Alizé Siffleur
Shadow - verbotene Berührungen

*1*
„Jetzt bist du total übergeschnappt!“ 
Meine Schwester tippte sich mit dem Zeigefinger an die Stirn. „Das kann nicht dein Ernst sein.“
„Doch, ist es. Das ist die Chance überhaupt für mich. Was meinst Du, wie es abgeht, wenn es mir wirklich gelingt, an Insiderwissen über den Club zu kommen. Wer weiß, wer sich alles dort auslebt! Semesterferien sind auch. Voilà, es passt alles “, versuchte ich Mara zu überzeugen, doch sie schüttelte den Kopf und sah mich leicht verzweifelt an.
„Wenn das in die Hose geht, dann kannst du dich warm anziehen. Überhaupt – wie denkst du dir das eigentlich. Meinst du sie warten dort nur auf dich?“

So und ähnlich ging es schon seit einer Weile zwischen uns ab. Genau genommen, nachdem ich meiner Schwester von meinen großartigen Plänen erzählt hatte. Die Idee dazu kam mir spontan, nachdem ich mich mit einer Kommilitonin, die kei-nen Hehl aus ihren Neigungen machte, unterhalten hatte. Sie half ab und zu im Shadow aus, dem exklusivsten und ange-sagtesten BDSM Clubs unserer Stadt - was sage ich – der ganzen Region. Hierbei verband sie das Angenehme mit dem Nützlich. Als devote Person bekam sie dort alles was sie brauchte, und zwar in einer mega noblen Umgebung. Zudem war die Bezahlung hervorragend. 
Sie erzählte mir, dass im Shadow Dominas gesucht wurden, was so gar nicht ihr Ding war und was sie sehr bedauerte. 
„Wenn ich die Gelegenheit bekommen würde, einen festen Job im Club zu ergattern, in den Inner Circle zu kommen, würde ich das Studium sofort an den Nagel hängen“, erklärte sie mir. „Journalismus, das klingt erst einmal super, aber was gibt es nach dem Studium schon für Chancen? Ich habe auf jeden Fall keine Lust , Artikel über das Treffen des Kleingärtnervereins ‚Tote Hose‘ zu machen oder so. Onlinejournalismus ist auch nicht so mein Ding. Hinzu kommt, dass ich im Shadow in einer Woche mehr Kohle machen könnte, als ein durchschnittlicher Schreiber in einem halben Jahr verdient.“
Nun, mein Studium wollte ich auf jeden Fall abschließen, immerhin war ich im 6. Semester. Ich erwog sogar, nach dem Ba-chelor auch noch den Master zu machen. Niemals hätte ich mein Studium geschmis-sen, egal, wie viel Geld ich anderswo verdienen könnte. 
Ich hatte eine ganz andere Idee. Das Zauberwort hieß investigativer Journalismus. Wenn es mir gelingen würde, in diesem BDSM Club Insiderwissen zu ergattern, dann würde ich ganz groß rauskommen. Nicht umsonst war das Shadow total abgeschottet. Es hieß, dass dort hochrangige Persönlichkeiten ein und aus gingen und ihren perversen Neigungen frönten. Wenn ich nun also als Domina freien Zutritt bekommen würde … 
Na gut, den Pulitzerpreis würde ich nicht unbedingt gewinnen, aber ich würde schon einen Namen haben, bevor ich überhaupt das Studium abgeschlossen hätte. Das klang verdammt verführerisch. 
Also hatte ich mich zunächst einmal schriftlich beworben, wobei ich gnadenlos geschwindelt und erklärt hatte, dass ich schon lange dominant wäre und einige Erfahrung als Domina hätte. Diese wären aber eher privater Natur. Tatsächlich bekam ich einen Termin für ein Vorstellungsgespräch. 
Nachdem das geschehen war, hatte ich meine Schwester und Mitbewohnerin Mara eingeweiht. 

Nun saßen wir in unserem gemeinsamen Wohnzimmer und diskutierten. Wobei man eher sagen musste, dass Mara versuchte, mich von meinem Vorhaben abzubringen und ich auf meinen Plänen beharrte.
„Du bist doch aber gar nicht dominant, oder ist mir etwas entgangen“, Mara musterte mich misstrauisch.
Jetzt war es an mir, den Kopf zu schütteln. „Nö, bin ich nicht. Jedenfalls nicht, dass ich wüsste. Sex ist nett, aber ich kann auch drauf verzichten. Also … ich brauche nicht wild in der Gegend herumzumachen … meine ich. Jemanden geschlagen habe ich auch noch nie … beim Sex, meine ich jetzt.“ 
Obwohl Mara nicht nur meine Schwester, sondern auch meine beste Freundin war, brachte sie mich aus dem Konzept. 
Trotzdem fuhr ich tapfer fort: „Ich habe mir überlegt, dass ich als Domina die besseren Karten habe. Obwohl ich es noch nicht ausprobiert habe, ist es mir lieber, jemanden zu verhauen als anders herum. Geschlagen werden will ich auf keinen Fall! Wahrscheinlich muss ich auch gar keinen richtigen Sex haben … also so normalen … wenn du weißt, was ich meine …“
„Oh Herr, lass Hirn regnen! Wie naiv kann man sein“, rief meine Schwester aus. „So stellst du dir das also vor? So viel Ahnung habe ich ja jetzt auch nicht davon, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass du keinen Sex mit deinen Kunden haben wirst. Was machst du, wenn dich einer unbedingt vögeln will? Der Kunde ist doch wohl gerade im Shadow König. Überhaupt: weißt du denn, wie man richtig zuschlägt? Eine gewisse Technik gehört wahrscheinlich dazu. Stell dir bloß mal vor, du fügst jemandem einen bleibenden Schaden zu, weil du eigentlich keine Ahnung hast!“
„Natürlich habe ich erstmal recherchiert. Schlagtechniken habe ich mir im Internet angeschaut, das ist alles gar nicht so schwierig. Geübt habe ich auch schon reichlich!“
Mara musterte mich interessiert. „Sag bloß, du hast Peitschen gekauft oder einen Rohrstock! Lass mal sehen!“
„Du hast ja keine Ahnung, was das Zeug kostet. Das kann ich mir nicht leisten. Aber es gibt Alternativen.“
„Alternativen???“
„Yep!!!“
„Jetzt rück schon raus, Girl. Womit hast du geübt?“ Plötzlich schien Mara ganz Ohr zu sein. 
Ich grinste sie an. „Also: erst habe ich es mit dem Kochlöffel versucht. Aber das ist nicht gut. Pfannenwender habe ich auch ausprobiert, weil der irgendwie an ein Paddle erinnert.“
„Kochlöffel … Pfannenwender?“, kicherte meine Schwester. „Du bist sowas von durchgeknallt. Jetzt weiß ich auch, warum neuerdings die kleine Scheibengardine in der Küche nicht mehr vor dem Fenster hängt. Du hast die Gardinenstange missbraucht.“
„Yep“, nickte ich.
„Echt? Und – bringt’s die Stange?“, fragte Mara verblüfft, bevor sie in schallendes Gelächter ausbrach, in das ich einstimmte. „Du wirst es nicht glauben, aber üben mit der Stange ist super. Sie ist ein bisschen elastisch und trotzdem fest“, keuchte ich und wischte mir die Lachtränen aus den Augen. „Erst hatte ich erwogen, heimlich einen Golfschläger von Papa zu nehmen. Aber das hätte er nachher bemerkt. Ein Golfschläger ist ja auch nicht so flexibel wie ein Rohrstock … oder eine Gardinenstange.“
Mara hielt sich den Bauch vor Lachen. „Das stelle ich mir gerade vor: Papa fragt, wo sein 6er Eisen geblieben ist und du erklärst ihm, dass du das Ding brauchst, um Schlagtechniken für einen BDSM Club zu trainieren, weil du dort als Domina anfängst.“
„Siehst du, jetzt bist du gar nicht mehr so skeptisch, Schwesterherz. Sieh es mal sportlich. Erst einmal kommt das Vorstel-lungsgespräch, dann werde ich weitersehen. Vielleicht kann ich den Personalchef gar nicht überzeugen, dann hast du dich ganz umsonst aufgeregt. Aber falls das doch der Fall ist, werden sie dort schon nicht merken, dass ich gar keine richtige Domina bin. Ich habe nämlich ein großes schauspielerisches Talent.“
Meine Schwester seufzte. „Ja sicher. Ich erinnere mich. Du hast in der Grundschule mal eine Erbsenschote gespielt. Und du meinst ernsthaft, dass dieses schauspielerische Talent ausreichen wird?“


