alle in Farbe. Genau, in Farbe“, fügte er noch einmal hinzu und schaute versonnen in den blauen Himmel.„Das fehlt mir auch noch. Bei uns zu Hause muss ich sowieso immer aufstehen um den Fernseher leiser zu machen. Wenn es jetzt hundert verschiedene Sender gibt ...“, murmelte Heidrun.
Opa Küdde grinste sie an. „Kein Problem. Natürlich gibt es dann eine Fernbedienung für jedes Fernsehgerät. Das funktioniert mit einer Lichtübertragung, sozusagen. Man kann bequem von Sessel aus umschalten und das Gerät laut oder leiser machen.“ Er schaute auf seine Taschenuhr und stand umständlich auf. „Jetzt müsst ihr aber gehen. Um zwanzig Uhr fängt die Tagesschau an, die will ich nicht versäumen.“

Ottfried saß im Sessel und schaltete den Fernseher aus. Während er die Fernbedienung auf den Tisch legte, schaute er versonnen auf seine Frau. „Weißt du noch? Damals, als du das Kaugummi bei Opa Küdde an den Zaun geklebt hast? Als er uns in seinen Garten geholt hat, wegen der Batterien für mein Radio?“
„Oh ja“, lächelte Heidrun. „Gut, dass er nicht gesehen hat, dass ich das Kaugummi bei Reingehen einfach vor seinem Gartentor fallen gelassen habe. Sonst hätte er uns bestimmt nicht erzählt, dass er in die Zukunft schauen konnte.“
© by Robin Royhs


SOS im Schlafzimmer
von Dilettant

Meine Frau, die beste Ehefrau von allen, hat einen mächtigen Hang zur Sauberkeit. Das äußert sich unter anderem darin, dass sie sofort nach dem Urlaub die Waschmaschine in Betrieb zu setzen. Alle Einwände werden im Keim erstickt. “Nun hab dich mal nicht so! Wenigstens eine Maschine mache ich fertig”, erklärt sie, egal wie spät es ist und egal wie müde wir sind.
Jüngst, gegen Mitternacht aus dem Kurzurlaub zurück, wurde erst einmal die Wäsche sortiert, um anschließend – siehe oben -. Da ich derlei gewohnt bin, ließ  ich mich nicht stören. Während sie noch herumwuselte begab ich mich zu Bett.
Ein animalischer Laut ließ mich hochschrecken. Benommen setzte ich mich auf. Um mich herum Dunkelheit, ein leises Gluckern, dann wieder das Geräusch. Ein hohes Wimmern und Jaulen, so als wäre ein Lebewesen in höchster Not. Benommen tastete ich nach meiner Brille, betätigte den Lichtschalter, stieg aus dem Bett und stand bis zu den Knöcheln im Wasser. Während ich mir irritiert den Kopf kratzte, sah ich, woher die Jammerlaute kamen. Unsere Hunde, Dackel, standen mitten im Schlafzimmertür und machten einen sehr verstörten Eindruck, was kein Wunder war. Das Wasser reichte ihnen bis zum Bauch, sie konnten mit den ersten Schwimmübungen beginnen.
Die Urheberin der Sintflut schlummerte sanft, ließ sich weder von den Paniklauten der Tiere, noch vom grellen Licht stören. Ich rüttelte sie fest und wenig charmant wach, was mir einen sehr bösen Blick und ein nicht sehr nettes Wort einbrachte. Doch die Flut im Schlafzimmer ließ meine Liebste abrupt verstummen.
“Du meine Güte”, hauchte sie überwältigt. “Ich habe die Waschmaschine angestellt und bin dann tatsächlich eingeschlafen. Aber jetzt ist sie aus!”
Nun, das war einmal eine klare und logische Ansage von ihr.
So machten wir uns daran die Dackel zu retten und die Wohnung trocken zu legen, was uns zweieinhalb Stunden unserer Lebenszeit kostete.
Endlich waren der Fußboden, die Hunde und wir wieder trocken. Es dämmerte bereits, wir lagen zusammen gekuschelt im Bett, meine Liebste strich mir zärtlich über die Brust. “Ich möchte...”, wisperte sie zögernd.
“Ich bin ganz Ohr”, flüsterte ich zurück. Sicher würde sie mir jetzt sagen, dass sie ...
"Ja, also”, fuhr sie fort und strich mir über den Bauch. “Es ist nämlich so, ich habe dich vor längerer Zeit gebeten, das Flusensieb sauber zu machen. Weil man das ab und zu einfach machen muss, bei einer Waschmaschine.” Hier stockte sie, zog die Hand weg und ich sah meine Felle mit der Waschlauge davonschwimmen.
“Das hast du aber nicht gemacht, es ist schrecklich mit dir, nie denkst du an solche Dinge.”
Ich seufzte resigniert, denn ich ahnte was jetzt kommen würde und ich wurde nicht enttäuscht. “Hättest du das bloß vor dem Urlaub gemacht, du hast allein Schuld. Ich musste das Sieb herausnehmen und  hab das verflixte Ding nicht mehr reinbekommen. Da habe ich es weggelegt ...”
Ich verschloss ihre Lippen mit einem Kuss, denn sie ist trotz allem die beste Ehefrau von allen und mit ihr ist es wirklich niemals langweilig.
© by Dilettant


Liebeswirren
von Alizé Siffleur

„So geht das aber nicht“, rief Madame Printemps entrüstet aus. „Ich fühle mich nur noch schlapp. Wahrscheinlich werde ich krank vor lauter Erschöpfung. Ich bin definitiv überarbeitet.“ Weil sie klein und zierlich war und sich sonst vornehm zurückhielt, horchten die anderen Mitarbeiter der Firma Saison auf. Heute, am Tag der jährlichen Personalversammlung hatte man sich zusammengefunden.
„Nun, regen Sie sich nicht so auf, ma chére“, brummte Hiver in seinen langen weißen Bart. Er zwinkerte Demoiselle Été zu, für die er bekanntermaßen eine Schwäche hatte. Sie beantwortete sein Zwinkern mit einem kleinen Kuss in seine Richtung.„Nicht aufregen soll ich mich? Es wird immer schlimmer. Überhaupt können Sie nicht mitreden, Hiver. Sie sind vor Liebe blind. Und habe ich Sie nicht immer pünktlich abgelöst“, Madame Printemps zögerte kurz. „Jedenfalls war ich stets startklar, aber Sie sind so starrsinnig. Und alles wegen dieser ... Demoiselle!“
„Da ist was Wahres dran“, mischte sich Hivers Cousin Automne ein „Hiver ist schlimm. Er erscheint oft viel zu früh. Dann steht er bloß im Weg herum und hält Ausschau nach Demoiselle Ete.“
Der so Gerügte zuckte mit den Schultern. „Besser früh als zu spät“, erklärte er verlegen. „Wobei wir beim Thema sind. Was denken Sie sich? Wollen Sie in diesem Jahr überhaupt nichts tun?“, wandte sich Madame Printemps an Été, die sich, bis auf das Küsschen in Hivers Richtung, nicht an der Diskussion beteiligt, sondern angelegentlich ihre Fingernägel poliert hatte. Jetzt schaute sie gelangweilt auf. „Was regen Sie sich so auf, Madame. Ich habe verschlafen, das kann doch mal vorkommen. Dafür arbeite ich einfach ein paar Wochen länger.“
„Das kommt gar nicht in die Tüte“, rief Automne erbost aus, was die Demoiselle völlig kalt ließ.„Machen Sie nicht so einen Wind“, murmelte sie und räkelte sich lasziv, worauf der verliebten Hiver sanft errötete. Das sah  merkwürdig aus, denn er war ansonsten recht farblos.„Liebe Été ...“, stammelte er. „Wenn wir uns doch einmal ganz intim treffen könnten ... unsere Bekanntschaft vertiefen, sozusagen ... aber immer kommen uns Cousin Automne oder Madame Printemps dazwischen ...“
„Genug ist genug. Macht doch was ihr wollt!“, mit diesen Worten verließ Madame Printemps die Runde und steuerte ihre chambre á coucher an.
Demoiselle Été erhob sich sich gemächlich. „Dann will ich mal. Die gute Printemps ist so sensibel. Übrigens, mein lieber Automne, wenn Sie in diesem Jahr etwas früher anfangen wollen, nur zu.“
Bevor sie sich endgültig aufmachte, schlenderte die Demoiselle hüftschwingend auf Hiver zu, legte ihm sanft die Arme um den Hals und hauchte ihm einen Kuss auf die Wange.„Sie sind süß und aufregend, fühlen sich aber eiskalt an. Trotzdem hätte ich gegen ein wenig Intimität zwischen uns nichts einzuwenden, mon chér. Ich würde Sie liebend gern  auftauen“, flüsterte sie, bevor sie sich fröstelnd von ihm löste und entschwand. „Trés bien, die Demoiselle haben wir an die Arbeit gekriegt“, stellte Automne zufrieden fest. „Sie neigt ein wenig zur Trägheit. Ich habe sie mehr als einmal nach ein paar Wochen abgelöst, weil sie mich so lieb darum gebeten hat. Sie ist aber auch eine ausgesprochen charmante Person. Was meinst du, Cousin?“ Er knuffte Hiver.
Der stand stumm und steif neben ihm und hielt sich die Wange, die Été mit ihren Lippen berührt hatte. „Ja, sie ist wirklich charmant und sehr, sehr heiß. Sag mir deine ehrliche Meinung: Ob ich sie irgendwann verführen kann?“, murmelte er verzückt.
Automne zuckte mit den Schultern. „Vielleicht solltest du meinen Part mit übernehmen. Dann hättest du Zeit, die charmanten Demoiselle zu becircen. Vielleicht lässt sie dich ... ich meine , lässt sie sich ...“, hier verstummte Automne, denn Hiver hatte sich abgewandt und folgte, wie in Trance, seiner großen Liebe.„Bien, der Deal gilt“, höre man ihn murmeln.„Ich werde die Zeit nutzen, um nach der niedlichen Madame Printemps zu schauen. Vielleicht benötigt sie eine Rückenmassage zur Entspannung“, erklärte Automne entschlossen.

So kam es, dass die Jahreszeiten aus dem Gleichgewicht gerieten. Aber so ist das eben mit der Liebe - sie bringt alles durcheinander.
© by Alizé


Schwedische Nächte
von Dilettant

Es war Freitag, kurz nach 17:00 Uhr, als das Telefon klingelte. Der Computer war schon aus und ich auf dem Weg zur Tür. Einen Moment zögerte ich, dann kehrte ich noch mal um zum Schreibtisch.Eine Nummer mit schwedischer Vorwahl im Display: Jan-Peter .....Ich hatte Jan-Peter vor ca. 3 Monaten in München auf der Messe kennen gelernt. Er ist Geschäftsführer eines mittelständigen Unternehmens in Stockholm und interessierte sich für unsere neuen elektronischen Steuerungen, die wir auf der IFAT präsentierten. Nach einem recht informativen Gespräch kam von ihm die Frage, ob er unser Vertriebspartner in Schweden und Skandinavien werden könne.
Etwa 2 Wochen später schickten wir einen Vorvertrag nach Stockholm – und eine Steuerung, damit Jan-Peter sich mit dem Gerät vertraut machen konnte.
Seit dem verging fast kein Tag mehr, ohne das ich einen Anruf von ihm bekam und er Fragen zur Technik hatte.
Seufzend nahm ich den Hörer ab: „Hallo Jan-Peter – bin schon im Wochenende!!“
„Hi, nicht so schnell. Du weist doch, dass wir nächste Woche hier in Stockholm die Messe haben, wo ich auch eure Steuerungen präsentieren will. Skandinavien wartet auf diese Innovation!“
„Ja, und was kann ich am Freitag noch für dich tun?“, ich war etwas genervt, denn ich hatte meiner Liebsten versprochen, sie zum Italiener auszuführen. Und meistens dauerten die Gespräche mit Jan-Peter länger.„Hör mal, du hattest doch angeboten, mich auf der Messe zu unterstützen.“
„Ja, was du dankend abgelehnt hast!“
„Mmh“, Jan-Peter klang unsicher, „wäre vielleicht doch nicht so schlecht, wenndu nächste Woche von Dienstag bis ...“ Das ging noch eine Weile so, bis ich schließlich zustimmte.  Einen Flug hatte Jan-Peter schon für mich ausgesucht, nur mit einem Hotel würde es schwierig werden.
„Hey – du kannst die 3 Nächte bei mir übernachten. Wir haben ein großes Haus mit Gästezimmern. Und es kommt öfter vor, dass Geschäftspartner bei mir übernachten.“
Sollte ich das jetzt wirklich machen? Aber warum auch nicht, so konnte man abends noch mal über Vertriebsstrategien, Distributionsvertrag, Zahlungskonditionen und ähnliches diskutieren. „Also gut, wir sehen uns Montag Abend in Stockholm – schönes Wochenende!“, damit legte ich auf und verlies nachdenklich das Büro.

Am Montag Abend landete ich kurz vor 22:00 Uhr in Stockholm.Jan-Peter kam auf mich zugestürzt, nahm mich in den Arm und deutete einen Kuss auf die Wange an – was mich etwas irritierte. Denn eigentlich kennen wir uns kaum.„Hey, Jan-Peter, nicht ganz so stürmisch.“
„God kväll, hattest Du einen guten Flug?“
„Alles gut – jetzt muss ich bloß noch ein wenig Geld wechseln und dann ein paar nette Blumen für deine Frau kaufen. Wo ich doch schließlich bei euch ....“
„Na, Geld wechseln kannst du auch noch morgen“, Jan-Peter winkte ab, „ja, und mit den Blumen ...“ Er zögerte etwas. „Also, ich lebe allein. Ich habe mich vor etwa 6 Wochen getrennt!“ Jan-Peter sah mein fragendes Gesicht und fuhr rasch fort: „ ... aber alles in Ordnung“
„Oh, tut mir leid. Wenn ich gewusst hätte – ich will keine Umstände machen“, jetzt war ich schon etwas ratlos.„Ach, Quatsch, klappt schon!“, Jan-Peter legte einen Arm um mich und schob mich Richtung Ausgang.
Es dauerte ca. 40 Minuten mit seinem Volvo, bis wir vor einem wirklich schönen, großen Haus in einem Vorort von Stockholm hielten. Das bescheidene Heim erwies sich schon fast als Villa, großer Wohnbereich, rustikal eingerichtete Küche mit einem riesigen Esstisch, Bürobereich und Kaminzimmer im Erdgeschoß, Schlafzimmer, Gästezimmer und 2 Bäder im ersten Stock.
Nachdem ich mich in einem Gästezimmer eingerichtet hatte, trafen wir uns im Kaminzimmer.„Hast Du Lust, noch etwas zu trinken? Zwei Straßen weiter ist eine nette Bar mit netten Leuten. Allerdings fast nur Männer!“, Jan-Peter hatte den Kopf etwas zum Boden gesenkt, schaute mich aber jetzt kurz und verlegen an.
„Oh – du meinst eine Schwulenbar?“; platzte es aus mir heraus.
Jan-Peter wurde etwas rot und hielt den Kopf gesenkt.
„Hey, ich habe nichts gegen Schwule – Entschuldigung, gegen Homosexuelle“, ich merkte, dass ich da bei Jan-Peter grade in ein Fettnäpfchen getreten war. „Ehrlich nicht! Jeder sollte so leben, wie er fühlt und denkt und wie er möchte. Ich stehe auf Frauen – aber ich respektiere und akzeptiere genauso Männer, die halt Männer lieben!“, ich versuchte, mich zu erklären, „aber für heute sollten wir doch hier bleiben. Es ist schon ziemlich spät und ich kaputt vom langen Tag.“
Jan-Peter nickte. Er ging zum Barschrank, holte ein Flasche Bulleit Bourbon Whisky heraus, stellte zwei Gläser hin und schenkte uns ziemlich kräftig ein. „OK, dann Prost – vielleicht können wir in den nächsten Tagen ja mal ’rübergehen.“, mein schwedischer Geschäftspartner hob sein Glas und kippte sich den Triple-Whisky mit einem Zug runter.Ich hatte mich in das große, bequeme Sofa gesetzt und nippte auch an meinem Whisky.
Jan-Peter war sichtlich nervös, erzählte über belanglose Sachen, vom Kauf und der Einrichtung seines Hauses, schüttete uns immer wieder ein und setzte sich immer wieder für einen Moment kurz neben mich. Dabei berührte sein Bein wie zufällig meins – und beim Aufstehen stützte er sich kurz auf mein Knie. Nach einiger Zeit und einer fast leeren Whiskyflasche war seine Aussprache dann nicht mehr so klar: „uu dann hab ich gedacht, jezz ist das Leben wirklich suuper – unn dann verläst mich Frederik ganz plö...“. Hier kam auch Jan-Peter ganz plötzlich ins Stocken!„Ja,“, ich nickte, „ich hab jetzt verstanden“.
Jan-Peter schaute ziemlich panisch.„Aber das ist doch OK für mich!“, ich bemühte mich, den jetzt wirklich hektisch atmenden Schweden zu beruhigen, „wir sollten vielleicht morgen in aller Ruhe über das Thema sprechen. Es ist verdammt spät, ich bin müde, der Whisky ist leer und die Messe fängt früh morgens an!“
Jan-Peter nickte, starrte mich an, trank seinen Whisky aus, drehte sich ohne ein Wort um und schwankte aus dem Raum. Ich ging hoch ins Gästezimmer, legte mich ins Bett und grübelte noch kurz über das Geschehene. Aber auch bei mir wirkte der Whisky und so schlief ich nach kurzer Zeit ein.
Irgendetwas weckte mich einige Zeit später. Ich weiß nicht, ob es ein Geräusch oder nur ein Gefühl war. Ich drehte mich im Bett um – und sah im Vollmondlicht eine nackte Gestalt vor meinem Bett. Nackt, männlich – und ziemlich erregt, wie man selbst im Mondlicht sehen konnte. Brüllend fuhr ich auf, griff zum Lichtschalter, fluchte und schrie auf Deutsch und deutete zur Tür. Jan-Peter, jetzt nicht mehr so ganz erreget, hob die Hände zu einer fragenden Geste und ging rückwärts auf die offene Tür zu. Ich brüllte noch immer, sprang aus dem Bett auf Jan-Peter zu und stieß ihn aus dem Zimmer. Das Knallen der von mir zugeschlagenen Tür und das Klatschen des nackten Körpers auf die Fliesen kamen zeitgleich. So rasch ich konnte, zog ich mich an, stopfte meine Anzüge und gebügelten Hemden in den Koffer, raffte meinen Aktenkoffer mit dem Computer und Unterlagen zusammen und verlies fluchtartig das Haus.Nach einigen hundert Metern lies ich mich auf eine Bank an einer Bushaltestelle fallen. Ich zitterte noch immer vor Wut und Aufregung am ganzen Körper. Tief durchatmend überlegte ich, was ich tun konnte. Ich wusste nicht, wo ich in Stockholm war, hatte keine Kronen in der Tasche, kein Zimmer, kein...‚Jetzt beruhige dich – und überleg’, so langsam spielte mein Geist wieder mit. ‚Smartphone raus und auf iMaps schaun, wo du bist’.
Natürlich hatte ich am Abend schnapsbedudelt vergessen, das Gerät zu laden. Jetzt hatte ich noch 7% Akkuladung. So prägte ich mir die Richtung zum nächsten größeren Hotel ein und machte mich mit Aktenkoffer rechts und Trolly links auf den Weg.
Nach etwa 20 Minuten kam ich an eine größere Straße, wo auch mehr Verkehr war. Auf mein Winken hielt jedoch keins der vorbeifahrenden Taxis, so schaute ich wieder auf’s Smatphone nach der Richtung – noch 4% Akku!!So lief ich durch die Stockholmer Nacht, die Koffer wurden irgendwie immer schwerer und ein Ende war nicht abzusehen. Mein Smartphone hatte inzwischen den Geist aufgegeben, bis ich um etwa 4:00 Uhr in der Nacht das Merkur-Hotel entdeckte. In der Hotellobby gab’s einen Geldautomaten und der Nachtportier gab mir eine Cola und rief ein Taxi zum Flughafen, ohne irgendwelche Fragen zu stellen. Selbst sein Blick war ziemlich neutral.
Am Flughafen bekam ich tatsächlich noch einen Flug nach Düsseldorf, über den Preis für das Ticket möchte ich lieber nicht sprechen.
Ein paar Tage später brachte der Paketdienst die Steuerung aus Schweden zurück – unfrei, Fracht zahlt Empfänger. Na, ja.Ach, übrigens, von Jan-Peter habe ich nie wieder etwas gehört.
© Dilettant