*2*
Heute war der große Tag! 
Mein Vorstellungsgespräch im Shadow stand an. Für den Termin hatte ich mir ein schwarzes Outfit zugelegt, obwohl das eigentlich nicht meine Farbe war. Aber ich dachte, dass hautenge schwarze Klamotten irgendwie passend wären. Dazu hatte ich meine Augen mit einem schwarzen Kajalstift stark betont und die Lippen knallrot geschminkt. Auch das war nicht meine Art. Normalerweise schminkte ich mich eher dezent. Ein bisschen komisch kam ich mir schon vor, aber es ging ja um meine Karriere und dafür musste ich halt Opfer bringen.
Der Club war komplett von einem hohen Zaun umgeben, so dass es von außen unmöglich war, einen Blick auf das Gebäude zu erhaschen. 
Ein muskelbepackter Typ kam auf mein Klingeln zum Tor. „Sie wünschen?“, fragte er mürrisch.
„Ich bin Laura, Laura Möller. Ich habe einen Termin für ein Vorstellungsgespräch“, klärte ich auf.
„Alles klar“, nach einem kurzen Blick auf eine Liste ließ mich der Wachmann das Tor passieren.
Nachdem ich mein Auto geparkt hatte, blieb ich einen Augenblick stehen und holte tief Luft. Ich war früh genug losge-fahren, hatte also bis zum Termin noch etwas Zeit.
‚Ganz schön nervös, Laura! Komm runter‘, dachte ich. 
Was hatte ich schon zu verlieren? Im schlimmsten Fall würde ich ausgelacht werden, weil das Training mit der Gardinenstange nichts gebracht hatte oder man mir sofort anmerkte, dass ich gar nicht dominant war. Jedenfalls meines Wissens nach. Aber wer kann schon wirklich sagen, was für verborgene Talente er hat.
Entschlossen straffte ich die Schultern und versuchte möglichst grimmig dreinzuschauen. Dominamäßig eben. Dann stellte ich mir vor, ich würde eine Peitsche schwingen und machte probehalber ein Paar Übungshiebe.
„Ups, das war knapp!“, hörte ich eine amüsierte Stimme hinter mir.
Erschrocken drehte ich mich um. Verflixt, vorhin war ich noch allein auf dem Parkplatz gewesen. Jetzt blickte ich in ein Paar funkelnde, graue Augen, die zu einem gutaussehenden Mann Mitte 30 gehörten. Bestimmt hatte der Typ mich beim Peitschentraining beobachtet. Wie peinlich!
‚Laura, bleib cool‘, sagte ich mir. ‚Das ist vielleicht ein Kunde, den du irgendwann verprügeln musst.‘ 
Also beschloss ich, gleich die Domina raushängen zu lassen. „Hey“, sagte ich deshalb mit meiner tiefsten Stimme. „Komm mir lieber nicht in die Quere.“
Der Mann hob grinsend die Hände. „Never mind. Ich gehe ja schon. Aber vielleicht solltest du dich erst umschauen, wenn du so merkwürdig in der Luft her-umfuchtelst. Du könntest jemanden ver-letzten.“ Damit ließ er mich stehen und strebte dem Gebäude zu, in dem der Club untergebracht war.
„Ist ja gut. War nur das letzte Training“, murmelte ich und folgte ihm in gebührendem Abstand. 
Das Gebäude faszinierte mich. Irgendwie hatte ich einen völlig überladenen Bau erwartet, der Säulen und Erker und allen möglichen Schnickschnack hatte. Doch dieses Gebäude war modern und völlig schnörkellos. Es wirkte wie eine riesige Villa aus Glas und Stahl. 
Ich holte noch einmal tief Luft und betrat die Lobby. Hier war die Einrichtung hell, geschmackvoll und überhaupt nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. 
Eine freundliche Rezeptionistin lächelte mir entgegen. 
Verstohlen sah ich mich um. Ein Glück, der Typ vom Parkplatz war nicht zu sehen. 
„Hallo, ich bin Crissy, was kann ich für Sie tun?“ Erwartungsvoll sah Crissy mich an.
„Hallo, ich habe einen Termin. Mein Name ist Laura Möller.“
Crissy schaute in ihre Unterlagen. „Ja, genau, hier steht es. Sie haben ein Vorstellungsgespräch bei Mister Bain. Ich sage sofort Bescheid. Bitte nehmen Sie Platz. Die Assistentin von Mister Bain holt Sie dann hier ab.“ Sie wies auf eine der Sitz-gruppen, die locker im Raum verteilt waren. „Dort vielleicht?“
„Danke. Aber sagen Sie doch einfach Laura“, antwortete ich spontan. Crissy war mir auf den ersten Blick sympathisch. 
Jetzt lächelte sie. „Gern, Laura. Übrigens: Sie müssen nicht aufgeregt sein. Mister Bain ist wirklich nett und sehr fair.“
Oh je, sah man es mir also an, dass sich mein Pulsschlag inzwischen verdoppelt hatte? Ich nickte Crissy zu und versank in einem der bequemen Sessel.
Wenig später stöckelte eine gutgebaute Blondine auf mich zu. „Laura Möller? Hallo, ich bin Denise, die Assistentin von Mick Bain. Bitte folgen Sie mir. Mister Bain hat jetzt Zeit.“
Während sie auf den Fahrstuhl zusteuerte, sprach sie weiter, ohne sich überhaupt zu vergewissern, dass ich ihr folgte. „Ei-gentlich führt Mick, also Mister Bain, keine Vorstellungsgespräche. Aber Thomas, sein Bruder, ist heute nicht im Haus. Er ist in der Regel für Neueinstellungen zuständig. Jetzt muss sich der Boss selbst darum kümmern. Tja, den Club zu führen ist halt ein Fulltime -Job. Ich tue was ich kann, um Mick zu unterstützen.“
Ich schluckte. Also würde ich gleich vom Firmenboss selbst interviewt werden. Das hatte ich nicht erwartet. Nun, vielleicht war es ganz gut, Mick Bain direkt kennenzulernen. 
Weiter zu überlegen blieb mir sowieso keine Zeit, denn wir waren in ihrem Büro angekommen. „Wie Sie sehen, kommt niemand, der zum Boss will an mir vorbei, wenn ich das nicht möchte“, erklärte sie ein wenig spitz und klopfte an die Tür zu Bains Büro.
„Laura Möller ist jetzt da“, mit diesen Worten bedeutete sie mir, ihr zu folgen. Ich straffte die Schultern, bemühte mich, eine freundlich - gleichmütige Miene aufzusetzen und betrat forschen Schrittes das Allerheiligste. Ich würde Bain schon davon überzeugen, mich als Domina einzustellen. Das wäre doch gelacht. 
„Guten Tag, es freut mich Sie kennenzulernen“, sagte ich laut und deutlich. 
Dann stutze ich. 
Oh nein! 
Hinter einem beeindruckenden Schreibtisch saß der Mann vom Parkplatz. Er musterte mich einen Moment stumm. 
„Also SIE sind Laura Möller“, sagte er gedehnt. „Das hätte ich mir denken können, nach Ihrer Vorstellung vorhin. Danke, Denise, das wäre dann alles“, wandte er sich an seine Assistentin, die prompt den Raum verließ.
„Setzen Sie sich doch.“ Er wies auf einen Sessel, der vor seinem Schreibtisch stand. Wortlos ließ ich mich in das Sitzmöbel sinken. 
Verdammt! 
Ausgerechnet der Typ, den ich mit meinem Peitschentraining fast erschlagen hätte! Unbehaglich räusperte ich mich, während Bain mich weiter musterte. Irrte ich, oder sah er belustigt aus? 
Ich beschloss, in die Offensive zu gehen. „Hallo, ja, ich bin also Laura. Das vorhin tut mir leid, wirklich …“ 
‚Halt, Laura, du bewirbst dich als Domina, also benimm dich gefälligst dominant!‘
Nach diesem Gedanken fuhr ich forscher als ich mich fühlte fort: „Sie hätten wirklich besser aufpassen müssen. Was laufen Sie auch so nah an mir vorbei …. Ähm ja …“ So richtig wusste ich nicht, was ich noch sagen sollte.
Bain schien das zu bemerken. Wieder streifte mich ein belustigter Blick. „Vergessen wir deine Fuchtelattacke von vorhin einfach. Du willst also als Domina bei uns arbeiten“, ein Blick in die Unterlagen, die vor ihm auf dem Schreibtisch lagen. „Erzähl mir ein bisschen was über dich.“
Jetzt wurde es ernst. 
„Mein Name ist Laura Möller. Ich bin 23 Jahre alt und habe mich für den Job als Domina beworben, weil es meinen Neigungen sehr entgegenkommt. Es reizt mich, dem Partner Befehle zu geben, ihn zu züchtigen, wenn er nicht spurt, eben dominant zu sein. Im Club hätte ich die Möglichkeit, mich auf eine professionelle Art und Weise auszuleben.“
„Hm, aber du hast noch nicht als Domina gearbeitet, richtig?“, fragte Bain. „Was hast du bisher gemacht?“
Böse Falle. 
Natürlich konnte ich nicht sagen, dass ich Journalistik studierte. Das hätte den Clubbesitzer sofort misstrauisch gemacht. Aber auch darüber hatte ich bereits nachgedacht und eine Lösung gefunden. 
„Ich habe nach dem Abi im Service gearbeitet, weil ich nicht so richtig wusste, wie es weitergehen soll. Das waren eher Ge-legenheitsjobs. Mal hier mal da. Deshalb habe ich keine Unterlagen. Meistens war ich hinter der Bar, weil es mir nichts aus-macht, nachts zu arbeiten. Der Umgang mit Menschen macht mir wirklich Spaß, trotzdem war das alles nicht das Richtige. Ich glaube, dass ich hier endlich einen Job gefunden der mich ausfüllt.“ 
‚Ausfüllt‘, hatte ich das wirklich gesagt? Ich verstummte. 
„Okay, du hast also tatsächlich keine professionellen Erfahrungen. Das ist nicht gut. Wir haben im Club hochrangige Gäste, die es gewöhnt sind, vom Feinsten bedient zu werden. Wie stellst du dir das vor? Ich werde dich nicht so ohne weiteres auf unsere Kundschaft loslassen.“
Mit diesem Einwand hatte ich gerechnet und mir auch dazu eine Antwort überlegt. „Ich habe zwar noch nie als Domina gear-beitet, aber trotzdem habe ich reichlich Erfahrung sammeln können. Mit den verschiedensten Partnern. Dabei habe ich noch nie jemanden enttäuscht. Bisher ist noch jeder auf seine Kosten gekommen und ich natürlich auch.“ Ich schluckte, beschloss aufs Ganze zu gehen. Schließlich hatte ich nicht umsonst ausführlich recherchiert und stundenlang mit der verflixten Gardinenstange geübt. Da Bain mich duzte, tat ich es ihm nach. „Wenn du mir eine Chance gibst, dann werde ich dir zeigen, wie gut ich bin. Ein Naturtalent eben. Von mir aus können wir beide eine Session abhalten, falls du dabei mein Sklave sein möchtest. Es geht natürlich auch, dass du einen anderen devoten Partner bestimmst, mit dem ich spiele. Dabei kannst du dann zuschauen. Als Probelauf, könnte man sagen.“
Bain war während meines Vortrags aufgestanden und hinter mich getreten, ziemlich nah hinter mich. Ich lugte über die Schulter, schaute zu ihm hoch. Er sah mich mit einem merkwürdigen Gesichtsausdruck an. Dies und seine Nähe machten mich nervös. Gleichzeitig spürte ich ein Kribbeln zwischen meinen Schenkeln. 
‚Oh nein, Laura, dieser Typ macht dich nicht an. Er ist aufgeblasen und gar nicht dein Typ. Du stehst auf nette Studenten, die in deinem Alter sind und ganz einfach unkomplizierten Blümchensex haben wollen. Dieser Mann will das sicher nicht‘, appellierte ich an meinen gesunden Menschenverstand. 
Trotzdem kribbelte es. War es sein Geruch, der mich so anmachte? Ein wenig herb, Sandelholz, Leder und einfach Mann. Oder war es seine Präsenz - so nah bei mir? Viel zu nah! Jetzt legte Bain mir auch noch die Hände auf die Schultern. Ganz sanft, trotzdem kam es mir vor, als würde ich jeden seiner Finger fest auf der Haut spüren.
Ein Schauer erfasste mich. Verdammt. Das hatte er bestimmt mitgekriegt. Ich musste mich unbedingt zusammenreißen. Der-weilen ließ er seine Hände weiterwandern, legte sie spielerisch um meinen Hals und beugte sich zu mir hinunter. 
„So, so, 23 Jahre alt und schon reichlich Erfahrung gesammelt hat die Lady? Das ist ja interessant. Bist wohl eine kleine Her-umtreiberin, die jeder haben kann, was? Oder gibt es jemanden?“, flüsterte er in mein Ohr. 
Sein heißer Atem streifte mich und brachte mich noch weiter aus der Fassung. Ich merkte, dass ich rot wurde. Das ging gar nicht, wenn ich die taffe Domina spielen wollte! 
„Was heißt das denn! Schließlich muss ich mich ausprobieren. Der Erstbeste ist mir nicht gut genug. Im Moment gibt es nie-manden, fass du es genau wissen willst. Warum sich auf einen festlegen, wenn man viele haben kann“, sagte ich mit belegter Stimme und versucht mich mit einem Ruck von seinen Händen zu befreien und etwas Abstand zwischen uns zu bringen. 
Er quittierte meine Bemühungen mit einem Lachen, ließ aber wenigstens von mir ab. 
„Die Lady ist empfindlich? Das solltest du dir schnellstens abgewöhnen“, mit diesen Worten ging er wieder um seinen Schreibtisch und setzte sich. „Eigentlich dürfte ich dich nicht einstellen, das sollte dir klar sein, aber du interessierst mich. Deshalb mache ich eine Ausnahme. Laura, du hast den Job und zwar ab sofort. Morgen beginnt sowieso eine Einweisung, die über drei Tage läuft. Daran nimmst du teil. Einverstanden?“
Damit hatte ich nach dem Verlauf des Gesprächs gar nicht gerechnet. „Ja klar! Sicher! Toll!“ quiekte ich gar nicht dominahaft. 
Wieder traf mich ein belustigter Blick. „Dann ist es ja gut. Also - wir sehen uns morgen. Den Termin gibt dir Denise. Sei bitte pünktlich.“
„Bin ich, Sir, und danke, vielen Dank“, entfuhr es mir, worauf mich Bain wieder mit diesem besonderen Gesichtsausdruck ansah, aber das nahm ich nur am Rande wahr.