Wechseljahre
von Angie Pfeiffer

Die Menopause, was gibt es nicht alles für Publikationen zu diesem Thema. Überschriften wie: ‚Fettstoffwechsel ändert sich’ - ‚Verhütung im Alter’ und ‚Wechseljahre, geistige und körperliche Leistungseinbußen?’ schrecken dich auf, lassen dich trocken schlucken.Dann gibt es aber auch die Tröster. ‚Menopause - Kinderwunsch’ heißt es oder ‚Wechseljahre, unbeschwert genießen’ und ‚Eine wunderbare Etappe für die persönliche Entwicklung’. Aufgelockert wird das alles mit bunten Bildchen, die für eine faltenfreie Haut und  anti Cellulite Creme werben.
Die angekündigte wunderbare Entwicklung offenbart sich dir, als dass du morgens in den Spiegel schaust und verwundert feststellst, dass merkwürdige Falten im oberen Augenbereich den aufgetragenen Lidschatten vollkommen überdecken. Du erwägst, die Schlupflieder machen zu lassen. Das hatte Ingrid doch letztens getan, für schlappe 1500 Euro. Diese Idee verwirfst du aber schnell, denn du erinnerst dich daran, dass sie nun ständig aussieht, als würde sie erstaunt die Augen aufreißen und die Augenbrauen hochziehen. Im Übrigen hat sie jetzt irgendwie mehr Falten auf der Stirn.
Also beschließt du, dir lieber die skinniest Skinny Jeans zu kaufen, die du auftreiben kannst. Was du auch in die Tat umsetzt. Zwar musst du den Bauch einziehen, aber das geht schon. Auch auf das Sitzen verzichtest du lieber wenn du das Ding anhast, weil du fürchtest, dass die Nähte allesamt platzen.
Du erwägst dir ein neues Tattoo stechen zu lassen. Vielleicht ein Paar Engelsflügel? Oder einen kleinen Teufel? Ziemlich oben am Dekolletee, wo es jeder direkt sehen kann? Mist, hier ist die Haut ein wenig faltiger geworden. Nicht viel, aber es ist zu sehen, wenn man genau hinguckt.
Sofort wird dir heiß. Ja klar, das sind die erwarteten Hitzewallungen. Wahrscheinlich wirst du jetzt auch noch depressiv. Aber du hast ja auch allen Grund. Weil die Figur sich allgemein verändert. Du machst jetzt doppelt so viel Sport als vorher und isst nur noch die halbe Menge, um dein Gewicht zu halten. Abnehmen - davon träumst du. Allerdings nur, wenn du schlafen kannst, denn das ist ein Problem. Immer wieder schreckst du nachts auf, weil dir warm ist oder weil du plötzlich einfach hellwach bist oder weil du auf die Toilette musst.
Tagsüber spielen deine Gefühle öfter mal Cha Cha Cha. Du bist zickig wie ein Teeny, heulst grundlos, wie in der Schwangerschaft, bis plötzlich zum Superkuscheln aufgelegt. Huch, da haben wir ja etwas Positives. Das Superkuscheln meine ich, nicht die Zickerei. Das ist die andere Seite. Du beginnst zweifelsohne einen neuen Lebensabschnitt, was dich erst einmal verunsichert. Doch ist dies eben auch eine Chance, sich zu entwickeln, sich neu zu (er)finden. Herauszufinden, wohin du willst, was du wirklich willst. Glaub mir, all diese Gefühlswirrungen sind irgendwann verschwunden. Du bist selbstbewusster als jemals zuvor, sicherer, was du willst und vor allem: was du nicht willst. Denn du bist bei dir angekommen.
Die skinniest Jeans ever landen im Müll. Du bist froh, dass das Tattoo an einer versteckten Stelle deines Körpers prangt, weil du es nur ganz speziellen Menschen zeigen möchtest.
Wie immer liegt die Wahrheit in der Mitte. Irgendwo zwischen Always Discreet Pants und superheißen String Tangas. Und weißt du was, du fühlst dich sauwohl - was die Hauptsache ist.
© by Angie


Citybummel - er wollte doch zum Harley Händler
von Dilettant
„Moin, na – wie war das Wochenende?“Thomas stand mit dem Rücken zu mir an der Kaffeemaschine. Mit der Tasse in der Hand drehte er sich um, und ich sah in etwas betrübte Dackelaugen: „Ging so ..“

Denn …
.…. am Samstagmorgen saß Thomas gemütlich am Frühstückstisch, als Ulrike von der Zeitung aufblickte und fragte: „Sag‘ mal, wolltest du nicht das ‚Dings‘ für dein Motorrad abholen?“ Thomas schaute seine Frau mit leicht zur Seite geneigten Kopf an: „Ja, aber …“ Er hatte sich vor ein paar Monaten eine Harley geleistet und wollte seine Maschine mit einem ‚Screaming Eagle‘-Luftfilter aufpeppen.„Na, ja“, sagte Ulrike, „du könntest mich gleich zum Mittag zu dem netten Portugiesen in der Innenstadt einladen. Der Mopedhändler hat doch sicher bis 16:00 Uhr auf!?“
„Oh, guter Vorschlag. Jetzt ist es 8:30 Uhr, dann haben wir ja noch etwas Zeit.“
„Ähh – können wir vorher nicht noch ganz kurz in die Fußgängerzone?“, Ulrike blickte ganz unschuldig.
„Ja, ok, dann aber los – die Parkhäuser sind um 10 Uhr meistens schon voll!“
Ulrike sprang auf und spurtete ins Obergeschoss: „Zieh‘ mich nur kurz für die Stadt um.“
Thomas räumte den Tisch ab, spülte das Geschirr, brachte den Müll raus ...
Kurz nach 9:00 kam Ulrike im stylischen Outfit die Treppe herunter. Sie musterte Thomas streng: „Hey, willst du dich nicht umziehen???“
„Wie jetzt, wir holen den Luftfilter für die Harley. Ich behalt auf jeden Fall meine Destroyed Jeans an und nehm‘ die Lederweste!“, darüber war mit Thomas nicht zu diskutieren.
Ulrike seufzte: „Mensch, Thomas!!! Ich kann doch nicht mit meinem Outfit neben dir …“
Thomas zuckte die Schulter und drehte sich zur Tür.„Okay, okay, okay – gib‘ mir nur eine Minute, dann zieh ich mir auch schnell was Sportliches an!“ Ulrike hastete schon die Treppe hinauf und konnte somit nicht sehen, wie sich bei Thomas die Mundwinkel etwas nach oben bewegten.
Etwa eine viertel Stunde später sauste Ulrike, nur mit einem Slip bekleidet, an Thomas vorbei in den Keller und kam kurze Zeit später mit einem hellblauen Push-Up-BH in der Hand wieder an ihm vorbei.
„Was????“, staunte Thomas mit offenem Mund.
„Ja, ich kann doch nicht mit weißem Spitzen-BH unter einem Jean-Hemd rumlaufen“, drehte sich Ulrike empört auf der Treppe um.
Zwanzig Minuten und gefühlten 5 Zigaretten später kam Ulrike die Treppe herunter, trug eine sportliche Hose, ein Jeanshemd und ein Lederblouson: „So, jetzt bloß noch die Schuhe.“
„OK, ich hol‘ schnell das Auto, fahr‘ tanken und wasch ...“
„THOMAS !!!“
Als sie in der Stadt ankamen, war es kurz vor 11 – alle Parkhäuser waren voll. So reihte sich Thomas in eine lange Schlange vor dem Parkplatz in der Innenstadt.
Ulrike sprang aus dem Auto: „Hey, wir treffen uns bei Lizzy’s, du weißt, direkt am Dom!“
Thomas seufzte: „Gut, bis nachher“, konnte aber eine gewisse Freude aber nicht verbergen, da er so den Boutiquen wohl zum Großteil entgehen würde.
Gegen 11:30 hatte der den Wagen geparkt und schlenderte Richtung Innenstadt, um direkt auf Ulrike zu treffen.
„Boh, gut das du da bist, dann kann ich dir ein totschickes Kleid hier bei S&Z zeigen. Bis Lizzy’s bin ich gar nicht gekommen.“….
nach etwa einer dreiviertel Stunde und etlichen Anproben mit den Kommentaren: „Na, ja“, „Geht so“ oder „Ooch, ich weiß nicht“ von Thomas, schien Ulrike etwas genervt zu sein. Sie schmiss das zuletzt probierte Kleid über die Stange und zog Thomas aus der dritten Boutique: „Komm, wir gehen erst was essen!“
Thomas grinste in sich hinein.Sie machten sich auf den Weg zum Portugiesen und kamen am Schaufenster von Lizzy’s vorbei. „Mensch, Thomas! Ist das nicht ein geiler Hosenanzug im Fenster???“
Unwillig schaute er in die Auslage und war sichtlich beeindruckt: „Ja, tatsächlich! Der gefällt mir auch auf Anhieb! Nach dem Essen kannst du ja ….“ Weiter kam er nicht, denn Ulrike hatte schon Lizzy’s geentert. Seufzend schlurfte er hinter ihr her. Das konnte dauern! Ulrike probierte den Hosenanzug und stand nach 3 Minuten vor Thomas: „Na???“Wie hatte sie das in 3 Minuten geschafft? Zu Hause  - man denke nur an den Morgen – ach egal!
„Sieht wirklich Spitze aus – ist nur etwas zu groß? Oder?“ Thomas war doch etwas skeptisch.„Ja“, erwiderte Ulrike, „sonst passt 38 eigentlich – fällt wohl etwas groß aus. Kannst du mal nach 36 schau’n?“
Inzwischen war auch eine Verkäuferin gekommen: „Es tut mir leid, aber in der Größe 36 ist der Anzug nicht mehr da. Nur noch im Fenster und der ist leider hinten an der Jacke eingerissen.“
„Ok, verstehe, aber kann ich den Anzug nicht probieren? Wenn er passt, bestellen sie mir einen Neuen?“
„Nein – das geht nicht! Samstags holen wir nichts aus dem Fenster!“
Thomas konnte sehen, wie Ulrikes Unterlippe etwas anfing zu flattern. Er trat einen kleinen Schritt zurück und betrachtete mit großem Interesse die ausgelegten Damenhandschuhe.
„WIE?? AN EINEM SAMSTAG ----- KANN ICH BITTE DEN GESCHÄFTSFÜHRER …“, Ulrike wurde ein klein wenig lauter.
Die Verkäuferin drehte sich auf dem Absatz um und verschwand in Richtung Büro.Thomas trat wieder nah zu Ulrike, nahm sie in den Arm und sagte: „Reg‘ dich nicht auf, kommen wir halt Montag noch mal her …“
„Das werden wir ja seh’n!“, Ulrike war jetzt im Kampfmodus.
Einige Minuten später kam die Verkäuferin mit einer Gouvernante zurück, die – wie sich herausstellte – Lizzy, die Inhaberin war. „Wie kann ich helfen??“, mit einem Lächeln, das einem das Blut gefrieren lies, sprach sie Ulrike an, stutzte kurz und musterte dann Thomas. „Zerriss’ne Jeans – Ledeweste – unrasiert – was macht das Wesen in meinem Geschäft?!“, schien sie zu denken.„Äah“, Ulrike schien jetzt etwas verunsichert zu sein. „Ich würde gern den Hosenanzug aus d..“
„Ich weiß. Das hat mir meine Angestellte bereits mitgeteilt und ihnen auch gesagt, dass wir samstags die Dekoration nicht ausräumen! Außerdem ist diese Herbstkollektion limitiert. Eine Nachbestellung ist nicht möglich. Sie können aber sicher das etwas zu große Model ändern lassen!“ Damit schaute sie Ulrike noch einmal streng an, drehte den Kopf, scannte Thomas mit Verachtung und drehte sich um. „Guten Tag!“  Danach verschwand sie steif (und Thomas ist sich immer noch nicht sicher, ob sie die Füße wirklich bewegte oder über den Boden surfte).
Ulrike drehte sich ebenfalls um und verschwand mit mehreren nicht druckreifen Schimpfworten auf den Lippen in der Umkleide.

Ach, ich sollte noch erwähnen, dass es nichts mehr wurde mit dem netten Mittagessen beim Portugiesen – und zum Harley Händler bin ich auch nicht mehr gekommen.(Ääh, ich meine Thomas ist nicht mehr zum Harley Händler - - - ach, ihr wisst schon ☺ )
© by Dilettant


Mindestens alle zwei Tage
von Angie Pfeiffer

Überrascht ließ Ramona die Zeitschrift sinken.
Sie hatte sich eine Auszeit gegönnt, weil die Kinder günstiger Weise mit ihren Großeltern im Zoo waren. Und weil sie heute Nachmittag frei hatte.
Sie hatte sich gleich beim Heimkommen von den hohen Hacken und der beengenden Bürokleidung befreit, war in Joggingklamotten und Puschelsocken geschlüpft. Ein Gläschen Prosecco, ein paar süße Sünden und die neueste Ausgabe einer Hochglanz Klatschzeitschrift, damit wollte sie den Nachmittag genießen.
Und jetzt das! Hier stand tatsächlich, dass das durchschnittliche deutsche Ehepaar alle zwei Tage Sex miteinander hatte. Nun, das traf auf ihre Ehe so gar nicht zu. Die Zeiten, in denen Stefan im Badezimmer über sie hergefallen war, wenn sie aus der Dusche kam, waren definitiv vorbei. Überhaupt war das bisschen Sex, das sie miteinander hatten seit der Geburt der zwei Kinder einfallslos und ähnelte eher einer gymnastischen Pflichtübung. Waren sie also ein Problempaar? Ramona überlegte. Wie oft musste man wohl Liebe machen, um noch der Norm zu entsprechen? Ein - zwei Mal pro Woche? Von wegen! Laut dieser Statistik alle zwei Tage! War waren diese Leute überhaupt, die das von sich behaupteten? Waren die niemals müde oder lustlos? Oder waren ausschließlich kinderlose Paare unter 30 befragt worden? Eins war klar, Kinder und andauernder Sex - das ging in einer Ehe eher nicht.
Wie sollte man die Leidenschaft aufrechterhalten, wenn man am Abend die Kinder gefüttert, gebadet, ins Bett gebracht hatte. Nicht wie das im Film vor sich ging, sondern in der Realität.
Dazu gehörte es die tägliche Mahlzeit zu kochen, für den Kleinen zu pürieren. Den Großen zum Essen zu animieren, wenn er gerade keinen Spinat wollte und die Fischstäbchen verschmähte. Ggf. Geschwisterstreit zu schlichten, Tränen zu trocknen. Dann vertrocknete Breireste des Kleinen vom Boden aufzuputzen. Den Großen anzumotzen, weil er das Dessert mit den Fingern aß und die Reste in die Hosentasche steckte.
Inzwischen grölte der Kleine fröhlich: „Hab’ nen Stinker“, musste also gewickelt werden.
Der Große bestand darauf, sich allein bettfertig zu machen, wobei er mit der elektrischen Zahnbürste ‚wie Papa rasieren’ spielte. Nachdem sie, ganz geduldige Mutter, ihm die Zahnbürste in den Mund gesteckt und ihn vergeblich zum Pinkeln aufgefordert hatte, brachte sie die Kinder zu Bett. Was bedeutete, dem Großen eine Geschichte vorzulesen, gute Nacht zu sagen, das Licht zu löschen und die Kinderzimmertür sacht zuzuziehen.
Vor der geschlossenen Tür holte sie meistens tief Luft, denn so einfach war das Zubettgehen der Kinder meistens nicht. Der Große wollte noch ein Küsschen, erklärte lautstark, dass er Pipi müsse. Der Kleine hatte Durst, bekam seine Trinkflasche mit Wasser, bemerkte dann dass sein Kuschelteddy verschwunden war, während der Große darauf bestand, dass sie die fiesen Monster unter dem Bett verscheuchte - aber lieber solle das Papa machen.
Worauf sie erklärte, dass Papa noch nicht zu Hause, weil schwer beschäftigt war.„Mama, aber du bist nicht beschäftigt“, kam es dann zurück.„Klar nicht, ich putze gern Gemüse, stecke vollgemachte Windeln in stinkende Tüten, wische euren Dreck auf und räume jetzt gleich die Spülmaschine leer“, hätte sie in solchen Augenblicken gern geantwortet, verkniff sich das aber lieber. Schließlich wollte sie nicht wie eine unbefriedigte Zickenmutter wirken, an die sich ihre Söhne später erinnern genau würden.
Endlich auf dem Sofa zappte sie sich durchs Fernsehprogramm, blieb meist bei einer geistentleerenden Sendung à la Dschungelcamp hängen. Sie stellte sich nicht vor, wie zerzaust sie aussah, irgendwie war ihr das auch egal und nach heißem Sex stand ihr der Sinn so gar nicht.
Wie zur Hölle machten es also diese Paare, die es immerzu miteinander trieben? Jedenfalls jeden zweiten Tag.
Dabei liebte sie ihren Stefan. Mit allen seinen Fehlern, seiner Unordnung, seiner Unfähigkeit, sich Termine zu merken, die die Kinder angingen. Wo er doch alle Spieler der Bundesliga mit Vor- und Zunamen kannte.
Sie überlegte, ob sie vielleicht die Initiative ergreifen sollte. Ihm eine liebevolle und erotische Partnerin sein könnte. Genau, sie würde es ihm heute Abend besorgen, es mit ihm treiben wie früher und anschließend erschöpft, nackt und ungewaschen in seinen Armen einschlafen. Schließlich waren sie immer noch jung und verrückt, jedenfalls relativ.
Sie griff zum Telefonhörer, wählte die Nummer ihrer besten Freundin. „Du, ich hab da gerade was gelesen. Sag, wie oft schläfst du mit deinem Mann“, legte sie los, nachdem die Freundin sich gemeldet hatte.
Die räusperte sich umständlich. „Na ja, also, wenn du so fragst. Es ist nicht gerade Fifty Shades of Grey, aber regelmäßig schon. So ein - zwei Mal.“
„In der Woche?“
„Ach was, im Monat. Du weißt, die Kinder ... und oft fühle ich mich nicht so ... und wie schaut’s bei euch?“
„Das hört sich doch gut an. Bei uns ist das auch so“, kicherte Ramona erleichtert, hörte ihre Freundin lachen.„Ramona, du bist eine alberne Tussie. Übrigens: Ich habe da gerade ein dieser unsäglichen Frauenzeitschriften gelesen und etwas gelernt. Wusstest du, dass weibliche Frettchen sterben, wenn sie ein Jahr lang keinen Sex haben?“
© by Angie