*3*
Aufgeregter als ich war wohl niemand! Wieder stand ich an der Rezeption des Clubs. Wieder lächelte mich Crissy freundlich an. „Du bist also mit im Boot. Das freut mich“, strahlte sie. „Du brauchst dich nicht zu wundern. Wir duzen uns hier alle. Man könnte sagen, wir sind eine große Familie. Das wirst du noch feststellen.“
Ich lächelte zurück und bemühte mich, unverkrampft rüberzukommen. „Hallo. Stimmt, ich bin eingestellt. Heute soll es eine Einweisung geben. Als Domina. Daran nehme ich teil und dann geht die Post ab.“ Crissy musterte mich ein Augenblick irritiert. „Du, eine Domina? Das hätte ich nicht gedacht, sondern das Gegenteil vermutet. Aber gut. Ein paar von deinen zukünftigen Kolleginnen sind schon da. Die Einweisung findet im Seminarraum statt.“ 
Sie erklärte mir genau, wohin ich gehen musste. 
Vor der richtigen Tür holte ich noch einmal tief Luft, klopfte an und betrat den angewiesenen Raum. Ich sah mich um und stellte fest, dass dies eher ein Saal als ein Zimmer war. 
„Hallo“, nickte ich den sich bereits im Raum befindenden Mädels zu. „Ich bin Laura.“
Die Antworten bekam ich allerdings nicht mehr so richtig mit, denn was ich hier sah, verschlug mir ein wenig die Sprache und zog mich gleichzeitig magisch an. 
Es gab verschiedene Betten mit Fesseln an Fuß - und Kopfenden. Zusätzlich an der Decke befestigte Haltevorrichtungen dienten vermutlich dazu, jemanden an ihnen festzuzurren. Rundherum standen Vitrinen, in denen verschiedene Peitschen, Stöcke und Sextoys waren. Natürlich kannte ich einen Teil dieser Utensilien, allerdings eher theoretisch, weil ich mir bei meiner Recherche Bilder davon im Internet angeschaut hatte. In einen Sexshop zu gehen, hatte ich mich nicht so recht getraut. 
An jedem Bett stand zusätzlich eine Kommode. Neugierig zog ich eine Schublade auf. Hier lagen etliche Halsbänder. In der nächsten Schublade befanden sich Tücher.
„Wer hat dir erlaubt, einfach herumzu-schnüffeln“, donnerte eine Stimme hinter mir. 
Ich hätte es mir denken können! Mick Bain! Insgeheim hatte ich gehofft, dass er bei der Einweisung nicht zugegen wäre, aber so viel Glück hatte ich nicht. 
Schon kam er auf mich zu und stellte sich so nah vor mich, dass mir wieder sein verlockender Duft in die Nase stieg. „Was soll das, Laura?“
Heute wollte ich nicht klein beigeben. „Warum regst du dich so auf? Ich habe nur mal geguckt. Das ist doch wohl keine große Sache.“
Er musterte mich von oben bis unten. „So, ist es nicht? Siehst du hier noch jemand anderes in den Schubladen herumwühlen? Das fängt ja gut an.“
Oh je, das klang nicht gut. Wortlos stellte ich mich zu den Anderen. Meine Nebenfrau grinste mich an. „Da hast du dich wohl unbeliebt gemacht, Süße“, flüsterte sie gehässig. Ich warf ihr einen kurzen Blick zu und zuckte betont lässig mit den Schultern.
„Ladies, ihr seid hier, um einiges über die Gepflogenheiten im Shadow zu lernen. 
Unsere Klientel kann miteinander spielen, wenn sie es wünscht. Daneben ist es möglich, eine Domina bzw. einen Dom zu bu-chen. Hier kommt ihr ins Spiel. Wie ihr wisst, sind unsere Kunden zum Teil hochrangige Persönlichkeiten. Deshalb steht Diskretion immer an erster Stelle. Zwar sollt ihr dominant sein, doch ist es wichtig, dass ihr euch klar macht, dass der zahlende Kunde bestimmt. Zudem könnte dieser Kunde ein einflussreicher Mann oder eine einflussreiche Frau sein, der im wirklichen Leben wichtige Entscheidungen trifft und sich bei uns fallen lassen will. Vergesst das niemals. 
Die Sessions finden in der Regel in abgeschlossenen Räumen statt. Nur, wenn der Kunde es wünscht, sind Zuschauer zugelassen. Jedes Spielzimmer hat zudem einen Bereich, in dem sich der Kunde nach der Session aufhalten und zur Ruhe kommen kann“, erklärte Bain in geschäftsmäßigem Tonfall. 
Ich atmete auf. Er hatte mich bei diesen Ausführungen nicht öfter als nötig angeschaut. Vielleicht würde er mich in Ruhe lassen.  „Ich führe die Einweisung selbst durch, weil es wichtig ist, dass genau darauf geschaut wird, ob ihr wirklich geeignet für den Job seid. Da mir der Club gehört, bin ich auch dafür verantwortlich, dass alles zur Zufriedenheit des Kunden läuft“, fuhr er fort. „Wir fangen am besten sofort mit der Praxis an. Für jede von euch kommt gleich ein passender Gegenpart. Ihr könnt mit den Subs machen was ihr wollt. Es gibt kein spezielles Safeword. Ihr benutzt die Ampel. Ihr wisst schon: Grün heißt alles in Ordnung, Gelb bedeutet Vorsicht, es wird grenzwertig. Bei Rot wird sofort abgebrochen.“
Wie auf Kommando öffnete sich die Tür. Sechs, nur mit ihren Boxershorts bekleidete Typen betraten den Raum. Mir wur-de heiß, denn damit hatte ich so schnell nicht gerechnet. Ein kleiner, älterer Mann stellte sich vor mir auf. 
Auch das noch!
„Hallo“, murmelte er.
‚Laura, jetzt musst du total taff sein. Denk daran, was du gelesen hast …‘
„Wer hat dir erlaubt zu sprechen“, fuhr ich ihn direkt an. „Du sprichst nur, wenn ich es will.“
Gefügig nickte mein Gegenüber und schaute vor sich auf den Boden.
Super! Der erste Erfolg auf meinem Weg zur Domina. Besser gesagt auf meinem Weg die Medienwelt zu erobern. Das wollte ich auf keinen Fall aus den Augen verlieren. 
„Geht doch.“
Langsam strich ich ihm mit den Fingernägeln den Hals hinunter und über die Brust. Sein Atem wurde schneller. Be-merkenswert. So wenig brauchte es also! 
Ich zog die Kommodenschublade mit den Halsbändern auf. ‚Gut, dass ich vorher schon danach geschaut habe‘, dachte ich grinsend und konnte mir einen Seitblick auf Mick Bain nicht verkneifen. Er erwiderte meinen Blick mit gerunzelten Augenbrauen. 
Jetzt nur nicht ablenken lassen!
Ich wählte ein Halsband aus. Dann stellte ich mich wieder vor meinen Sub, legte ihm die Hände auf die Schultern und drückte ihn nach unten.
„Auf die Knie, Hände auf die Oberschenkel“, befahl ich streng. 
Sofort ließ er sich auf die Knie sinken und ich legte ihm das Halsband an. Anschließend musterte ich ihn kurz. 
Gar nicht mein Typ! Zu alt, zu schwammig. Bei dem Gedanken es in Zukunft mit solchen Männern zu tun zu haben, wurde es mir ganz anders. Trotzdem machte ich weiter: „Wie fühlt sich das an?“
„Gut.“
Das war ein Regelverstoß, den er absichtlich beging. Ich griff in sein Haar, riss seinen Kopf hoch. „Wie heißt es korrekt?“
„Gut, Herrin“, korrigierte er sich.
Ich nickte und ließ ihn los. „Besser. Beim nächsten Ungehorsam werde ich dich bestrafen müssen.“ 
Langsam umrundete ich ihn. Wie sollte es weitergehen? Wieder kramte ich in der Kommode, holte einen Schal heraus und verband ihm die Augen. Dann griff ich mir ein Paddle aus einer der Vitrinen und strich ihm damit spielerisch über den nackten Oberkörper. 
„Aber du willst mir sicher gehorchen, oder?“, knurrte ich, so böse ich konnte. „Sonst wird es sehr übel für dich, das kannst du mir glauben!“ Ich bekräftigte meine Aussage mit einem leichten Klaps mit dem Paddle. 
Das klappte schon ganz gut.
Wieder beschleunigte sich sein Atem. Er nickte heftig mit dem Kopf. „Ich will gehorsam sein, Herrin“, japste er. Deutlich war eine Ausbuchtung in seinen Shorts zu erkennen.
„Gut, vielleicht bekommst du dann eine Belohnung.“ Das sagte ich so motiviert wie möglich, aber ich musste feststellen, dass mich die Situation ganz und gar nicht anmachte. 
Bain unterbrach die Sitzungen, indem er in die Hände klatschte. „Wie ich sehe läuft es bei allen ganz gut. Wir können jetzt noch einmal Grundsätzliches erläutern, bevor wir einen Partnerwechsel durchführen.“
Mein Sub stand wortlos auf und stellte sich zu seinen Kollegen, die sich bereits aus der jeweiligen Situation gelöst hatten. Bain musterte uns einen Moment wortlos. Dann winkte er leger in meine Richtung. „Laura, komm doch für einen Augenblick zu mir.“
Was sollte das jetzt? Hatte ich etwas nicht richtig gemacht? Ich zögerte.
Ungeduldig blaffte Bain mich an. „Komm schon her. Es lässt sich anschaulicher erklären, wenn ich ein Versuchsobjekt habe.“
Versuchsobjekt?
Konnte er sich dafür nicht ein der Anderen aussuchen? Seufzend ging ich zu ihm, schaute zu ihm hoch und das wörtlich gemeint. Dass er so groß war, hatte ich irgendwie verdrängt. Ich reichte ihm gerade bis zur Brust.
„Es ist wichtig, dass ihr zunächst ein Vertrauensverhältnis aufbaut“, sagte Bain. Er strich mir sanft über die Wange, legte dann die Hände vorsichtig um meinen Hals, strich mit dem Daumen über meine Halsschlagadern, was meinen Blutdruck in die Höhe trieb. 
Ohne mich aus den Augen zu lassen redete Bain weiter. „Der Sklave, bzw. die Sklavin soll sich bei euch gut aufgehoben fühlen. Doch es muss von Anfang an klar sein, dass ihr nichts durchgehen lasst.“ Mit diesen Worten fasste er meine Schultern und drehte mich so, dass ich mit dem Rücke zu ihm stand. 
„Ich weiß, dass dir das gefällt“, flüsterte er mir ins Ohr.
„Von wegen! Ich mache nur mit, weil du der Boss und ich das Versuchsobjekt bin“, zischte ich zurück.
„Jeder Ungehorsam wird natürlich bestraft. Das gehört zum Spiel. Für einige Kunden reicht eine sanfte Bestrafung, andere wollen hart bestraft zu werden. Das ist ihr Kick.“ 
Er griff mit einer Hand in mein Haar, zog meinen Kopf zurück. Hitze schoss mir in den Unterleib, meine Brustwarzen zogen sich zusammen. So sehr ich mich bemühte unbeteiligt zu wirken, so wenig gelang es mir. 
„Du wirst feucht“, raunte er mir zu.
Ich schüttelte den Kopf, soweit das möglich war und versuchte meine Erregung zu unterdrücken.
Mit bemerkenswert unbeteiligter Stimme fuhr Bain fort. „Gehorsam wird belohnt. Der Kunde gibt vor der Session an, wie das aussehen soll.“
Abrupt ließ er mein Haar los, legte die Hände auf meine Taille und zog mich nah an seinen Körper. 
„Du bist geil. Ich könnte jetzt mit dir machen was ich will!“ 
Wenn ich ehrlich war, dann musste ich ihm recht geben. Mein Slip war kladdernass, so sehr erregte mich die Situation mit diesem Mann. 
„Von wegen ich und geil. Es bohrt sich gerade etwas Hartes in meinen Rücken“, fauchte ich, wenn auch nur für ihn hör-bar. Tatsächlich spürte ich sein hartes Glied nur zu genau.
Leise lachend ließ er mich los. „Danke, Laura. Wir werden noch viel Spaß miteinander haben.“
Mit hochrotem Gesicht und ein wenig atemlos ging ich wieder auf meinen Platz. „Die tut alles für den Job“, hörte ich es flüstern. Das war offensichtlich die Frau, die mich vorhin schon angemacht hatte. 
„Nur kein Neid“, murmelte ich hörbar.
Wieder klatschte Bain in die Hände. „Und jetzt gibt es einen Partnerwechsel. Bitte, Ladies. Lasst eurer Fantasie freien Lauf.“
Dieses Mal war mein Sub wenigstens jünger und weniger schwabbelig, was mich aufatmen ließ. Doch auch diese Session ließ mich kalt. Im Gegenteil, mein Slip trocknete nach und nach wieder. 
Schließlich entließ uns Bain mit dem Hin-weis, sich am nächsten Tag um dieselbe Zeit wieder im Seminarraum einzufinden.