Sie haben Post
von Angie Pfeiffer
Es gibt böse Engel, definitiv. Der Briefzusteller ist so einer. Wieder schwebt er an mir vorbei als wäre ich nicht vorhanden. Im letzten Moment allerdings schaut er mich kurz und höhnisch an. Wahrscheinlich unterschlägt unsere Post seit einer geraumen Weile.
Das habe ich als erstes festgestellt, dass auch Engel fies sein können. Keine Ahnung, wie lange ich jetzt schon auf dieser Wolke sitze und Hosianna singe. Jedenfalls kommt mir die Zeit unendlich lang vor. Neben mir angedockt ist die Wolke meines Mannes. Er lungert dort herum, schnarcht und räkelt sich wie damals. Nur die Flasche Bier fehlt, dafür hat er Manna satt.
Es ist okay, dass er an meiner Seite ist, schließlich haben wir uns sehr geliebt. Hin und wieder frage ich mich, wie das bei den Paaren ist, die sich nicht mochten oder bei Geschiedenen. Müssen die auch für immer zusammenbleiben? Das stelle ich mir nicht besonders lustig vor. Und was ist mit denen, die mehrfach verheiratet waren? Das wird mir dann doch zu kompliziert, ich lasse das Nachdenken mal lieber sein und konzentriere mich wieder auf das Singen.
Das ist wichtig, wegen der Dichtigkeit. Schließlich will ich mich nicht in Luft auflösen. Apropos Luft: Wieder einmal muss ich meinen damalig Angetrauten darauf hinweisen, dass sein rechtes Bein dabei ist, sich in lauter kleine Wölkchen zu verwandeln. Er stutzt, guckt kritisch nach unten und fängt gleich mit  einem inbrünstigen Hosianna an, was seinem Bein eindeutig zugute kommt. Es materialisiert sich nämlich wieder. Es ist halt harte Arbeit, sich hier im Himmel zu halten, denn wir müssen selbst für unsere Dichtigkeit sorgen. Niemand schert sich einen Deut darum, ob wir das so ohne weiteres schaffen. Eine Gewerkschaft gibt es auch nicht und so haben wir einen 16 Stunden Tag, den wir mit dem erwähnten Hosiannagesang verbringen.  Was bleibt uns auch übrig, dann wer will schon als ausgefranstes Wolkenfragment durch den Orbit taumeln, bis er von einem Sonnensturm in alle Winde verweht wird.
Es gibt noch eine andere Möglichkeit, um die Dichtigkeit zu erhalten, aber darauf haben wir hier oben keinen Einfluss. Einzig die auf der Erde Zurückgebliebenen können uns helfen, aber das wissen sie leider nicht. Je intensiver und liebevoller sie an uns denken, umso besser ist es für uns, umso weißer und schimmernder sehen wir aus, was uns allgemeine Bewunderung einbringt.
Aber es gibt auch das Gegenteil, denn an wen mit Hass oder gar Abscheu gedacht wird, der kann noch so viel und inbrünstig singen, es hilft ihm nicht. Irgendwann ist er eine Fransenwolke und treibt davon. Merkwürdigerweise sitzen alle Schufte und Schurken, die irgendwie prominent sind auf ihren Wolken. An sie scheint ständig gedacht zu werden und zwar im positiver Sinne. Manchmal erscheinen sie etwas durchsichtiger, aber genauso schnell erstrahlen sie wieder. Ich frage mich, wieso diese Typen überhaupt hier zwischen uns sitzen? Gott muss zuweilen mächtig verwirrt sein.
Einmal am Tag kommt der Briefzusteller vorbei und verteilt die Gedanken, die fein in Briefumschläge verpackt sind. Leider ist für uns in letzter Zeit nichts dabei, was mich langsam nervös werden lässt. Wir haben vier Söhne mit den dazugehörigen Ehefrauen und neun Enkel! Bisher habe ich mir nie Gedanken machen müssen. In schöner Regelmäßigkeit kamen Briefumschläge für uns, in denen sich immer gute Gedanken befanden. So konnten wir uns das eine oder andere Päuschen erlauben. Denn, wie ich bereits bemerkte, ist die ewige Singerei ganz schön ätzend.
Huch, es ist bereits wieder Morgen, der Postzusteller schwebt an uns vorbei, dieses Mal gemein grinsend. Darf der das eigentlich? Wo bleibt hier die himmlische Güte? Ehe ich von bösen Gedanken übermannt werde, singe ich laut und akzentuiert. Mein Mann fällt brummelig in meinen Gesang ein. So vergeht eine Weile, bis Petrus mit grimmiger Miene auf uns zugestapft kommt. In der Hand hat er ein riesiges Bündel mit Briefumschlägen. „Der Postengel, dieser Schlingel, hat wohl etwas gegen euch“, grollt er. „Er hat eure Post einfach nicht zugestellt. Ich bringe sie euch persönlich, damit nicht noch etwas bei der Zustellung schief geht.“ Er reicht mir das Päckchen und dreht sich abrupt um. „Büßen ... degradieren ... Wolke ganz unten ...“, höre ich ihn im Weggehen murmeln.
Entzückt öffne ich den obersten Umschlag. Mein Mann ist zu mir gehopst und schaut mir über die Schulter. Ein wunderbarer Gedanke flattert uns entgegen:‚Liebe Mama, heute wärst du 100 Jahre alt geworden. Alles Gute zum Geburtstag, wo immer du auch bist. Wir alle denken an dich.’
Ich werde undicht, aber auf andere Weise als sonst. Mir kullern nämlich Tränen über das Gesicht.
„Nicht weinen, Liebes, alles ist gut“, flüstert mein Mann mir ins Ohr und nimmt mich in die Arme.© by Angie

Pulsierendes Rot
von Alizé Siffleur

Ich verschmelze mit den Schatten. Träge wälzen sie sich durch die engen Straßenschluchten, lassen mich unsichtbar werden, in einen Dämmerzustand fallen. Kalt, erstarren vor Kälte. Vorhin, auf dem Dach des Hauses, fühlte ich mich lebendig, fühlte warmes Pulsieren unter zarter Haut. Liebkoste, bevor ich ihr das Leben nahm.  Ein spielerischer Stoß nur. Ihre leere Hülle stürzte in den Abgrund. Weit unten dann der Aufprall. Ein bleicher Schatten auf dem Asphalt.So bleich ist sie, so kalt ohne das pulsierende Rot.
Stimmen.„Sie ist wohl gesprungen, wollte sich das Leben nehmen.“
Ich erwache aus meiner Starre, denke amüsiert: ‚Gesprungen, ach tatsächlich, ist sie das?’
„Aber wieso ist hier kein Blut?“, klingt es ratlos, schockiert. 
Ich gestatte mir ein Lächeln. Narren allesamt, sie haben keine Ahnung. Prüfend nehme ich Witterung auf. Ihr Geruch ist verschwommen, nichtssagend. Weiter, es ist Neumond, perfekt für die Jagd. Bin noch lang nicht gesättigt, spüre meine Kraft, unmenschlich ist sie, berauschend.
Plötzlich ein Gebäude, abseits der anderen, heruntergekommenen Häuser. Laute Musik, Lichter, Gelächter. Erinnerungsfetzen überfluten mich. Hier war ich in einem anderen Dasein. Tanzen, lachen, Zärtlichkeit. Ein seltsam leichtes Gefühl prickelt in mir, verbunden mit der Erinnerung an ein lächelndes Gesicht. Es gehört zu einem jungen Mann. Ich drücke mich in die altvertrauten Schatten.
Vorbei.
Dieses Leben gibt es nicht mehr. Was ist geblieben? Nebelhafte Bruchstücke, verblasste, verstörende Gedanken an Glück, Wärme, Geborgenheit. Sie bringen einen tiefen Schmerz, denn ich weiß, dass ich nun eine Kreatur der Dunkelheit bin. Eine kalte Jägerin, die nach warmem Blut giert.So warte ich, die Nacht ist noch jung, Zeit spielt keine Rolle.
Schließlich kommen sie aus dem Gebäude. Jung sind sie alle miteinander, riechen verlockend. Halt, da ist ein ganz besonderer Duft, der mich sofort betört, heraussticht, metallisch ist und bitter süß. Die Witterung aufnehmend folge ich Spur, habe Glück. Bald trennt sich die Gruppe. Ich folge lautlos dem ganz besonderen Geruch, bin dicht hinter der Person, die ihn verströmt. Es ist ein Mann, jung, schlank, attraktiv, mit hellem Haar, doch das interessiert mich nicht. Der Duft ist es, der mich fasziniert, in den Bann schlägt.
Endlich kommt meine Gelegenheit. Wir sind allein zwischen den dunklen Häusern. Als ich ihn stelle, schaut er mich überrascht an, schüttelt meine Hand voller Abscheu ab, will sich abwenden. Doch ich halte ihn fest, zwinge ihn, mich anzusehen.
Erkennen in seinem Blick. Ein heiseres Flüstern: „Bist du es? Herrgott, was ist los mit dir? Du siehst ekelhaft aus!“
Er weicht zurück. Ich lasse es zu, weiß, dass er nicht flüchten kann. Wie ein Tier in einer Falle sieht er um sich, macht einen Schritt rückwärts, fällt. Es ist keine große Wunde, eine Abschürfung nur, aus der ein wenig Blut sickert.