Zu Hause angekommen wartete Mara bereits auf mich. Sie musterte mich interessiert. „Na, wie war dein erster Tag im Puff?“
Ich boxte ihr spielerisch auf den Oberarm. „Das Shadow ist kein Puff! Jedenfalls nicht so richtig. Die Kunden dort können auch miteinander spielen und müssen niemanden buchen, wenn sie das nicht wollen. Im Übrigen sieht es dort echt de-zent aus und super edel. Nichts erinnert an einen Puff. Also wirklich!“
Ah, ha, spielen nennt man das?“, sagte Mara sarkastisch. „Dann ist es eben ein Swinger Club für gut betuchte Kundschaft. Aber man kann sich dort doch jemand Professionelles kommen lassen. Das erinnert fatal an ein Bordell. Gehst du morgen wirklich wieder dorthin? Oder hast du schon die Nase voll?“
Ich beschloss mich für heute nicht mehr provozieren zu lassen. Nicht einmal von meiner Schwester. 
„Weißt du, Mara“, sagte ich deshalb, „ich habe heute so viel erlebt, das muss ich erst einmal verarbeiten. Bitte lass mich einfach in Ruhe. Alles was ich jetzt brauche, ist eine heiße Dusche, eine Pizza, ein Glas Wein und keine dummen Sprüche.“
Meine Schwester hob abwehrend die Hände. „Alles gut. Sei nicht so empfindlich. Ich mache mir doch nur Sorgen um dich und ich finde es immer noch nicht gut, was du machst.“
Ich nahm sie in den Arm und drückte sie. „Danke dir, aber es ist wirklich alles im grünen Bereich.“







Alizé Siffleur
Versuchung im Spiegel
erotischer Roman

Der Umschlag steht an einen Fotorahmen gelehnt auf dem Sideboard im Wohnzimmer. Dort befindet er sich schon seit ein paar Tagen. Ich bringe es einfach nicht über mich ihn aufzumachen. Damit wäre alles so verdammt endgültig. Heute habe ich mir eine Flasche Wein geleistet, es ist ein Barolo aus den Piemont. Ein richtig teurer Stoff, aber das ist er mir wert. Ich habe die Flasche geöffnet, den Wein atmen lassen. Jetzt lasse ich ihn im Glas kreisen. Rubinrot ist er. Ich nehme den ersten Schluck, schmecke Himbeeren, Pflaumen, einen Hauch von Lakritz. Mit dem Geschmack des Weines kommen die Erinnerungen. Tränen schießen mir in die Augen, ich blinzele sie weg.‚Jetzt oder nie’, denke ich, weiß genau, dass ich den Brief jetzt lesen muss, sonst wird das nie was. Doch bevor ich den Umschlag endgültig öffne, denke ich daran, wie alles angefangen hat ...


Gesucht wird für den Privathaushalt eines Unternehmers mit einer Tochter im Alter von 7 Jahren eine flexible Kinderfrau/Erzieherin die sich um den Tagesablauf des Kindes kümmert. Geboten wird eine Festanstellung.
Das Kind besucht eine Privatschule. In den Morgenstunden machen Sie es für die Schule fertig und bringen es dorthin. Am Nachmittag holen Sie das Kind von der Schule ab und gestalten das weitere Programm mit ihm. Sie sollten im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis sein und nicht rauchen. Ein Dienstfahrzeug steht zur Verfügung. Der Erziehungsberechtigte ist in der Regel nicht vor dem Abend zu Hause und teilweise auf Reisen. Deshalb sollten Sie auf dem Anwesen übernachten.
Eine kleine, möblierte Wohnung in einem Nebengebäude des Anwesens steht Ihnen zur Verfügung. Falls nötig sollten Sie an den Wochenenden zur Verfügung stehen, was separat vergütet wird. Unterstützt werden Sie durch eine Haushälterin, die montags bis freitags ganztätig ins Haus kommt.  Sie sollten flexibel sein und dieses Aufgabengebiet selbständig übernehmen.
Weiterhin sollten Sie gute englische Sprachkenntnisse besitzen. Allerdings wird Wert darauf gelegt, dass mit dem Kind deutsch gesprochen wird. Die Position ist per sofort zu besetzen und wird überdurchschnittlich vergütet.
Weitere Informationen: Das Anwesen Ihres zukünftigen Arbeitgebers liegt in der Nähe von Holyfield, auf Holy Island, einer kleinen Insel in der Irischen See. Die Insel ist durch eine Brücke (Four Mile Bridge) und einen Damm mit dem Festland verbunden. Liverpool befindet sich in ca. 110 km Entfernung.


***
Diese Annonce kam mir gerade Recht, denn ich brauchte Abstand. Abstand von meinem bisherigen Leben, das wie ein Scherbenhaufen vor mir lag. Es kam mir vor, als lägen Lichtjahre zwischen der grenzenlos glücklichen, immer gut gelaunten und strahlenden Person und dem Häufchen Elend das ich seit einiger Zeit war. Dabei hatte alles so super angefangen. Mein Job als frisch gebackene Erzieherin machte mir Spaß. Zudem liebte ich Dominik aus ganzem Herzen. Wir planten ein gemeinsames Leben, wollten eine Familie gründen, mindestens fünf Kinder haben und gemeinsam ein Haus bauen, in dem sie groß werden würden.„Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.“ Hat schon John Lennon in dem Song „Beautiful Boy“ gesagt*. Das stimmt wirklich. Von gleich auf jetzt ging mein Leben in die Brüche.
Mein Dominik, die Liebe meines Lebens, verließ mich für eine Andere. Nicht irgendeine Andere, oh nein! Die Glückliche war die verheiratete, mittelalte Leiterin des Kindergartens. Also meine Vorgesetzte. Wie geschmacklos war das denn! Irgendwann hatten die Zwei wohl Gefallen aneinander gefunden, trafen sich heimlich und gingen miteinander ins Bett. Das lief so lange gut, bis der gehörnte Ehemann dahinter kam. Er war entschieden cleverer als ich, die zu diesem Zeitpunkt noch an die wahre Liebe glaubte.
Ich will es kurz machen: Es kam zum Supergau. Die mittelalte Person verließ ihren Mann, Dominik verließ mich. Ich war zunächst in einer Schockstarre, die allerdings nicht lange andauerte. Eine unglaubliche Wut folgte. Ich stellte zuerst Dominik und dann die Person, mit der ich jeden Tag im Kindergarten zu tun hatte, zur Rede. Beide Unterhaltungen waren unschön und laut. Als Folge kündigte ich das Arbeitsverhältnis, warf Dominik seine restlichen Sachen vor die neue Wohnung und das buchstäblich. Unser zerschreddertes, gemeinsames Foto in DIN A2 Format packte ich ihm in den Briefkasten.
Nichts war mehr so, wie ich es geplant hatte. Deshalb hatte ich beschlossen, mich auf die Annonce zu bewerben, in der eine Erzieherin gesucht wurde. Bestimmt würde ich durch einen aufregenden neuen Job meinen Kummer vergessen. Einem Neuanfang stand also nichts im Wege. Mit viel Hoffnung und Enthusiasmus schickte ich also meine Bewerbung los und bekam bald darauf einen Anruf:
„Hallo, hier spricht Celine Faure. Ich Rufe im Namen von Mister Connor Thorburn an. Sie hatten sich für die Stelle als Kindermädchen auf Crannog House beworben.“
„Genau. Als Kindermädchen und Erzieherin“, quiekte ich atemlos. Dass ich so schnell eine Chance bekam, damit hatte ich nicht gerechnet.
„Wenn der Job immer noch für Sie in Frage kommt, dann möchte ich gern ei-nen Vorstellungstermin mit Ihnen aus-machen.“„
Ja, klar. Wann wäre das?“, stammelte ich aufgeregt.„So schnell es geht“, war die Antwort. „Ihre Reisekosten werden natürlich von Mister Thorburn übernommen. Ich buche Ihnen ein Ticket von Hamburg nach Liverpool und einen Leihwagen. Es sind dann noch circa 100 Meilen bis nach Crannog House. Das werden Sie doch sicher bewältigen. Schließlich sollen Sie zukünftig Fia zur Schule bringen und wieder abholen.“
Ich schluckte. An den britischen Linksverkehr hatte ich bisher noch gar keinen Gedanken verschwendet. Aber irgendwie würde ich es schon schaffen.
„Hallo, sind Sie noch da?“, schnurrte Celine Faure.„Ja, klar. Kein Problem. Wenn Sie mir alle Unterlagen schicken, steht einem Vorstellungstermin nichts im Weg“, sagte ich optimistischer, als ich mich fühlte.

***
Wie Celine es mir erklärt hatte, lag das Anwesen meines zukünftigen Arbeitgebers abgeschieden an der irischen See. Bis zum nächsten Ort, Holyfield,  waren es etliche Kilometer. Die Schule, die Thorburns Tochter besuchte, lag auf dem Festland, das durch eine Brücke zu erreichen war. Ich würde meinen Schützling also früh wecken müssen.Bis zum Gesprächstermin hatte ich mir alle möglichen Szenarien vorgestellt. Sicher würde der Vater des Kindes ein langes Gespräch mit mir führen, denn er wollte seine Tochter bestimmt in guten Händen wissen. Ich überlegte mir Antworten auf die Fragen, die er mir sicher stellen würde. Wie ich durch die Formulierung der Annonce schon vermutet hatte, war Connor Thorburn geschieden. Das Kind lebte bei ihm. Natürlich hatte ich ihn gegoogelt. Er war scheinbar schwer reich, aber was für Geschäfte er genau tätigte, fand ich nicht heraus. So wirklich interessierte mich das auch nicht. Dafür war ich gespannt auf sein Aussehen. Leider gab es nicht besonders viele öffentliche Fotos von ihm. Auf denen, die ich fand, war er verschwommen im Hintergrund abgebildet. Thorburn schien ein fotoscheuer Mensch zu sein. Das konnte ich gut verstehen. Wer will schon ungefragt in die Öffentlichkeit gezerrt werden? So stellte ich mir einen netten, älteren Daddy vor, dem vor allen Dingen das Wohl seines Kindes am Herzen lag. Sein Vater war ein Schotte und seine Mutter eine Deutsche gewesen. Beide Eltern lebten nicht mehr. Es schien, als wolle er seine Tochter zweisprachig aufwachsen lassen, deshalb suchte er vermutlich ein deutsches Kindermädchen.
Wie verabredet bekam ich ein paar Tage später einen dicken Umschlag zugeschickt, in dem sich die Tickets für den Hin- und Rückflug und die Unterlagen für den Mietwagen befanden. Ich würde vormittags ankommen und am nächsten Tag wieder zurückfliegen.
Also packte ich mein Köfferchen und machte mich auf den Weg zum Flughafen. Der Flug verlief reibungslos, der Mietwagen stand parat. Mit dem Linksverkehr tat ich mich zunächst schwer, aber als ich Liverpool hinter mir gelassen hatte, funktionierte auch das einigermaßen. Zu meinem Erstaunen stellte ich fest, dass Holy Island einer weiteren Insel mit Namen Anglesey vorgelagert war, so dass ich also zwei Inseln überqueren musste, um Crannog House zu erreichen. Zum Glück waren beide Inseln durch Brücken miteinander, beziehungsweise mit dem Festland verbunden. Ich würde also nicht täglich mit der Fähre fahren müssen, um Fia zur Schule zu bringen und sie wieder abzuholen, was ich mir sehr zeitaufwendig vorstellte.