Ich komme zur Besinnung. Hocke über den Toten gebeugt, habe seinen Lebenssaft bis auf den letzten Tropfen getrunken. Im Aufstehen blicke ich noch einmal in sein wächsernes Gesicht, erstarre. Das andere Leben, ein Lächeln - er ist es.
Plötzlich schmeckt sein Blut bitter auf meiner Zunge. So bitter, wie mein Dasein jetzt ist ...
© by Alizé


Eitelkeit
Eine kurze Kurzgeschichte
von Dilettant

„Ach, du bist ja immer noch mein Hübscher!“
Wie durch Watte drangen diese Worte in meinen Schlaf und ein Lächeln kam auf meine Lippen.
„ … mein kleiner Gentleman …. “
Jetzt war ich wach, hielt die Augen aber geschlossen und atmete ruhig weiter.
„ … und eigentlich immer sooo lieb … “
Na ja, aber mit dir hab‘ ich schon mein Glück gefunden, meine Hübsche, ging es mir durch den Kopf.
„ … auch wenn du schon ganz schön grau geworden bist … “
Tja, die Zeit bleibt halt nicht stehen! Aber ich könnte mir noch stundenlang deine netten Worte anhören!
„ … nur hinten am Kopf werden die Haare schon sichtlich dünner … “
Also, bitte! So schlimm ist das doch wohl nicht!
„Wenn du nur nicht immer so’n Dreck machen würdest … “
Meine Augen gingen schlagartig auf, ich setzte mich im Bett hoch und drehte mich zur Seite.
„ … und sabber nicht immer so, wenn ich dich streichele!“
Angie lag neben mir, zur Bettkante gedreht, eine Hand aus dem Bett - - - - und streichelte unseren Dackel, der sich ins Schlafzimmer geschlichen hatte ……
© by Dilettant


Träume
von Alizé Siffleur

Ich träume. Wir liegen auf einer Wiese, nah beieinander. Es ist eine laue Nacht. Wir schauen uns die Sterne an. Du nimmst meine Hand, weist stumm zum Himmel.„Heute kann er warten“, flüsterst du.Dann nach Minuten, Sekunden, Ewigkeiten spüre ich deine Unruhe.„Bitte bleib“, sage ich.„Ich kann nicht!“ Du legst für einen Augenblick deine Hand zwischen meine Brüste, auf mein Herz.
Ich wache auf, spüre deine Finger noch. Glaube für einen glücklichen Moment, du wärst bei mir.
© by Alize


Disco, Disco
von Robin Royhs

‚Bum, bum, bum’, die Bässe dröhnen, der Fußboden bebt, mein Magen vibriert mit. Ich hasse es,  schmeiße eine Omeprazol ein. Sicher ist sicher. Ich versuche im Schatten zu bleiben, obwohl die Fläche, auf der ich stehe etwas erhöht ist, will ich nicht auffallen.
Um mich herum ist Gezappel, alles tanzt. Eine tief dekolletierte Blondine im kurzen Röckchen bewegt sich auf mich zu, lächelt lasziv.
Ich schüttele energisch den Kopf, auch die Antanznummer zieht nicht bei mir. Ich gehöre zu den Typen, die am Tresen ihrer Stammkneipe über Fußball oder PS diskutieren. Die zu Hause auf dem Sofa die Sportschau gucken, die Füße auf dem Tisch,  Bier aus der Flasche trinkend, Pizza kauend. Mist, die Sportschau kann ich heute auch wieder nicht sehen.
Obwohl, ich kann auch ganz gut Konversation machen. Ehrlich. Nur die intellektuellen Höhepunkte in der Disco stemme ich nicht. ‚Geile Mukke, das geht ab’ oder ‚was läuft’, darauf weiß ich keine Antwort.
Na gut, reden ist nicht mehr angesagt, dafür gibt es das Social Network. Es reicht ein like. Orwell hätte den ‚Big Brother’ völlig überarbeiten müssen oder er hätte sich erschossen, je nachdem.
Ein Typ unterbricht meinen Gedankenfluss, brüllt irgendetwas. Ich verstehe ihn nicht, die Bässe halt. Liegt auch daran, dass die Anlage nicht besonders ist. So zucke ich die Schultern und beschließe früher nach Hause zu gehen.
Sofort verschwinden geht nicht, meine Schicht als DJ dauert noch ne Weile.
© by Robin


Appetizer oder Dessert?
von Alizé Siffleur

„Hallo, mein Herz. Ich rufe an, weil ich mich vergewissern möchte, ob du heute Abend pünktlich bist.“
„Ja, natürlich. Wieso fragst du?“
„Oh, ich möchte etwas Besonderes für uns kochen. Lass dich überraschen. Das Dessert wird dir besonders gut gefallen.“
„Ja dann werde ich sehr pünktlich sein, Chérie. Ich freue mich auf dich und natürlich auf das besondere Dessert. Ich werde es genießen.“
Verlockende Düfte erfüllen die Luft, verheißen kulinarische Verführungen. Der Tisch für unser Tete-à-Tete ist gedeckt. Der Champagner liegt auf Eis. Ein Blick auf die Uhr sagt mir, dass er gleich hier sein muss, also zünde ich die Kerzen an. Ihr goldenes Licht verzaubert den Raum, lässt ihn funkeln.
Ohne dass ich es bemerkt habe, ist er eingetroffen, steht lächelnd in der Tür. „Es gefällt mir, was ich sehe“, murmelt er und es ist offensichtlich, dass er nicht nur den gedeckten Tisch meint.„Ich habe dich gar nicht kommen hören“, lächle ich zurück. „Möchtest du einen Aperitif?“
Er lacht, kommt langsam auf mich zu. „Oh ja, das ist eine gute Idee.“
Er streicht mir zart über den Rücken, bis hinunter zum Po. Dann wandern seine Finger unter den Saum meines Rockes. Er küsst meine Lippen, lässt mich wissen, worauf er jetzt Hunger hat. Dann öffnet er meine Bluse, registriert erfreut, dass ich nichts darunter trage. Sein Mund wandert, zieht eine heiße Spur meinen Hals hinab, verweilt auf meiner Brust. Er leckt an meinen Knospen, umrundet sie mit der Zunge, bis ich vor Wonne stöhne und mich noch weiter an ihn presse. Seine Finger auf meinen Schenkeln entdecken den feuchten Mittelpunkt meiner Lust.
Er hebt mich auf die Tischkante, öffnet sein Hemd, während ich ungeduldig an seiner Hose zerre. Endlich kommt er mir groß und hart entgegen. Ich massiere ihn, doch er ist ungeduldig, legt mich auf den Tisch, dringt gierig ein, stößt tief in mich. Ich wölbe ihm mein Becken entgegen, will ihn hart und unnachgiebig spüren, hechele und flehe ihn an. Fast brutal knetet er meine Brüste, reizt die harten Warzen, unerträglich ist die Lust.
Ich höre ihn stöhnen, fühle sein Beben. Oder bin ich es, die zittert, bebt, seinen Namen stöhnt? Unerträglichkeit lässt mich schreien, bis ich explodiere.
Er liegt halb auf mir, ich fühle warme, wohlige Feuchte zwischen den Beinen. Gemeinsam kommen wir zu Atem.
Schließlich stützt er sich auf die Hände, schaut mir zärtlich in die Augen, lächelt befriedigt. „Das war der Appetizer, jetzt essen wir, nicht wahr!“
Ich muss lachen. „Das war so aber nicht geplant. Eigentlich war ich das Dessert. Ich glaube jetzt möchte ich erst einen Schluck Champagner.“
© by Alizé
Veröffentlicht:  Buch "Saturday Night Fever" (Alizé Siffleur)