***
Aufgeregt läutete ich an dem schmiedeeisernen Tor, das in die hohe Mauer eingelassen war, die das Anwesen umgab. Ein bisschen kam mir alles unwirklich vor, denn so etwas kannte ich nur aus Filmen über die Reichen und Schönen. Eine Kamera surrte in meine Richtung. „Sie  sind überpünktlich“, erklang es blechern aus dem Lautsprecher.„Ja ... ähm ... genau. Ich bin ein bisschen früh dran, weil alles super geklappt hat“, erklärte ich während ich angespannt von einem Bein aufs andere trat. Ein Summen ertönte, die Torflügel schwangen weit auf. Neugierig schaute ich während der Fahrt zum Haupthaus nach rechts und links. Was für einen riesigen Garten ich durchfuhr!Der Anblick des Hauses verschlug mir die Sprache. Es war in die Klippen hineingebaut, wirkte ein bisschen futuristisch mit seiner gläsernen, chromblitzenden Fassade. Alles sah aus, als wäre es einer Homestory über einen Superreichen aus einem Hochglanzmagazin entstiegen. Entschlossen parkte ich direkt vor der Tür und stieg aus. So schnell würde ich mich nicht beeindrucken lassen.
Ehe ich ganz vor der Tür stand, öffnete sich diese. Ein Mädchen und eine junge Frau begrüßten mich, wobei das Mädchen ein wenig schüchtern zu sein schien. I
ch ging in die Hocke. „Hallo. Ich bin Kim. Wer bist du denn?“
„Fia“, antwortete die Kleine leise. „
Bist du die Neue?“, fügte sie zögernd hinzu.
Ich lächelte. „Das würde mich sehr freuen. Ich glaube, dass wir uns gut verstehen würden.“
„Hallo, ich bin Celine. Wir haben telefoniert. Kommen Sie doch herein. Hier entlang“, schaltete die junge Frau sich ein. Sie führte mich durch eine ziemlich große Diele in ein Büro. Fia, die uns gefolgt war,  scheuchte sie mit einer Handbewegung weg. „Geh spielen. Das ist jetzt nichts für dich.“
Die Kleine ließ den Kopf hängen, trottete aber wortlos davon.„Ich hätte kein Problem damit gehabt, wenn Fia geblieben wäre“, erklärte ich.„Ach was, sie soll in ihr Zimmer gehen und mit ihren Puppen spielen“ Celine schien Kinder nicht besonders zu mögen, jedenfalls dieses Kind nicht. „Also, Kim, ich darf doch Kim sagen und nennen Sie mich ruhig Celine.“
Ich nickte zustimmend. Ehe ich noch antworten konnte, fuhr Celine schon fort. „Sie wollen also als Kindermädchen für Fia anfangen. Das ist schön. Ihre Zeugnisse habe ich ja bereits gesehen. Das ist in Ordnung. Das Kind scheint sie zu mögen. Sie machen einen kompetenten und netten Eindruck auf mich. Also ist alles klar. Wie sie wissen sucht Mister Thorburn so schnell wie möglich jemanden. Also - wann könnten Sie anfangen?“
Ich hatte noch keine drei Worte mit Celine gewechselt und machte einen kompetenten Eindruck auf sie? Das war ja mal eine Aussage. Überrascht schnappte ich nach Luft. Dieses Vorstellunggespräch hatte ich mir ganz anders vorgestellt. „Also ... aber“, schon wieder geriet ich ins Stottern. „Ja will denn Mister Thorburn gar nicht mit mir sprechen?“, platzte ich schließlich heraus.
Celine musterte mich kühl. „Mister Thorburn ist im Moment in den Staaten. Er führt dort wichtige Verhandlungen. Er hat mir freie Hand gegeben, jemanden einzustellen. Vielleicht wird er sich mit Ihnen unterhalten, wenn er wieder da ist. Das wird allerdings einige Zeit dauern. Er ist ein vielbeschäftigter Mann, wie Sie sich denken können. In seiner Abwesenheit bin ich Ihre Ansprechpartnerin. Alles Wesentliche haben Sie der Annonce entnommen. Zudem entsprechen Sie den Anforderungen. Alors, wann könnten Sie mit der Arbeit beginnen?“, das klang ziemlich ungeduldig.„Na ja, theoretisch sofort. Ich brauchte allerdings ein paar Tage, um zu packen und meine Angelegenheiten zu regeln. Crannog House liegt ja nicht gerade um die Ecke. Da gibt es schon einiges zu organisieren.“ Ich hatte mir überlegt, dass ich meine Wohnung fürs Erste behalten würde, falls ich den Job bekommen sollte. Kündigen konnte ich sie immer noch. Also würde ich erst einmal meine persönlichen Sachen zusammenpacken. Gegebenenfalls konnte ich den Rest immer noch holen.
„Geht doch“, Celine stand auf. „Ich zeige Ihnen jetzt ihre zukünftige Wohnung. Ihr Dienstwagen ist ein kleiner BMW. Mit diesem Auto werden Sie Fia zur Schule nach Newborough fahren. Der Ort liegt auf Anglesey, es ist also nicht zu weit.“ Sie stockte und  musterte mich unverhohlen. „Übrigens, nur so als Tipp: Mister Thorburn mag es, wenn die Personen in seinem Umfeld ein gewisses Aussehen haben. Vielleicht sollten Sie sich noch Garderobe zulegen, die ...“, sie stockte, fuhr dann aber fort, „die eher chic als praktisch ist. Bitte, ich gehe dann mal vor.“ Mit einer Handbewegung deutete sie mir an, ihr zu folgen, nicht ohne mich noch einmal abschätzend von oben bis unten zu taxieren.
‚Was für eine arrogante Ziege’, dachte ich. Diese Person war mir jetzt schon unsympathisch. Zugegeben, mit der tollen Figur, ihrem super gestylten Aussehen und der sexy Kleidung, konnte ich nicht mithalten, aber das wollte ich gar nicht. Mit gefühlt einem Kilo Makeup im Gesicht und falschen Wimpern würde ich mich niemals wohlfühlen. Zudem wäre ich wahrscheinlich nicht in der Lage zu atmen, geschweige denn zu essen, wenn ich mich in eine so enge Hose quetschen würde. Aber so dünn, wie Celine war, aß sie wohl so gut wie nichts. Und mal ehrlich: wer trägt schon Highheels, wenn er mit Kindern arbeitet? Entsprechend war mein Outfit wie immer bequem und praktisch. Immerhin hatte ich mir extra für dieses Gespräch neue Schnürsenkel in meine Sneakers gezogen. Geschminkt hatte ich mich sehr dezent und meine Haare ...
Ach ja, meine Haare. Sie waren eben ziemlich lockig, ziemlich rot und sehr, sehr störrisch. Sie in Form zu bringen war ein hoffnungsloses Unterfangen. So kringelten sie sich wirr in alle Richtungen. Aber irgendwie gehörten sie halt zu mir. Ich beschloss, mich nicht durch Celines hochtrabende Art ärgern zu lassen und folgte ihr. Eigentlich konnte ich ja auch froh sein, dass sie mich so ohne weiteres einstellte. Hinzu kam, dass die Wohnung, die sie mir zeigte, mich vollends für ihr Verhalten entschädigte. Sie befand sich in einem kleineren Haus, das etwas abseits lag. Es schwebte, wie das Haupthaus, auf den Klippen. Meine Wohnung war im Obergeschoss und vom Balkon aus hatte ich einen atemberaubenden Blick auf die See.„Unten wohne ich“, erklärte Celine. „Wenn Sie also mal Gesellschaft suchen ...“, fügte sie erstaunlicherweise hinzu.
Ich zuckte mit den Schultern. „Ich komme ganz gut mit mir allein zurecht. Das ist kein Problem.“
Celine hob die Augenbrauen. „Ach, ja? Ist nur ein Angebot. Übrigens gibt es natürlich einen netten Privatstrand, den auch wir benützen dürfen. Jedenfalls, wenn Mister Thorburn nicht anwesend ist. Wenn dann alles geklärt ist, gehen wir zurück ins Büro und machen den Vertrag fest. Wäre es Ihnen zum nächsten Ersten Recht?“
„Ja, das wäre in Ordnung“, nickte ich.
„Gut. Jetzt zeige ich Ihnen noch den Dienstwagen, falls sie möchten. Sie können gleich hier übernachten, Stella, die Haushälterin hat alles für Sie hergerichtet. Wenn sich Mister Thorburn auf einer Geschäftsreise befindet, dann essen sie mit dem Kind und machen es auch bettfertig. Das können Sie heute Abend direkt machen. Seit das letzte Kindermädchen gekündigt hat, hat Stella sich um das Kind gekümmert und ist dann erst nach Hause gefahren. Sie wird sich freuen, wenn sie heute früher heimkommen kann. Morgen nach dem Frühstück geht es für Sie zurück nach Hause und dann sehen wir uns ja bald wieder.“

***
Nun lebte ich schon ganze zwei Wochen auf Crannog House, ohne den Hausherren zu Gesicht bekommen zu haben. Wenigstens hatte ich inzwischen ein Foto von ihm gesehen und war beeindruckt.
Er sah richtig gut aus: Groß, blond mit blauen Augen und einem ebenmäßigen Gesicht. Zudem war er gut gebaut und hatte ein tolles Lächeln. Doch strahlte er sogar auf dem Bild, das ihn und seine Tochter zeigte und in Fias Zimmer stand, Dominanz und Autorität aus. Trotz des Lächelns schien ihn eine merkwürdige, unterschwellige  Düsterkeit zu umgeben.
Mit Fia verstand ich mich auf Anhieb gut. Die Kleine war ein wenig verschlossen, aber das brauchte einfach Zeit. Ich war guter Dinge, dass Fia sich mir weiter öffnen würde. Über ihren Vater sprach sie nicht viel. Er schien sich nicht oft um sie zu kümmern.
Auch hatte Fia bisher nicht besonders gute Erfahrungen mit ihren diversen Kindermädchen gemacht, die häufig gewechselt hatten. Das es eine Menge Frauen gewesen waren, hatte Celine mir erzählt. Scheinbar waren sie allesamt nicht mit Connor Thorburn klargekommen. Ich nahm mir vor, mich ihm gegenüber gelassen und zurückhaltend zu verhalten. So würde ich schon mit ihm auskommen.
Jeden Morgen fuhr ich Fia zur Schule und jeden Nachmittag holte ich sie von dort ab. Zum Glück war der Weg nicht all zu weit und viel Verkehr gab es auch nicht.
Wider Erwarten kam ich mit Celine ganz gut zurecht, was auch daran lag, dass ich mich einfach nicht provozieren ließ. Und wie es immer so ist, hatte auch Celine zwei Seiten. Manchmal konnte sie ganz schön arrogant und zickig sein, aber gleichzeitig war sie großzügig und hilfsbereit. Als ich zum vereinbarten Termin auf Crannog House ankam stellte ich fest, dass Celine ein Organisationstalent war. Sie hatte meine neue Wohnung noch einmal gründlich in Schuss bringen lassen, meinen Kühlschrank gut gefüllt und den Gärtner damit beauftragt, mir zu helfen, meine Sachen in die Wohnung zu schaffen. Sie bot sich sogar an, mir beim Einräumen zu helfen. Allerdings lehnte ich das gutgemeinte Angebot ab.
An meinem ersten Abend kam sie mit einer Flasche Wein zu mir hoch. „Jetzt müssen wir aber erst mal auf deinen neuen Job anstoßen“, erklärte sie. „Ich sage einfach mal du. Wir sind so ziemlich im gleichen Alter, schätze ich.“
Dagegen hatte ich überhaupt nichts. „Kein Problem, ich bin sowieso nicht für übertriebene Förmlichkeiten. Lass uns auf den Balkon gehen“, schlug ich vor.„Wie ist er so“, fragte ich, als wir es uns bequem gemacht hatten.
Celine schaute mich über ihr Glas hinweg an. „Du meinst Thorburn? Er ist ein Arsch, aber er bezahlt gut.“
Uff, das war eine direkte Antwort. Ich blinzelte irritiert. „Wie jetzt? Wie meinst du das?“
„Wie ich es sage. Er ist ein Riesenarschloch. Arrogant, verletzend, nur auf seinen Vorteil bedacht. Er liebt es, die Leute in seinem Umfeld nieder zu bügeln. Du tust gut daran, ihm möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten.“
Es schien Celines Art zu sein, immer zu sagen was sie dachte. In diesem Fall eben über ihren Chef. „Meinst du das ernst? Dann sieh mal zu, dass er nicht aus Versehen hört, was du von ihm hältst.“ Nachdenklich nahm ich einen Schluck aus meinem Glas. „Ist er viel unterwegs?“
„Ja, das ist er und das ist gut so. Ich schmeiße hier den Laden, wenn er weg ist. Wenn ich ihn permanent auf dem Hals hätte, dann hätte ich ihm schon den Krempel vor die Füße geworfen. Aber so ist es ein super Job.“ Celine grinste mich an. „Er wird allerdings bald hier eintrudeln, denke ich mal. Dann wirst du ihn kennenlernen. Ich wünsche dir jetzt schon viel Spaß dabei. Und wenn ich dir noch einen guten Rat geben darf: Er kann durchaus ganz charmant sein, aber das ist nur vordergründig. Lass dich davon nicht einwickeln. In Wirklichkeit sucht er nur deinen Schwachpunkt, um dann kräftig zuzuschlagen. “
Ich schluckte. Celine schien einschlägige Erfahrungen mit Connor Thorburn gemacht zu haben. Oder sie übertrieb maßlos. Das konnte ich nicht so richtig abschätzen. Jedenfalls sah mein Arbeitgeber auf dem Foto mit Fia überwältigend gut aus. Ich beschloss mich positiv zu geben, obwohl mir bei Celines Schilderung gar nicht wohl war. „Ach was! Er wird schon nicht so schlimm sein. Vielleicht komme ich ganz gut mit ihm klar. Schließlich geht es auch um seine Tochter. Übrigens habe ich nicht vor, mich großartig mit ihm zu beschäftigen, jedenfalls nicht mehr, als nötig. Er ist ja nun mal mein Brötchengeber, nicht mehr und nicht weniger“, sagte ich deshalb.„Wir werden sehen.“ Celine musterte mich einen Augenblick. „Auf alle Fälle passt du nicht wirklich in sein Beuteschema. Ein Glück für dich.“
Wenn wir schon über den Boss sprachen, konnte ich auch direkt nachfragen. „Ich habe gelesen, dass er geschieden ist? Kennst du seine Ex Frau?“
„Neugierig bist du gar nicht. Wo du dich doch nicht wirklich mit ihm beschäftigen willst.“ Celine konnte echt dreckig grinsen. „Klar kenne ich die Ex. Allerdings nur flüchtig, weil ich noch nicht für Thorburn gearbeitet habe, als er verheiratet war. Sie holt sich ab und zu das Kind. Wenn es ihr gerade in den Kram passt. Sie sieht immer super aus, das muss ich schon sagen, aber das ist kein Wunder. Schließlich hat ihr die Heirat eine Menge Kohle eingebracht. Die hat bis an ihr Lebensende ausgesorgt, wenn sie es geschickt anstellt“, an dieser Stelle seufzte Celine theatralisch. „Was würde ich darum geben, auch mal so einen fetten Fisch an Land zu ziehen.“
Bei ihrer Schilderung wurde es mir kalt und ich zog fröstelnd die Schultern hoch. Fia tat mir leid. Eine Mutter, die sich ge-legentlich blicken ließ. Ein Vater, der selten Zeit hatte und ständig wechselnde Kindermädchen. Was half es da, dass die Kleine ihr Zimmer voller Spielzeug hatte? Kein Wunder, dass sie verschlossen war. Ich beschloss, mich ganz besonders um Fia zu kümmern und die Stelle nicht so einfach aufzugeben.

***
Heute würde ich also den mysteriösen Connor Thorburn kennenlernen. Nach all den Bemerkungen und Andeutungen über ihn war ich gleichzeitig gespannt und nervös. Immer wieder sagte ich mir, dass ich doch nur das Kindermädchen wäre und mit Fia richtig gut klar kam. Die Kleine mochte mich, was auf Gegenseitigkeit beruhte. Wir kamen gut zurecht. Alles andere würde Thorburn nicht interessieren. Trotzdem zog ich mich an diesem Morgen besonders sorgfältig an und versuchte sogar, meine Haare einigermaßen zu bändigen, was nur bedingt gelang. Jedenfalls hatte ich es aus dem Gesicht gebunden und kam mir ziemlich hübsch vor.Wie immer hatte ich Fia am Morgen zur Schule gebracht und heute schon gegen Mittag wieder abgeholt.
Die Kleine aß kaum zu Mittag. Sie war ganz kribbelig und ein bisschen enttäuscht, dass ihr Vater noch nicht da war. Ich versuchte sie zu beruhigen. „Du wirst sehen, dein Papa kommt bestimmt bald. Schade, dass er vergessen hat zu sagen, wann er genau ankommt. Aber bestimmt freut er sich ganz doll auf dich.“
„Meinst du?“, die Kleine schaute mich treuherzig an.„Ja klar! Deine Hausaufgaben hast du heute nicht in der Schule gemacht. Am Besten du erledigst sie sofort, dann hast du richtig viel Zeit, wenn er angekommen ist.“„Das ist ein guter Vorschlag. Zum Glück haben wir nicht viel aufbekommen.“
Tatsächlich waren die Hausarbeiten schnell erledigt. Während wir noch ein wenig lesen übten, öffnete sich die Zimmertür.
„Papa“, jubelte Fia und warf sich ihrem Vater in die Arme.
Der hob sie hoch und drückte sie kräftig an sich. „Hallo, Fia. Wie geht es dir?“
„Aua, nicht so doll drücken“, kicherte die Kleine. „Mir geht es gut. Ich habe eine neue Freundin. Kim.“
Dieser Satz freute mich ungeheuer, denn damit hatte ich gar nicht gerechnet. Zögernd stand ich auf, ging auf die beiden zu und steckte meine Hand aus. „Guten Tag, Mister Thorburn. Ich bin Kim Engel, das neue Kindermädchen. Es ist schön, Sie endlich kennenzulernen.“
„Stimmt. Celine hat irgendetwas von einem neuen Kindermädchen gesagt“, während dieser Worte setzte er Fia ab und gab mir die Hand. Ich musterte ihn verstohlen. Er sah verdammt gut aus. Noch besser als auf dem Foto. Sein Outfit musste eine Maßanfertigung sein. Die Jeans schmiegte sich um seine Hüften und der Sweater ließ auf einen durchtrainierten Oberkörper schließen. Aber wahrscheinlich würde dieser Mann sogar in einem ollen, ausgeleierten Jogginganzug fantastisch aussehen.
Thorburn grinste mich maliziös an. „Kann ich meine Hand wiederhaben? Oder brauchen Sie sie für irgendeinen Zweck? Ich könnte mir tatsächlich eine Menge vorstellen.“
Mir wurde heiß. Hastig zog ich meine Hand zurück. Tatsächlich hatte ich vergessen ihn loszulassen, dabei wollte ich doch cool und unnahbar wirken. Gerade nach Celines Warnung! „Ähm ... sorry ... ich ...“, ich verstummte verzagt und registrierte, dass er gar nicht daran dachte, mich aus der Verlegenheit zu befreien, sondern mich weiter amüsiert - boshaft musterte. Dann wandte er sich an seine Tochter: „Das ist also deine neue Freundin? Wenn du sie magst, dann darfst du sie erst einmal behalten. Aber vielleicht kannst du ihr gelegentlich beibringen, etwas mit ihrem Haar zu machen. Oder du leihst ihr ein paar Spangen, damit es nicht so komisch absteht. Das sieht bestimmt besser aus.“
„Also, das ist ja ...“, ich holte tief Luft, während mein Gesicht inzwischen wahrscheinlich die Farbe eines Feuermelders angenommen hatte.
„Aber Papa ...“, Fia ließ mich nicht zu Wort kommen. Das war ganz in Ordnung, weil ich irgendwie gar nicht wusste, was ich sagen sollte. Dieser Mann war einfach unmöglich! Am Liebsten hätte ich ihn gehauen und zwar mitten in das grinsende Gesicht! Aber das kam nicht in Frage, schließlich wollte ich meinen Job behalten.„... also mir gefallen Kims Haare. Sie sind so schön struwwelig. Überhaupt gefällt Kim mir ganz und gar. Du sollst nicht so über sie reden.“ Das wurde ja immer schöner. Jetzt musste mich schon ein Kind verteidigen, weil mir die Worte fehlten.
Thorburn beugte sich zu seiner Tochter hinab. „Ist schon gut. Ich sage nichts weiter. Es ist nett, dass du dich gut mit ihr verstehst. Jetzt werde ich unter die Dusche gehen. Es war ein langer Flug. Wir sehen uns beim Abendessen. Bis nachher Kleines. Bis dann mal, Miss Stunned.“ Er warf mir einen undefinierbaren Blick zu und ging. Fataler Weise spukten mir sofort Bilder im Kopf herum. Thorburn unter der Dusche oder nur mit einem Handtuch um die Hüften ...
„Mach dir nichts draus. Er meint es nicht so“, versuchte Fia mich zu trösten.