Zauberwald
von Angie Pfeiffer

Sie liebt den verzauberten Wald, doch sie fürchte ihn zugleich. Er ist gefährlich. Wilde Jäger durchstreifen ihn, wollen ihr das Leben nehmen. In jeder dieser besonderen Nächte flüchtet sie vor ihnen. Bisher ist sie immer entkommen. Wird es heute wieder so sein?Atemlos, mit jagendem Puls hält sie inne, versucht ihren Atem zu beruhigen, horcht angestrengt. Hört ihre dröhnenden Stimmen. Noch sind sie weit entfernt, lassen sich Zeit, gehen in breiter Reihe durch den Wald, geben sich keine Mühe, um leise zu sein. Warum auch, sie scheuchen das Wild auf, töten es dann mit kalter Präzision. Zweige knacken unter ihren Stiefeln, sie kommen näher. Blinder Panik überrollt die junge Frau. Vorwärts, immer weiter durch die Dunkelheit eilt sie. Selbst der Mond wagt sich in Nächten wie diesen nicht hervor.
Schließlich, als sie mit brennenden Lungen inne hält, sich in ohnmächtiger Verzweiflung vornüberbeugt, um Luft ringt, erkennt sie ihn vor sich, den Ort der vermeintlichen Sicherheit. Noch nie wagten die Jäger sich bis hier her.
‚Vielleicht bemerken die Wesen mich heute nicht’, denkt sie, so wie jedes Mal. Von neuem Mut durchströmt hastet sie über die brüchigen Marmorstufen hinab. Vorsicht, es ist glatt. Sie strauchelt, fängt sich im letzten Moment, läuft weiter, tastend mit kältetauben, nackten Füßen und ausgestreckten Armen. Die Düsternis hat zugenommen, legt sich wie ein Schleier über sie. Sie weiß wenn sie fällt, so stürzt sie in undurchdringliches Schwarz, in ein feuchtes, kaltes Grab, in immerwährende Stille. Doch sie will leben, verweigert den Todesgedanken.
‚Gibt es sie? Die Gewöhnung an den Tod?’, fragt sie sich.
Endlich erreicht sie den Boden. Auch hier Marmorplatten, brüchig vom Alter. Das Blut rauscht in ihren Ohren. Das, und ihr pochender Herzschlag, sonst hört sie nichts. Doch sie sieht. Sieht den matt schimmernden Marmor, aus denen die Wesen bestehen. So schön, ehrfurchtgebietend und so kalt. Sie strahlen von innen heraus, doch leer ist ihr Blick. Eingesperrt sind sie, für immer dazu verdammt in ihrem steinernen Gefängnis zu verweilen.
Etwas zwingt die junge Frau stehen zu bleiben, die unendliche Reihe versteinerten Lebens anzuschauen. So jung und doch uralt, so stark und zart zugleich. Eine Stimme umschmeichelt sie: Hier wäre sie für immer sicher, für immer schön. Ein verlockender Gedanke. Doch  würde sie zu kaltem Stein erstarren, das weiß sie genau.
Die Stimme verstummt, ein Wimmern erfüllt die Luft. Eine leise Klage, die einer fremdartigen Musik gleicht. Ihr Körper schmerzt vor Mitleid, in den Augen brennen ungeweinte Tränen. Sie fühlt, dass jedes der Wesen sich nach Leben sehnt, nach Wärme, nach pulsierendem Blut unter der Haut, nach fühlen und Gefühlen. Doch sie kann die zu Steingewordenen nicht erlösen. Die Musik wird lauter, zieht sie an wie ein Magnet. Immer näher kommt sie den kalten, unerbittlich schönen Statuen. Mühsam macht sie einen Schritt zurück, atmet tief ein und aus, schöpft Kraft aus der Luft, die ihre Lungen füllt. Atmen, noch ein Schritt rückwärts, sie dreht sich um, schleppt sich weg von diesem Ort, an dem es keine Grenzen gibt, an dem die Zeit unendlich ist. Die uralte Musik begleitet sie, vergeht schließlich mit einem letzten, trauervollen Akkord.
Irgendwann fühlt sie Krumen unter ihren Füßen, riecht nicht mehr den Todeshauch des Marmors, sondern duftende Erde. Mit der Morgendämmerung lichtet sich der Wald. Erschöpft taumelt sie vorwärts, schreitet durch die hölzerne Pforte, steht auf der taufeuchten Wiese. Blüten öffnen sich, Insekten schwirren, Schmetterlinge schweben an ihr vorbei. Auch die Vögel begrüßen zwitschernd den neuen Tag. Sie fühlt sich befreit, hat keine Angst mehr. Hier her kommen weder die tötenden Jäger, noch die versteinerten, nach Leben gierenden Wesen. Hier ist sie sicher. Jedenfalls bis zum nächsten Neumond, wenn sie die unbestimmte, unstillbare Sehnsucht wieder in den verzauberten Wald treibt.
© by Angie


Navi
von Dilettant

Dienstag Morgen – 4:45
Der Wecker hatte mich schon vor einer Stunde aus dem Bett geworfen. Jetzt hatte ich grad’ den Koffer und meine Aktenmappe ins Auto geschmissen und mich mit einem langen süßen Kuss von Angie verabschiedet (die Dackel hatten den frühen Lärm mit Missachtung und demonstrativem Schnarchen kommentiert).
Den Becher dampfenden Kaffee in der Hand und ab ins Auto. Auf nach Düsseldorf – in zweieinhalb Stunden ging mein Flug nach Mailand.
Landung Milano Malpensa – jetzt schnell den Leihwagen.
Zusatzversicherung? Nein!Upgrade? Nein!Navi? Nein, hab’ mein eigenes dabei!!Heut’ Nachmittag noch einem Termin mit Roberto in Milano, am Mittwoch zwei Termine in Robassomero (bei Turin), Donnerstag in Bologna, Freitag Morgen noch kurz in Brendola vorbei schau’n und dann ab nach Hause.So gut – so geplant.
Mein Flug nach Hause am Freitag ging um 17:40.
Mario, mein Geschäftspartner in Brendola war gut drauf wie immer..„Hey Alan, lass uns gleich noch einen Bissen essen ....“Mario wollte also noch unbedingt (auf meine Kosten) mit mir am Freitag zum Mittag essen, ok.
Gegen 11:45 waren wir im Restaurant – und italienischen Gepflogenheiten zu Folge dauerte es schon seine Zeit, bis Primero, Secundo, Wein, Kaffee und der bei Mario übliche Grappa serviert waren. Ich zahlte die Rechnung (zum Glück mit der Firmen Kreditkarte) und verabschiedete mich so rasch wie möglich von Mario.Es war fast 2:00 Uhr – zum Flugplatz braucht’s eigentlich 1:30 bis 1:45 Stunden. 
Doch es war Freitag. Und so sah’s auch aus. Die Autobahn war voll ..... Das Navi  überschlug sich mit alternativen Routen, um den verschiedenen Staus zu entgehen. Ich wurde nervös, nervöser, noch nervöser ....Mailand Malpensa ... der Flughafen schien nicht mehr erreichbar...
16:55 – Ankunft!
Noch 45 Minuten – Auto abgeben, Einchecken, ab nach Hause!
Möglich???
Versuchen!!!
Navi aus dem Auto gerissen, in den Aktentrolly und im Laufschritt zum Einchecken.
„... Sie sind aber spät – müsste aber noch klappen ...“
Puh, eingecheckt bin ich, jetzt über die Fast-Lane durch die Security ...
Hab’ ich das Navi eigentlich ausgeschaltet???
Keine Ahnung!
Egal!!
Last Call for .... ja, ja, ich beeil mich ja ....
Ich lass mich einfach nur in den Sitz fallen – den Aktentrolly hab’ ich noch in die Ablage gekriegt. Die Treibwerke heulen bereits ... Augen zu und ab nach Düsseldorf!

„Meine Damen und Herren, willkommen in Düsseldorf .......“
Mein Gott, ich hab’ tatsächlich den ganzen Flug verschlafen. Na ja, was soll’s... Der Airbus rollt in seine Parkposition und die Triebwerke werden ausgeschaltet.
Alle machen sich bereit, stehen auf, öffnen die Gepäckfächer - - - - und aus meinem Trolly kommt die Stimme meines Navis:„Wenn möglich, bitte wenden“..........
© by Dilettant