***
Zum Glück wurde beim Abendessen auf meine Anwesenheit verzichtet. Das hatte mir Celine schon beim Einstellungsgespräch gesagt. Thorburn legte Wert darauf, allein mit seiner Tochter zu Frühstücken und zu Abend zu essen, wenn er da war und er brachte sie selbst ins Bett. Ich war heilfroh darüber, denn ich wusste nicht, wie ich mich bei einer erneuten Begegnung mit diesem unmöglichen Menschen verhalten sollte. Ich bereitete mir eine Kleinigkeit in meiner Wohnung zu, aber eigentlich hatte ich gar keinen Hunger. Mit vielem hatte ich gerechnet, aber nicht mit solch einer Szene beim ersten Zusammentreffen. Also schien Celine wirklich Recht mit ihrer Einschätzung zu haben. Connor Thorburn war ein Arschloch. Ein arrogantes Arschloch noch dazu. Nachdem ich lustlos in meinem Essen herumgestochert hatte, versuchte ich mich auf ein Buch zu konzentrieren, was mir nicht wirklich gelingen wollte. Das Fernsehprogramm bot die normale Mischung aus Seniorenprogramm, Endlosserien und Verdummung Marke ‚Dschungel sucht König’ und ‚Bauern im Camp’.
Also beschloss ich, zum Strand hinunter zu gehen, um den Kopf frei zu bekommen. Gedankenverloren machte ich mich auf den Weg. Was war nur mit diesem Mann, dass er mich so aus der Fassung brachte? Das war mir mit Dominik nicht mal zu Anfang unserer Beziehung passiert. Obwohl ich mich in ihn verliebt hatte, übte er zu keiner Zeit eine derartige Faszination auf mich aus. Auch der Sex mit ihm war nett gewesen, aber sicher nicht überwältigend, wie ...
Stopp! Nun schien ich echt überzuschnappen. Diesen unmöglichen Connor Thorburn hatte ich einmal gesehen, wobei er sich gnadenlos lustig über mich gemacht hatte, und jetzt dachte ich über Faszination und Sex mit ihm nach? Verwirrt schüttelte ich den Kopf. „Hör sofort auf damit“, murmelte ich und kickte gegen einen Stein.„Selbstgespräche?“, vernahm ich eine wohlbekannte Stimme aus dem Dunkel und blieb abrupt stehen. Nebenbei registrierte ich, dass ich tatsächlich am Strand angekommen war. Normalerweise hätte ich das Szenario toll gefunden. Der von hohen Felsen eingerahmte Sandstrand, das gemütlich aussehende, von einigen dämmrigen Lampen beleuchtete kleine Strandhaus. Aber unter diesen Umständen hätte ich am Liebsten direkt wieder kehrt gemacht. Nun, diese Blöße würde ich mir nicht noch einmal geben. Also versuchte ich, Thorburn im Dunkel auszumachen. Seine Stimme war von einer der Felswände gekommen. Dorthin wandte ich mich.
„Macht es Spaß, Leute im Dunkeln zu belauschen?“, fragte ich schnippisch.
Er lachte leise. „So würde ich das nicht nennen. Immerhin ist es mein Strand, an dem ich hier in aller Seelenruhe stehe und den Wellen lausche.“„Dann will ich sie nicht länger stören - beim Lauschen“, auch das klang einfach nur zickig, aber ich konnte nicht anders.
Plötzlich stand er viel zu nah bei mir. „Alles gut. Kommen Sie runter. Warum sind Sie so aggressiv?“
„Pah“, ich schnaubte hörbar durch die Nase. Das fragte er tatsächlich? Nachdem er sich bei unserer ersten Begegnung über mich schlappgelacht hatte. „Ich bin nicht aggressiv“, quetschte ich heraus.„Dann ist es ja gut. Kommen Sie, ich zeige Ihnen meinen Lieblingsplatz.“ Er nahm meinen Arm und führte mich ein paar Schritte zur Seite. Zu meiner eigenen Überraschung folgte ich ihm. Ich konnte es selbst nicht fassen! Statt ihm meinen Arm zu entziehen, einfach kehrt zu machen und zu meiner Wohnung zu gehen, stolperte ich neben ihm her wie ein dummes Schaf. Das ich ja wohl auch war!Schließlich blieb er stehen, legte seinen Arm um mich, beugte sich mir zu. Sein Duft stieg mir in die Nase. Männlich, herb, ein Hauch von Parfüm, Zedernholz vielleicht. Ich konnte gar nicht anders, als näher an ihn heranzurücken, was er mit einem kleinen Lachen quittierte. Sofort versuchte ich wieder Abstand zwischen uns zu bringen. Ein sinnloses Unterfangen. Er hielt mich mühelos fest. 
„Bitte, ich möchte gern zurück“, stammelte. Dieser Mann brachte mich pausenlos aus der Fassung.
„Aber, aber, Kim. Ich darf doch Kim sagen.“ Seine Stimme klang trügerisch sanft.
Zögernd nickte ich. „Ja, sicher.“
„Also, Kim. Bleiben Sie noch einen Moment.“ Er zog mich noch näher, was mir die Knie weich werden ließ. „Ist es nicht schön und friedlich?Schön war es in der Tat hier. Die Wellen plätscherten sanft an den Strand. Der volle Mond spiegelte sich im Wasser und die Sterne plinkerten am wolkenlosen Himmel. Das ganze sah aus, wie auf einem Hochglanz Werbefoto. Einfach zu schön, um wahr zu sein. Ich seufzte. „So nett es hier ist. Trotzdem ... Ich gehe lieber wieder zurück.“
„Unsinn. Niemand wartet auf dich. Bleib einfach hier, genieße den Augenblick und lass dich  fallen.“ Verwirrt nahm ich zur Kenntnis, dass Thorburn mich plötzlich duzte. Hinzu kam, dass er seine Hände sanft über meinen Rücken streichen ließ. Die Berührung ließ mich erschauern.„Oh, dir ist doch hoffentlich nicht kalt“, raunte er mir ins Ohr. „Dagegen müssen wir dringend etwas unternehmen.“ Ehe ich reagieren konnte, hatte er sich zu mir hinunter gebeugt und berührte meine Lippen. Erst sacht und bedächtig, dann leidenschaftlich, feucht und fordernd. Mein Mund öffnete sich wie von selbst, unsere Zungen spielten miteinander. Feuchte Wärme machte sich zwischen meinen Schenkeln breit. Ich schmiegte mich an ihn, fühlte seine Hände auf meinen Brüsten, stöhnte leise auf.
Mit einem leisen Lachen löste er sich von mir. „Wie ich es mir dachte. Ich könnte dich jetzt und sofort nehmen. Hier am Strand, die Felswand im Rücken, mit gerafften Röcken würdest du stöhnen und wimmern. Du bist leicht zu haben, Miss Stunned.“
Wenn er mir einen Eimer eiskaltes Wasser über den Kopf geschüttet hätte, so wäre das nicht ernüchternder gewesen. Schnell trat ich einen Schritt zurück. „Das ist ja wohl das Letzte. Was bilden Sie sich ein!“
„Ich bilde mir gar nichts ein. Ich habe lediglich ein Experiment durchgeführt und einmal mehr festgestellt, dass sich mein erster Eindruck bewahrheitet hat“, erklärte er und kam sich bestimmt richtig cool vor. Was für ein arroganter Mistkerl! „Das naive Kindermädchen. Vordergründig spröde, aber eigentlich richtig heiß. Deine letzte Beziehung ist gescheitert“, er schaute mich aufmerksam an. „Du bist aus Hamburg geflüchtet, weil dein Kerl dich betrogen hat. Mit irgendeiner Tussi, die dir im Grunde nicht das Wasser reichen kann. Du hast ihm wohl nicht genug geboten. Deshalb hat er sich woanders bedient. Aber im Grunde hat er dich gelangweilt. Er hat dich nicht anmachen können, weil er eine Pussy ist. Du brauchst es hart. Du musst dominiert werden. Das willst du nicht wahr haben, aber es ist nur eine Frage der Zeit, dass du entdeckst, wie geil es ist, wenn ein Kerl dir die Sporen gibt.“
„Jetzt reicht es aber! Macht es Ihnen Spaß, Leute zu verletzen? Geilen Sie sich daran auf, oder was? Wahrscheinlich fangen Sie gleich an zu sabbern. Das muss ich mir wirklich nicht anhören.“ Ich war aus meiner Erstarrung erwacht, stand jetzt vor ihm, wutentbrannt, die Hände in die Hüften gestützt.
Er lachte laut heraus. „Endlich zeigst du dein wahres Gesicht. So gefällst du mir. Mit zornblitzenden Augen und überhaupt nicht unterwürfig. Du kleine Wildkatze. Am liebsten würdest du kratzen und beißen, nicht wahr. Dich zu zähmen wird eine Herausforderung sein. Aber es wird sich lohnen.“
„Träum weiter!“, mit diesen Worten drehte ich mich um und stapfte davon. Ich hätte ihm wirklich am Liebsten die Augen ausgekratzt. Aber was würde das bringen? Mühsam bezähmte ich meine Wut. Tränen liefen mir über die Wangen. Ich heulte vor lauter Frust und Zorn. Über mich, die ich mich hatte hinreißen lassen, mich von ihm küssen und streicheln zu lassen. Aber auch, weil ich ihm nichts entgegenzusetzen hatte. Noch immer konnte ich seine Lippen auf meinem Mund, seine Hände auf meinen Brüsten spüren. Ob ich es wollte oder nicht, Connor Thorburn zog mich magisch an.