Schlechte Hormone
von Angie Pfeiffer

„Sie haben schlechte Hormone“, sagte meine Gynäkologin und sah mich streng über ihren Brillenrand hinweg an.„Wie bitte“, stammelte ich, während sich vor meinem inneren Auge Horrorvisionen abspulten. Ich sah mich, wie ich meine Hormone in die Biotonne warf, weil sie nicht mehr gut, also ziemlich vergammelt waren. Oder gehören sie eher in den gelben Sack? Hormone sind ja irgendwie künstlich oder so.
„Nun“, sagte Frau Doktor beschwichtigend, denn sie musste meinen irren Blick bemerkt haben. „Das Klimakterium ist heutzutage kein Problem. Ich gebe ihnen ein Präparat mit. Benutzen Sie dieses Hormongel, monatlich verschreibe ich zusätzlich eine große Packung Antidepressiva und schon ist alles wieder gut.“
Zu Hause angekommen setzte ich sofort den Laptop in Betrieb und wühlte mich durch die einschlägige Literatur zu Thema. Ratgeber gibt es wirklich genug, wie ich schnell feststellte. Meist teilen hippe Agerinnen der Welt mit, dass es täglich neue Chancen für Frauen mit schlechten Hormonen gibt. Schwitzen, ach was. Endlich wieder luftige Kleidung tragen! Ein Formtief, kein Thema. Dank Yogaübungen für den Beckenboden hebt sie dieser und zusätzlich auch die Laune!Das half alles nicht weiter, jedenfalls nicht mir. So vertiefte ich mich in die Brigitte Zeitschrift für die reife Frau. Artikel mit der Überschrift: ‚Haarausfall, endlich kein Intimwaxing mehr’ oder ‚Das neue Fünfzig ist das alte Fünfunddreißig’ ließen mich erschauern. Nachdem ich den Beitrag ‚Mit Hyaluron aufgepeppte Schamlippen’ neben dem Bericht ‚Mode pur - die etwas andere Handtasche’ fand, legte ich auch die Zeitschrift ad acta. Das kam mir alles irgendwie unrealistisch vor.
Es klang wie der Standard Beruhigungssatz für Schwangere: „Nach der Geburt hast du alle Schmerzen vergessen.“ Von wegen! Meine Mutter erinnert sich nicht mehr an meinen Namen, aber den Geburtsschmerz, den ich ihr bereite habe, hat sie jederzeit parat.
Also beschloss ich, den Bleistifttest (sie wissen schon) nicht mehr durchzuführen. Mal ehrlich, wer braucht schon Möpse, wenn sie sich auf einem Selbstfindungstrip gen Erdboden befinden! Auch den Ganzkörperspiegel mied ich, achtete aber verstärkt auf Nasenhaare, um sie gegebenenfalls auszuzupfen.Auch entdeckte ich ein neues Laster: Trash-TV. Filmchen, in denen botoxgestählte Blondinen Sätze wie: ‚Nicht die Hochzeit, die Scheidung muss sich lohnen’, raunen. Erstaunt stellte ich fest, was ich nie bemerkt hatte. Es gibt im deutschen (und wahrscheinlich auch im internationalen) Fernsehgeschäft keine reife Frau, die älter aussieht, als Frauke Ludowik. Sei’s drum - die unsägliche Desiree Nick, beispielsweise oder Frau Effenberg zeigen auf, wie man äußerlich konserviert wie weiland die tote Nofretete und innerlich schwer verbittert sein kann.
Es machte Klick, denn wer will schon so sein - und so aussehen? Also ging ich einfach weiter zum Sport, zog meine morgendlichen Joggingrunden durch den Park und gönnte mir mein abendliches Gläschen Rotwein. Nach und nach entdeckte ich die positiven Seiten des Hormonverfalls. Das Flirten zum Beispiel ist wesentlich weniger strapaziös. Nie wieder auf himmelhohen High Heels die Shakira auf der Tanzfläche machen. Lieber auf Mister Lover-Lover verzichten und einen netten Typen lieb anlächeln.
Glaubt mir, Mädels, das wirkt super.
Kein Strip in Lack und Leder ist angesagt oder Verrenkungen an der Stange.
Lieber Streicheleinheiten und mal schauen was sich ergibt. Mit dem Eintritt ins weise Alter weiß frau, was sie will. Keinen Tennissockenträger mit Hängebäuchen, auch keinen verheirateten Lover mit wenig Zeit wegen ‚Mutti und die Kinderchen’ und sicher keinen Typen, der zwar gut im Bett aber doof im Kopf ist.
Übrigens: Ich warte mit Vorfreude auf einen dieser Anrufe in denen es heißt: ‚Hallo hier ist Guido Dingens. Frau P. ich gratuliere. Sie haben gewonnen.’
Ich werde mit zitternder Stimme antworten: ‚Wissen sie, junger Mann. In meinem Alter bracht man nichts, man stirbt sowieso bald. Lassen sie uns über Gott reden.’
Und dann lache ich mich kaputt ...
© by Angie


Ein neues Update
von Robin Royhs

„Zeit um aufzustehen, mein Lieber.“ Siras lieblich klingender Weckruf ließ Sam aufwachen. Wie zu erwarten fühlte er sich angeschlagen. Sein Mund war pappentrocken, in sei- nem Kopf hämmerte es dumpf.„
Mist, ein Vodka zu viel“, grummelte er.„Kopfschmerztabletten liegen im Badezimmerschrank“, erklang es sanft aus den unsichtbar angebrachten Lautsprechern.„Mein Kopf! Sei lieber still! Du klingst wie eine überbemühte Ehefrau!“ Mühsam richtete sich Sam in seinem Wasserbett auf, um sich gleich wieder zurücksinken zu lassen. Er hätte am Vorabend vernünftig sein und seine Beförderung nicht so feucht fröhlich feiern sollen. Doch jetzt musste er wirklich aufstehen. Schließlich wollte er am ersten Tag in der neuen Position nicht gleich zu spät kommen. Für einen Moment überflutete ihn ein unglaubliches Glücksgefühl. Endlich hatte er es geschafft – nach all der Plackerei war er ganz an der Spitze des Unternehmens angekommen.„Was liegt heute an?“, fragte er, während er sich aus dem Bett hievte.„Heute Vormittag, genauer gesagt um 10 Uhr, ist eine Konferenz mit allen Abteilungsleitern, dann ein Arbeitsessen. Am Nachmittag hast du ein Meeting mit dem Leiter der kaukasischen Vertretung.“
Trotz aller Euphorie seufzte Sam. Es würde ein langer Tag werden.Nach dem Duschen betrat er seinen begehbaren Kleiderschrank. „Dein Vorschlag, bitte. Was soll ich anziehen?“, knurrte er.„Laut den satellitengestützten Wetterdaten und der Tatsache, dass du jung und dynamisch auftreten willst, empfehle ich ein Poloshirt, eine Hose und ein Sakko. Smart Casual wäre sehr angesagt. Ein Anzug ist zu formell.“
Sam kramte unlustig in seinen Sachen herum. „Welche Farbe?“, fragte er knapp.„Nun, heute ist Afrika Tag“, kam es gut gelaunt zurück.„Quatsch nicht so blöd. Sag mir die Farben.“ Sira ging ihm heute auf die Nerven.„Das habe ich überhört“, erklang es aus dem Lautsprecher.
Hatte er sich verhört? Ihm schien es, als ob die Computerstimme beleidigt, wenn nicht gar wütend geklungen hätte.„Es wird definitiv Zeit für ein Update. Vielleicht kaufe ich mir sofort die neue Version. Du nervst gewaltig. Noch einmal: welche Farbe!“, murmelte er.„Ich würde zu beige und braun raten. Beiges Shirt, bräunliches Sakko, dunkelbraune Hose, dunkelbraune Schuhe und Socken. Sonst noch Fragen?“
„Im Moment nicht. Sei froh, dass ich jetzt keine Zeit habe“, grummelte Sam. Achselzuckend schlüpfte er in seine Kleidung. Das fehlte noch, dass er Streitgespräche mit seinem Hausroboter führte.
Der Arbeitstag verlief sogar noch stressiger als erwartet. Wenigstens legte sich das Unwohlsein. Die Kopfschmerzen verschwanden fast vollständig. Gegen 19 Uhr ließ sich Sam in seinen Lieblingssessel im Wohnzimmer plumpsen. Er atmete tief durch. Sein neues, computergesteuertes Haus kam seiner Vorstellung von einem kleinen Paradies schon sehr nahe.„Willkommen zu Hause. Ich hoffe es geht dir gut“, begrüßte ihn Sira mit samtweicher Stimme. „Ich habe über Tag ein Update eingespielt. Jetzt kann ich noch viel besser auf alle deine Bedürfnisse eingehen.“
Apropos Paradies! Sam grinste hoch erfreut. „Das ist sehr schön. Ich hatte einen wirklich anstrengenden Tag und will nur noch entspannen. Was würdest du mir empfehlen?“
„Die Sauna ist vorgeheizt. Wenn du möchtest ...“ Irrte er sich oder klang Siras Stimme noch zuvorkommender als sonst. „Vorsorglich habe ich mich um eine Masseurin gekümmert. Wenn dir der Sinn danach steht, kann ich sie jederzeit herbestellen. Sie wäre in einer halben Stunde verfügbar.“
Das neue Update gefiel Sam immer besser. „Sauna ist jetzt genau richtig. Die Sache mit der Massagenummer machen wir ein anderes Mal.“
Rasch entledigte er sich seiner Kleidung, schlang sich ein Handtuch um die Hüften und ging in die untere Etage des Hauses, wo ihm aromatische Düfte entgegen schmeichelten.
In der Sauna ließ er sich entspannt auf die Bank sinken und lauschte den Klängen der klassischen Musik, die dezent im Hintergrund spielte.Er legte sich bequem auf die Bank, schloss die Augen und überließ sich ganz der erholsamen Entspannung.

Sam fuhr erschreckt auf. Ihm war schwindelig. Wie lange lag er schon in der Sauna? Und was war das für eine Musik? Er horchte angespannt und erkannte den Trauermarsch von Chopin.
„Sira“, rief er leicht panisch. „Wie lange sollte ich in der Sauna relaxen ohne dass es meiner Gesundheit schadet?“
„Circa 15 Minuten, höchstens 20“, war die prompte Antwort. „Jetzt bist du 45 Minuten und 23 Sekunden in der Sauna. Aber du bleibst noch eine gute Stunde drin.“ Dann klickte es.
Zitternd stand Sam auf, versuchte die Tür zu öffnen, was ihm nicht gelang. Sira hatte die elektrische Türverriegelung aktiviert.‚Vielleicht war das Update doch keine so gute Idee‘, dachte er, bevor er das Bewusstsein verlor.
© by Robin Royhs